Florida

»Es geht um uns gegen den Juden«: Antisemitische Hetze im Wahlkampf

Der Antisemit, Influencer und republikanische Vorwahl-Kandidat Dan Bilzerian Foto: picture alliance / Photoshot

Der umstrittene amerikanische Influencer Dan Bilzerian verschärft wenige Tage vor einer republikanischen Vorwahl in Florida seine antisemitischen Angriffe. Eine Untersuchung des Combat Antisemitism Movement (CAM) kommt zu dem Ergebnis, dass rund ein Drittel der Beiträge auf dem X-Konto seiner Wahlkampagne antisemitische Hassrede enthält.

Bilzerian tritt bei der republikanischen Vorwahl am 18. August im 6. Kongresswahlbezirk Floridas gegen den amtierenden Abgeordneten Randy Fine an. Sein Wahlkampf-Account hat knapp 81.000 Follower. Dort finden sich laut der Untersuchung unter anderem Beiträge zur Leugnung des Holocausts, zu angeblichen jüdischen Erpressungsnetzwerken sowie zu Verschwörungserzählungen über einen vermeintlichen jüdischen Einfluss auf die US-Politik.

Das Antisemitism Research Center des CAM wertete 657 Beiträge aus, die zwischen dem 12. Mai und dem 10. August veröffentlicht wurden. In 218 davon tauchten Begriffe wie »Israel«, »Juden«, »Jude«, »Zionist«, »Holocaust«, »Gaza« oder »Netanjahu« auf. Nach Einschätzung der Organisation waren 33 Prozent der untersuchten Wahlkampfbeiträge antisemitische Hassrede.

»Werkzeug für jüdische Vorherrschaft«

Die Beiträge erreichten laut CAM ein erhebliches Publikum. Insgesamt sollen sie schätzungsweise 23,6 Millionen Menschen erreicht und 12,5 Millionen Aufrufe erzielt haben. Hinzu kamen rund 460.800 Likes, 13.100 Kommentare und 80.900 Weiterverbreitungen.

Besonders drastisch sind die persönlichen Attacken auf Bilzerians politischen Gegner Randy Fine. In einem angehefteten Beitrag bezeichnete er den Abgeordneten als »dicken, widerlichen Juden« und forderte, ihn aus dem Amt zu entfernen.

Lesen Sie auch

Auch andere Beiträge bedienen offen antisemitische Verschwörungsmythen. Gegenüber Elon Musk schrieb Bilzerian zuletzt, der Unternehmer sei »ein armer Goj-Sklave im Besitz von Juden«. In einem weiteren Beitrag erklärte er: »Unsere Regierung ist nichts anderes als ein Werkzeug für israelische Hegemonie und jüdische Vorherrschaft.«

Dämonisierung von Juden

Am 9. August verbreitete Bilzerian zudem einen Beitrag mit der Aussage: »Es geht nicht um Rot gegen Blau (Republikaner gegen Demokraten, Anm. d. Red.) … Es geht um uns gegen den Juden.«

Nach Ansicht des CAM dient Bilzerians Kandidatur weniger einem politischen Programm als der Verbreitung antisemitischer Propaganda. »Es gibt keine andere politische Agenda, die Bilzerian anbietet, außer Juden zu dämonisieren und Hass auf den Staat Israel zu schüren«, erklärte die Organisation.

Gabriel Groisman, Mitglied des US-Beirats des CAM und ehemaliger Bürgermeister von Bal Harbour in Florida, bezeichnete Bilzerian als »Karikatur eines Kongresskandidaten«. Sein Wahlkampf sei lediglich ein Vorwand, um antisemitische Rhetorik zu verbreiten und von der zunehmenden Verbreitung des Antisemitismus in bestimmten Teilen des Internets zu profitieren. Zugleich trage Bilzerian dadurch dazu bei, antisemitische Einstellungen in Florida und im gesamten Land weiter zu verbreiten.

Vorwahl am 18. August

Bilzerian ist seit Jahren für antisemitische Verschwörungstheorien bekannt. Anfang des Jahres stufte ihn Israels Diaspora-Ministerium als weltweit einflussreichsten antisemitischen Influencer des Jahres 2025 ein.

Die republikanische Vorwahl in Floridas 6. Kongressbezirk findet am 18. August statt. Sollte Bilzerian die Nominierung gewinnen, würde der Fall seiner antisemitischen Wahlkampfrhetorik voraussichtlich noch größere politische Aufmerksamkeit erhalten. im

Nahost

Ex-Botschafter Seibert fordert »klare europäische Position« zu Israel

Bis vor kurzem war er das Gesicht deutscher Diplomatie in Israel: Steffen Seibert. In einem Interview äußert er sich zu Grenzen der Staatsräson, Siedlungen, dem Terror der Hamas und gegen Boykotte

 13.08.2026

Geburtstag

Romani Rose wird 80: »Nie vergessen, zu welcher Unmenschlichkeit Menschen fähig sind«

Romani Rose kämpft gegen Vorurteile und Ausgrenzung. Der Minderheitenschutz ist für ihn eine tragende Säule der Demokratie. Nun wird der Heidelberger Bürgerrechtler 80 Jahre alt - und will weiter mitmischen

von Volker Hasenauer  13.08.2026

Meinungsfreiheit

Wenn Juden plötzlich Nazis sein sollen

Ein Gericht erklärt die Gleichsetzung von Hakenkreuz und Davidstern für zulässig. Kritiker sind irritiert

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026

Sachsen-Anhalt

Polizeirabbiner vor der Wahl: Erstarken der AfD bereitet Sorgen         

Mehr Begegnung zwischen Juden und Nicht-Juden - das wünschen sich Deutschlands Polizeirabbiner. Sie bilden Polizeianwärter hierzulande fort und vermitteln jüdische Kultur. Seit fünf Jahren gibt es sie

von Nina Schmedding  13.08.2026

Hamburg

Haftbefehl gegen AfD-Politiker wegen offener Böhmermann-Kosten

Maximilian Krah bezeichnete den Satiriker als »einen Widerling« und erklärte, er zahle deshalb »nur widerwillig«

 13.08.2026

Hamburg

Gericht erklärt Kritik an Claim für zulässig: Journalist darf NGO »unsaubere« Zahlen vorwerfen

Der Investigativjournalist Sascha Adamek darf der Organisation vorwerfen, bei der Erfassung antimuslimischer Vorfälle mit »unsauber« erhobenen Zahlen gearbeitet zu haben. Die Hintergründe

 13.08.2026

Meinung

AfD als Sicherheitsrisiko

Es ist die Pflicht jedes Einzelnen, unsere Verfassung zu verteidigen und ein Überprüfungsverfahren anzustrengen. Verbieten kann nur unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat

von Roderich Kiesewetter  13.08.2026

Los Angeles

Nick Reiner wegen Mordes an seinen Eltern angeklagt

Das Motiv für die Ermordung des bekannten Hollywood-Regisseurs Rob Reiner und dessen Frau Michele bleibt unklar. Welche Strafe kommt bei einer Verurteilung infrage?

 13.08.2026

Washington D.C.

Medien: CIA zweifelte an iranischer Bedrohung für Trump

Trump wechselt auf dem Heimweg vom Nato-Gipfel versteckt in einem Catering-Container den Flieger. Der einem Politthriller gleichende Vorgang schlägt international Wellen. Nun gibt es neue Informationen

 13.08.2026