Tachles Arena

»Einen Boykott Israels lehne ich ab«

Im Gespräch: Journalistin Ilanit Spinner mit Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock Foto: ZR

Die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat sich klar für eine Sicherheits-Zusammenarbeit mit Israel ausgesprochen. »Die Sicherheit und das Existenzrecht Israels gehören für mich zur deutschen Staatsräson«, sagte sie in einem am Sonntag auf YouTube veröffentlichten Interview mit dem Gesprächsformat »Tachles Arena« des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Mit Blick auf antisemitische und israelfeindliche Äußerungen von »Fridays for Future International« verurteilte die Kanzlerkandidatin jeden Antisemitismus – »egal, woher er kommt«. Sie verwies zugleich darauf, dass sich auch Fridays for Future in Deutschland von den die Gewalt der islamistischen Terrororganisation Hamas unterstützenden Äußerungen distanziert habe.

Es sei für sie eine Selbstverständlichkeit, dass sich die Umweltbewegung gegen jeden Rassismus und Antisemitismus aussprechen müsse, sagte sie. »Es ist ja unsere gemeinsame Überzeugung, dass wir nur eine einzige Erde haben.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Baerbock distanzierte sich auch von der israelfeindlichen BDS-Bewegung. Die Forderung nach einem pauschalen Boykott Israels sei eindeutig antisemitisch, sagte sie und verwies darauf, dass der Bundestag die Organisation 2019 mit großer - auch grüner - Mehrheit als antisemitisch bezeichnet habe.

»Einen Boykott Israels lehnen wir als Europäer, Deutsche und Grüne ab. Klar und deutlich«, betonte Baerbock. »Da gibt es kein Wenn und Aber. Wenn man sagt, dass Israel pauschal boykottiert wird, dann ist diese Haltung antisemitisch.«

ZUWANDERER Mit Blick auf judenfeindliche Einstellungen von muslimischen Zuwanderern und Flüchtlingen forderte Baerbock eine Stärkung der Integrationskurse. Dort müssten Themen wie Antisemitismus, Religionsfreiheit und der Holocaust klar angesprochen werden, sagte sie. Umso schlimmer sei es, wenn Integrationskurse derzeit zurückgefahren würden.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Moderatorin Ilanit Spinner fragte Annalena Baerbock, ob sich mit ihr als mögliche Grünen-Bundeskanzlerin etwas daran ändern würde, dass es in Berlin und anderen deutschen Städten No-go-Areas für Juden gibt. Baerbock antwortete: »Das weiß ich nicht. Man kann keine 100-prozentige Sicherheit versprechen. Viele Juden laufen mit Kippa durch Berlin, rund um die Uhr, tagtäglich, auch Freunde von mir. Aber wie viel Angst sie haben, ist eine subjektive Betrachtungsweise. Dass sie Angst haben müssen, darüber müssen wir reden. Das können wir nicht akzeptieren.«

Zurückhaltend äußerte sich die Kanzlerkandidatin der Grünen auf die Frage, ob der Kampf gegen Antisemitismus als Staatsziel im Grundgesetz formuliert werden sollte. Sie habe den Eindruck, dass die Verfassung in den ersten drei Artikeln den Stellenwert von Menschenwürde, Unverletzlichkeit der Person und Verbot von Diskriminierungen deutlich betone. Der Hintergrund von Spinners Frage: Brandenburgs Landtag hatte jüngst eine Änderung der Landesverfassung und die Aufnahme der Bekämpfung des Antisemitismus als Staatsziel auf den Weg gebracht.

RÜCKBLICK Bereits vor genau einer Woche hatte die Tachles-Arena-Folge mit Annalena Baerbock deutschlandweit für eine große Debatte gesorgt. Vor Ausstrahlung der Sendung hatte sich Baerbock dafür entschuldigt, im Interview für die Tachles Arena das »N-Wort« benutzt zu haben. »Das war falsch und das tut mir leid«, schrieb Baerbock Ende vergangener Woche auf Twitter.

