Anschlag von Hanau

»Engagement gegen rechts braucht gesetzliche Förderung«

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: dpa

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat den Angehörigen der Opfer des Anschlags von Hanau sein Mitgefühl ausgedrückt. »Ein Jahr nach dem rassistischen Anschlag von Hanau gehen unsere Gedanken zu den Opfern und ihren Familien sowie zu den Menschen, die bei dem Anschlag verletzt und traumatisiert wurden. Am 19. Februar 2020 erschoss ein Hanauer neun Menschen in und vor zwei Bars, anschließend seine Mutter und sich selbst«, teilte der Zentralrat der Juden am Donnerstag mit.

SOLIDARITÄT Zentralratspräsident Josef Schuster sagte: »Als ich im vergangenen Jahr einen Tag nach dem Anschlag in Hanau war, war die Trauer in der ganzen Stadt zu spüren. Die Angehörigen der Opfer müssen seit diesem Tag mit dem schrecklichen Verlust leben. Viele Betroffene leiden noch heute unter den Spätfolgen des Anschlags. Ihnen gilt unsere Solidarität und unser Mitgefühl. Die Hinterbliebenen brauchen konkrete und nachhaltige Unterstützung.«

Die Aufarbeitung des Verbrechens sei noch nicht abgeschlossen., sagte Schuster weiter. Der Täter habe sich nicht in einem Vakuum radikalisiert: »Jetzt gilt es, die rechtsextremen Netzwerke, die weiterhin existieren, aufzudecken. Daneben müssen all jene Kräfte dauerhaft gestärkt werden, die sich unermüdlich und oft mit hohem persönlichen Risiko für unsere wehrhafte Demokratie einsetzen.«

Engagement gegen rechts brauche gesetzliche Förderung. Das geplante Demokratiefördergesetz, das Anti-Extremismus-Projekten eine dauerhafte Finanzierung sichern soll, müsse endlich vorgelegt werden, forderte Josef Schuster: »Die beschlossenen Maßnahmen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus dürfen nicht in der Schublade verschwinden.«

MASSNAHMENPLAN Ein im November vom Kabinettsausschuss Rechtsextremismus vorgelegter Maßnahmenplan hatte Anfang Dezember die Zustimmung des kompletten Bundeskabinetts bekommen. Das Paket enthält Maßnahmen, um die lange gerungen wurde, etwa die Forderung von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) nach einem Demokratiefördergesetz, das Anti-Extremismus-Projekten dauerhafte Finanzierung sichern soll.

Inwieweit es aber in Giffeys Sinne kommt, muss noch im Detail mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) besprochen werden. ja/epd

Nachruf

Trauer um Hubert Aiwanger

Der Freie-Wähler-Chef, bayerische Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister starb im Alter von 55 Jahren in einem Berliner Hotel

von Frederick Mersi  04.11.2026

Berlin

Antisemitische Schmierereien auf Skulpturen im Berliner Tiergarten

Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

 04.11.2026

Brasilien

Kein Freund Israels

Nach dem überraschenden Wahlsieg des linken Präsidenten Lula gibt sich die jüdische Gemeinde des Landes dennoch zuversichtlich

von Andreas Knobloch  04.11.2026

Berlin

Rot-grün-rote Koalitionsverhandlungen bis Januar

Linke, Grüne und SPD wollen erst im nächsten Jahr einen Koalitionsvertrag vorlegen. Und dann folgt noch ein Zwischenschritt

 04.11.2026

Koalitionsverhandlungen

Klingbeil fordert Linke auf, antisemitische Politiker rauszuwerfen

Bisher hat sich der SPD-Chef zurückgehalten, was die Berliner Koalitionsverhandlungen angeht. Jetzt macht er klar, was er von der Linken erwartet

 04.11.2026

USA

»Viele jüdische Wähler haben mit zugehaltener Nase abgestimmt«

Der jüdische Rechtsanwalt und Historiker Michael Traison über den Erdrutschsieg der Demokraten bei den Midterms und die möglichen Folgen für Amerikas Beziehungen zu Israel

von Michael Thaidigsmann  04.11.2026

Midterm-Wahlen

Iran erfreut über Trumps Wahlniederlage

Nach der Wahlniederlage der Republikaner in den USA meldet sich die iranische Spitze. Auch vom obersten Führer Modschtaba Chamenei werden Worte veröffentlicht

 04.11.2026

Meinung

Her mit den Inhalten!

Ayala Goldmann freut sich über die Eröffnung der Jüdischen Akademie in Frankfurt und ist gespannt auf das Programm

von Ayala Goldmann  04.11.2026

Sachsen-Anhalt

Linke überlegt, Gegenkandidatin gegen Ulrich Siegmund aufstellen

Der AfD-Politiker Ulrich Siegmund will im Dezember Ministerpräsident werden, doch ihm fehlen drei Stimmen für eine Mehrheit. Die Linke prüft, ob sie eine eigene Kandidatin ins Rennen schickt.

 04.11.2026