Berlin

Elif Eralp wird von Terrorunterstützern bedroht

Elif Eralp, Fraktionsvorsitzende der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus Foto: picture alliance/dpa

Die Berliner Linke muss sich mit Fragen zu ihren Kontakten in ein extremistisch eingestuftes Umfeld auseinandersetzen. Im Mittelpunkt steht dabei auch ihre Spitzenpolitikerin Elif Eralp, die Regierende Bürgermeisterin werden möchte. Interne Anmerkungen zu einem Interview, über die »Bild« berichtet, geben Einblick in die Sicherheitsbedenken der 45-Jährigen. Demnach fürchtet sie mögliche Konsequenzen, wenn sie öffentlich konkrete Personen aus einem Hamas-nahen Milieu benennt.

Die Notizen waren laut »Bild« versehentlich zusammen mit einem Interviewdokument an den »Spiegel« übermittelt worden. Darin soll Eralp über ihren Mann und sich selbst geschrieben haben: »Er hat Angst vor diesen Leuten und ich auch«. An anderer Stelle heißt es: »Ich kann mich und meine Familie für den ›Spiegel‹ nicht in Gefahr bringen.« Die Politikerin habe es zudem bereut, dem Interview überhaupt zugestimmt zu haben.

Hintergrund der Bedenken ist eine Auseinandersetzung um Ibrahim Ibrahim, den die Journalisten im Interview thematisiert hatten. Nach Angaben des »Spiegel« bezeichnete er den getöteten Hamas-Anführer Yahya Sinwar als »Märtyrerhelden«. Ibrahim nimmt eine führende Rolle im Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitee ein, das der Berliner Verfassungsschutz als extremistisch einstuft und die mit der palästinensischen Terrororganisation PFLP verbunden sein soll.

Sicherheitsbehörden raten zur Zurückhaltung bei Namen

Eralps Sprecher erklärte laut »Bild«, die Politikerin sei seit Monaten täglich Beleidigungen, Drohungen und Anfeindungen ausgesetzt. Die Sicherheitsbehörden hätten ihr geraten, keine einzelnen Namen zu nennen, wenn es um mutmaßliche Verbindungen zur Organisierten Kriminalität oder zu terroristischen Strukturen gehe.

Lesen Sie auch

In ihren internen Anmerkungen soll Eralp auf eine frühere Empfehlung des Landeskriminalamts verwiesen haben: »Das LKA hat damals gesagt, sie empfehlen, nie konkrete Namen zu nennen. Damals ging es um OK (Organisierte Kriminalität, Anm. d. Red.). Jetzt geht’s um Leute mit Kontakten zur Hamas.«

Die Debatte beschränkt sich allerdings nicht auf die Sicherheitslage der Politikerin. Ibrahim war nach der Wahl bei einer Wahlfeier der Berliner Linken in Neukölln zu Gast und ließ sich dort mit dem Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak sowie mit Ibrahim Ibrahim fotografieren. Auch die Bilder werfen Fragen über die politischen Kontakte in einem Umfeld auf, in dem Sympathien für die Hamas und antisemitische Positionen eine Rolle spielen.

CDU kritisiert Bürgermeisterkandidatin

Aus der Berliner CDU kommt scharfe Kritik. Der Neuköllner Abgeordnete Christopher Förster sagte laut »Bild«: »Berlin braucht eine Regierende Bürgermeisterin, die Extremisten die Stirn bietet und nicht den Eindruck erweckt, dass diese schon vor der Wahl bestimmen, was gesagt werden darf. Wenn sie das nicht kann, ist sie nicht geeignet.«

Burkard Dregger, Sicherheitsexperte der Berliner CDU, äußerte gegenüber dem Blatt ebenfalls Vorwürfe. »Wer sich mit Hamas-Verbrechern und ihren Handlangern in Berlin einlässt, darf sich nicht wundern, wenn diese ihren Preis für die gewährte Wahlkampfunterstützung einfordern.« im

Straßburg/Prag

Europarat warnt vor zunehmendem Antisemitismus in Tschechien

Sowohl die Zahl als auch die Schwere der Judenhass-Vorfälle nimmt zu

 29.10.2026

Dubai

Verletzter »Fly Dubai«-Pilot für Rettung von Passagieren geehrt

Dem auf einem Flug nach Tel Aviv attackierten und schwer verletzten Kapitän geht es inzwischen besser. In den Vereinigten Arabischen Emirate wurde er nun für seinen Einsatz ausgezeichnet

 29.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden: Linke lässt sich von Vanessa Emde auf der Nase herumtanzen

Josef Schuster: »Solange Positionspapiere nicht von konkreten personellen Konsequenzen auf jeder Ebene begleitet werden, nehme ich der Linken ihr Bekenntnis zum Kampf gegen Antisemitismus nicht ab«

von Imanuel Marcus  29.10.2026

Washington D.C.

Medien: Vance lotet mit Teheran Chance auf Verhandlungen aus

Berichten zufolge bereiten die USA und Israel neue Militärschläge gegen den Terrorsponsor Iran vor. Nun soll es neue Bemühungen um eine diplomatische Lösung geben

 29.10.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Brüssel

EU setzt nach Wahl in Israel auf enge Zusammenarbeit

Nach der Parlamentswahl in Israel stehen Verhandlungen über die nächste Regierung an. Die EU will mit ihr zusammenarbeiten – und zugleich bestehende Meinungsverschiedenheiten offen ansprechen

 28.10.2026

Meinung

Alice Weidel und die AfD-Leaks

Einer Partei, in deren Reihen NS-Verbrechen relativiert werden, dürfen der Schutz jüdischen Lebens und die Pflege der Erinnerungskultur niemals anvertraut werden.

von Michaela Dudley  28.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

So geht es im Streit um Vanessa Emde weiter

Die Linke tut sich schwer, einen Umgang mit der israelfeindlichen Abgeordneten zu finden, die sich über Fraktionsentschlüsse hinwegsetzt. »Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit«, heißt es aus der Partei

 28.10.2026

Berlin

Polizei: Aufrufe zu Gewalt verfangen derzeit nicht

Bundesweite Aufrufe zum Protesttag an Halloween: Nach gewaltsamen Demonstrationen in Frankreich stellt sich die Berliner Polizei auf einen Großeinsatz ein. Hinweise auf Plünderungspläne gibt es nicht

 28.10.2026