Meinung

Erinnerung braucht die richtigen Worte

Das Wort »Schoa« könnte aus französischen Schulbüchern verschwinden, bald wäre dann nur noch von »Vernichtung« die Rede. Davor hat der Regisseur Claude Lanzmann jüngst in einem Zeitungsbeitrag gewarnt. Mittlerweile hat der französische Bildungsminister zwar klargestellt, dass kein offizieller Text die Benutzung des Wortes »Schoa« im Unterricht verbietet. Das Risiko der Bagatellisierung der Schoa besteht jedoch weiterhin fort.

besonderheit Daher muss das von den Nazis vorangetriebene Ausrottungsprojekt, das zuvorderst und in überwältigendem Maße die Juden betraf, in seiner Besonderheit im Bewusstsein bewahrt werden. Die Verteidigung der Erinnerung und der historischen Wahrheit, die sich in dem Begriff »Schoa« ausdrückt, geschieht zu einem Zeitpunkt, in dem oftmals Gleichsetzungen mit dem Konflikt im Nahen Osten angestellt werden.

Das sind wichtige Probleme, doch wir sollten nicht vergessen, dass seit den 90er-Jahren in französischen Schulen bemerkenswerte Fortschritte erzielt werden konnten. Die Schoa wurde in Frankreich im Unterricht noch nie ausführlicher und besser vermittelt als heute. Der Zweite Weltkrieg wird in der fünften, in der neunten und in der elften Klasse behandelt. Auf die Schoa wird in jeder dieser Einheiten unter Rücksichtnahme auf die Reife und Sensibilität der Schüler eingegangen.

Viele Lehrer engagieren sich außerdem aus eigenem Antrieb und organisieren Begegnungen mit Zeitzeugen oder Studienreisen nach Auschwitz. Auch das Denkmal der Schoa in Paris empfängt viele Schülergruppen und bietet interessierten Lehrern eine spezielle Weiterbildung an. Schließlich nehmen auch die jüdischen Schulen mehr und mehr an der Erinnerungsarbeit teil. All dies gibt eher Anlass zur Ermutigung.

Der Autor ist Generaldirektor der Fondation pour la Mémoire de la Shoah in Paris.

Debatte um Erklärung

Hickhack bei Rot-Grün-Rot: Das steht in den Antisemitismus-Papieren

Die Berliner Regierungsbildung stockt, nachdem die Linke im Abgeordnetenhaus ein eigenes Papier zum Kampf gegen Antisemitismus gebilligt hat. Wo sich die zwei Erklärungen unterscheiden

 14.10.2026

Umfrage

66 Prozent der Unionswähler für Prüfung von AfD-Verbot

Eine Campact-Umfrage zeigt, dass die Wähler der Unionsparteien mehrheitlich für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens sind. Auch eine Koalition mit der AfD wird von Anhängern der Mitte-Parteien deutlich abgelehnt

 14.10.2026

Sachsen-Anhalt

Eine Woche voller Eklats

Nach der Wahl des Landtagspräsidiums bröckelt die »Brandmauer« in der CDU weiter. Das Gedenken in Halle bot einen Vorgeschmack auf ein Land unter AfD-Regierung

von André Anchuelo  14.10.2026

Ministerpräsident Sven Schulze (CDU)

Landtag von Sachsen-Anhalt

Ministerpräsidenten-Wahl: CDU will im dritten Wahlgang im Plenarsaal sein

Bei der Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt will die CDU den Plenarsaal zunächst verlassen. Für einen möglichen dritten Wahlgang kündigt Fraktionschef Sven Schulze ein anderes Vorgehen an. AfD und BSW beschließen derweil einen Antrag zur Ukraine

 14.10.2026

Berlin

»Eine gute Wahl«: Bundesregierung ernennt von Schnurbein zur Beauftragten für jüdisches Leben

Die 52-jährige EU-Beamtin ist am Mittwoch offiziell zur Nachfolgerin von Felix Klein bestellt worden. Aus den jüdischen Verbänden und Gemeinden kamen unisono positive Reaktionen

von Michael Thaidigsmann  14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Banaszak: Emdes Fraktions-Aus war Grundlage für Sondierungen

Die Grünen-Landesvorsitzende Stahr betont hingegen, dass ihre Partei weiter »am Tisch sitzt« und auf eine Erklärung der Linken wartet

 14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Schwerdtner bedauert Gesprächspause in Berlin

Die Gespräche über eine rot-grün-rote Regierung in Berlin liegen auf Eis. Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner hält die Erklärung ihrer Fraktion zu Antisemitismus dennoch für ausreichend

 14.10.2026

Berlin

Julia Klöckner: AfD-Verbotsverfahren nicht »aus dem Bauch heraus starten«

Die CDU-Bundestagspräsidentin warnt davor, die Rechtsaußen-Partei zum »Märtyrer« zu machen

 14.10.2026

Unterbrochene Sondierungen

Berliner CDU an Grüne und SPD: »Hand ist ausgestreckt«

Die Regierungsbildung zwischen Linken, Grünen und SPD in Berlin stockt. Nach der überraschenden Unterbrechung der Sondierungen meldet sich ein Wahlverlierer zu Wort

 14.10.2026