Faktencheck

Es gibt keine politischen Morde an AfD-Kandidaten

Foto: imago

Nach dem Tod mehrerer AfD-Kandidaten vor den anstehenden Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen sprießen im Internet Spekulationen. AfD-Chefin Alice Weidel teilt auf X einen Post, in dem es heißt, das sei »statistisch fast unmöglich«.

Später wird der Tod zweier weiterer AfD-Listenkandidaten bekannt. Es wird in den Raum gestellt, in Deutschland sei man zu politischen Morden übergegangen.

Bewertung

Falsch. In keinem der Todesfälle gibt es Hinweise auf Fremdverschulden. Zudem sind auch Politiker anderer Parteien gestorben.

Fakten

Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) schließen die jeweiligen Polizeibehörden in allen vier ursprünglichen Fällen Fremdverschulden aus. Auch ein hoher AfD-Funktionär aus Nordrhein-Westfalen äußerte sich in einem Podcast in diesem Sinne.

Ein Sprecher der Landeswahlleiterin teilt auf dpa-Anfrage mit, auch Kandidaten anderer Parteien und Wählervereinigungen seien nach ihrer Aufstellung zu den Wahlen gestorben. Zehn Todesfälle seien bekannt, vier davon beträfen die AfD. Es lägen keine Erkenntnisse vor, dass die Anzahl der Todesfälle signifikant erhöht wäre. Der Tod von zwei weiteren AfD-Listenkandidaten wurde erst nach der Antwort der Landeswahlleitung bekannt.

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Das NRW-Innenministerium antwortet auf dpa-Anfrage, dass genauso Kandidaten anderer Parteien und Wählervereinigungen nach ihrer Aufstellung zu den Wahlen gestorben seien. In Hellenthal in der Eifel starb etwa Kommunalwahlkandidat Karl Reger von den Grünen. In Bad Münstereifel kann SPD-Kandidatin Eleonore Jüssen nicht mehr zur Wahl antreten, wie die Stadt mitteilt.

AfD-Landesvize: zurzeit keine Verdachtsmomente

Im »Politico«-Podcast »Berlin Playbook« vom 2. September 2025 gibt der AfD-Vize-Landeschef in Nordrhein-Westfalen, Kay Gottschalk, selbst hinsichtlich der sechs AfD-Todesfälle zu: »Das, was mir zurzeit vorliegt (...) bestätigt zumindest diese Verdachtsmomente im Moment nicht.«

Nach »Politico«-Informationen liegen die Todesursachen der gestorbenen AfD-Politiker etwa bei Nierenversagen oder Herzinfarkt. Zudem habe es zum Teil lang bekannte, starke Vorerkrankungen gegeben. In den Fälle der beiden später bekannt gewordenen Listenkandidaten berichtet »Politico« von einer Leber-Vorerkrankung und einem Suizid.

Die vier ursprünglichen Fälle im Einzelnen

  • Im Fall von Stefan Berendes, AfD-Kandidat für den Stadtrat in Bad Lippspringe, teilt die Polizei in Paderborn mit, es gebe keine Anzeichen für ein Fremdverschulden und deswegen auch keine weiteren Ermittlungen. Zur genauen Ursache des Todes im Alter von 59 Jahren halte man sich aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen bedeckt - wie in anderen Fällen auch. Der nordrhein-westfälische Ju-Jutsu-Verband schreibt in seinem Nachruf, Berendes sei »plötzlich und ohne jegliche Vorerkrankung mitten im Training« zusammengebrochen.
  • Im Fall von Wolfgang Seitz aus Rheinberg, der im Alter von 59 Jahren gestorben war, hatte die Polizei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. »Das ist aber nichts Besonderes, sondern Standard, wenn die Todesursache zunächst unklar ist«, erläutert ein Polizeisprecher in Wesel. Bei dem Verfahren hätten sich dann keine Hinweise auf eine Straftat oder ein Fremdverschulden ergeben. Mit Hinweis auf das Persönlichkeitsrecht und Rücksicht auf die Angehörigen des Verstorbenen wird auch hier eine genaue Todesursache nicht genannt. AfD-Vize-NRW-Chef Gottschalk sagt bei »Politico«, bei Seitz habe es eine Vorerkrankung gegeben.
  • Bei Wolfgang Klinger (Jahrgang 1953), AfD-Kandidat in Schwerte, teilt die Polizei in Unna mit, der Kommunalwahlkandidat sei eines natürlichen Todes verstorben. In eindeutigen Fällen wie diesem werde kein Todesermittlungsverfahren eingeleitet.
  • Im Fall von Ralph Lange (Jahrgang 1958), AfD-Kandidat in Blomberg, teilt die Polizei in Bielefeld mit, es liege eine natürliche Todesursache vor. Entsprechend sei kein Todesermittlungsverfahren eingeleitet worden. Wie Seitz und Klinger war auch Lange nach »Politico«-Angaben »stark vorerkrankt«.

Auswirkungen auf die Wahlen

Die Todesfälle haben Auswirkungen auf die Wahl: Anstatt der Gestorbenen wird die AfD nun Ersatzkandidaten aufstellen, die zur Wahl antreten. Stimmzettel müssen kurzfristig neu gedruckt werden und Briefwähler müssen neu wählen. Die in dem betroffenen Wahlbezirk bereits ausgestellten Wahlscheine verlieren ihre Gültigkeit.

In einem Bundesland wie Nordrhein-Westfalen mit mehr als 18 Millionen Einwohnern werden für die Kommunalwahl am 14. September 2025, bei der Bürgermeister, Stadt- und Kreistage sowie Landräte gewählt werden, Tausende Kandidaten aufgestellt.

(Stand: 2.9.2025)

Links

Informationen zum »Politico«-Podcast »Berlin Playbook« vom 2.9.2025 (archiviert)

»Politico«-Podcast »Berlin Playbook« vom 2.9.2025 (archiviert)

Bad Lippspringe über Tod von Berendes (archiviert)

NRW-Ju-Jutsu-Verband über Berendes (archiviert)

Rheinberg über Tod von Seitz (archiviert)

AfD über Tod von Seitz (archiviert)

Klinger auf Wahlliste von Schwerte (archiviert)

Lange auf Wahlliste von Blomberg (archiviert)

Bad Münstereifel über Tod von Jüssen (archiviert)

NRW-Statistikamt über NRW-Einwohner (archiviert)

Weidels X-Post zum Tod der Kandidaten (archiviert)

Facebook-Post mit Falschbehauptung (archiviert)

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