Gedenken

»Es könnten meine Großeltern sein, die da oben auf dem Leichenberg liegen«

Marcel Reif, Sportjournalist und Buchautor Foto: imago

Der Sportjournalist Marcel Reif kann sich nach eigenem Bekunden keine Dokumentationen über den Holocaust im Fernsehen ansehen. »Ich kann da nicht hinsehen, weil ich sofort denke: Es könnten meine Großeltern oder meine Verwandten sein, die da oben auf dem Leichenberg liegen«, sagte der 74-Jährige der »Bild«-Zeitung. »Aber ich verschließe die Augen vor dem Detail. Das kann ich nicht.«

Reif sollte am Vormittag in der Gedenkstunde im Bundestag zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus sprechen. Die Veranstaltung steht im Zeichen der generationenübergreifenden Aufarbeitung des Holocausts. Erwartet wird neben Reif auch die Überlebende Eva Szepesi.

Szepesi überlebte Auschwitz als Kind, Reif ist Vertreter der zweiten Generation. Sein Vater überlebte den NS-Massenmord an den europäischen Juden.

»Gelebte Wirklichkeit«

Angesichts von Antisemitismus müsse sich sein Vater im Grab umdrehen. Dass Judenhass wieder zum Thema und »gelebter Wirklichkeit« geworden sei, habe er sich nicht vorstellen können, sagte Reif. Für ihn selbst sei es »etwas so Undenkbares und Perverses, dass ich es kaum in Worte fassen kann«. Daher sei es gut, wenn Menschen nun auf die großen Demonstrationen gingen und Deutschland aufwache.

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus wurde in Deutschland 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt. Im November 2005 verabschiedete auch die Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution, die den 27. Januar zum weltweiten Gedenktag macht. kna

Offener Brief

Schramm warnt vor Rechtsruck in Sachsen-Anhalt

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen warnt vor wachsendem Nationalismus und einem möglichen Rechtsruck in Sachsen-Anhalt. Die AfD lehnt er klar ab und bezeichnet sie als »nicht wählbar«

 28.04.2026

Kommentar

Antisemitismus und Israelfeindlichkeit werden die SPD nicht retten

Die Sozialdemokraten sollten sich nicht an Zohran Mamdani oder Pedro Sánchez orientieren, sondern an einer alten Wahrheit von Bill Clinton

von Stefan Laurin  28.04.2026

New York

Wadephul auf Werbetour bei den Vereinten Nationen

Der deutsche Außenminister führt angesichts der Kriege im Iran und der Ukraine Gespräche bei der UNO. Es geht aber auch um eine für Deutschland wichtige Wahl Anfang Juni

von Jörg Blank, Anne Pollmann  28.04.2026

Toronto

Angriff vor Synagoge, Judaica-Geschäft beschädigt

Ein Gemeindemitglied wird geschlagen, ein Judaica-Geschäft beschädigt

 28.04.2026

Hamburg

Ausstellung zeigt Arbeiten an Ruine des Israelitischen Tempels

Die Finanzbehörde der Hansestadt will das bedeutende Kulturdenkmal dauerhaft erhalten und öffentlich zugänglich machen

 28.04.2026

Berlin

Festakt zur Umbenennung in Margot-Friedländer-Platz

Der Vorplatz des Berliner Abgeordnetenhauses wird zum 7. Mai umbenannt

 28.04.2026

Terror

Verfassungsschutz warnt vor Gefahr durch proiranische Extremisten in Europa

Politiker schlagen Alarm. Konstantin von Notz von den Grünen spricht von einer »neuen Dimension der Bedrohung«

 28.04.2026

Berlin

Gericht stoppt Extremismus-Einstufung von »Jüdischer Stimme«

Das Berliner Verwaltungsgericht stellt zwar fest, der Verein verneine das Existenzrecht Israels und zeige teilweise Verständnis für Gewalt gegen den jüdischen Staat, urteilt aber gegen seine Einstufung als extremistisch

 28.04.2026

Washington D.C.

Marco Rubio: In Teheran herrscht Dysfunktion

Der amerikanische Außenminister wirft der iranischen Regierung mangelnde Verlässlichkeit vor

 28.04.2026