Sie wisse um den rassistischen Ursprung des Wortes und die Verletzungen, die schwarze Menschen dadurch erführen. Mit dem Begriff »N-Wort« wird heute eine früher gebräuchliche rassistische Bezeichnung für Schwarze umschrieben. Über Baerbocks Entschuldigung hatte zuerst die »Bild«-Zeitung berichtet.

»Leider habe ich in der Aufzeichnung des Interviews in der emotionalen Beschreibung dieses unsäglichen Vorfalls das Wort zitiert und damit selbst reproduziert.«

Annalena Baerbock

Die Kanzlerkandidatin berichtete auf Twitter, sie habe in dem Gespräch über Antisemitismus und Rassismus von einem Vorfall an einer Schule in ihrem Umfeld erzählt. Dort hätte sich ein Schüler geweigert, eine Bildergeschichte zu einem Arbeitsblatt zu schreiben, auf dem das Wort stand. »Leider habe ich in der Aufzeichnung des Interviews in der emotionalen Beschreibung dieses unsäglichen Vorfalls das Wort zitiert und damit selbst reproduziert«, schrieb Baerbock.

REAKTION Während der Aufzeichnung sei ihr das bewusst geworden. Deshalb hätten die Grünen mit dem Zentralrat der Juden eine Reaktion abgewogen. Im Interview, dessen Aufzeichnung Baerbock unter ihrem Tweet veröffentlichte, wird das Wort mit einem Piepton übertönt. 

Im Interview, dessen Aufzeichnung Baerbock unter ihrem Tweet veröffentlichte, wird das Wort mit einem Piepton übertönt.

Baerbock machte zudem deutlich, der Fall stehe in keinem Zusammenhang zu den aus ihrer Sicht rassistischen Entgleisungen des Grünen-Politikers Boris Palmer. »Es ist offensichtlich, dass es sich um zwei verschiedene Dinge in unterschiedlichen Kontexten handelt«, betonte sie.

Der Tübinger Oberbürgermeister Palmer hatte das »N-Wort« im Zusammenhang mit dem früheren Fußball-Nationalspieler Dennis Aogo genutzt – nach eigenen Angaben ironisch. Baerbock hatte daraufhin Beratungen über Palmers Parteiausschluss angekündigt. ja/kna

Einen ausführlichen Bericht zum Thema und Antworten auf die Fragen, wie sich die Grünen zu Waffenlieferungen der Bundesrepublik an Israel positionieren und ob sie koschere Schlachtungen verbieten wollen, lesen Sie in unserer nächsten Print-Ausgabe.

Europäisches Parlament

»Auschwitz ist eine Fälschung«: Immunität aufgehoben

Der rechtsextreme Politiker Grzegorz Braun muss sich in gleich mehreren Strafverfahren vor Gericht verantworten, unter anderem wegen Holocaustleugnung

 27.03.2026

Drohung

Katz: Israel verstärkt Angriffe im Iran

Das Vorgehen des Militärs gegen das Mullah-Regime werde nun stärker ausfallen und auf zusätzliche Ziele und Bereiche ausgeweitet, sagt der israelische Verteidigungsminister

 27.03.2026

Berlin

Tausende Straftaten bei israelfeindlichen Demonstrationen

Gewalt- und Propaganda-Delikte sowie Volksverhetzung in Hunderten Fällen wurden registriert

 27.03.2026

Berlin

Demonstration gegen Auftritt von Francesca Albanese

»Wer das Existenzrecht Israels delegitimiert und Gräueltaten rechtfertigt, darf in Berlin keine unwidersprochene Bühne erhalten«, sagen die Organisatoren der Kundgebung

von Imanuel Marcus  27.03.2026

Essay

Keine Empathie für Israel, nirgends

Was mich an der deutschen Reaktion auf den Iran-Krieg irritiert

von Ralf Fücks  27.03.2026

Kommentar

Wie mit dem Völkerrecht Israel delegitimiert wird

Der Angriff auf den Iran sei eindeutig völkerrechtswidrig, sagen zahlreiche Experten. Sie machen es sich zu einfach. Denn es spricht viel dafür, dass Israel ein Recht auf präventive Selbstverteidigung hat

von Monika Polzin  27.03.2026

Berlin

Antisemitischer Angriff in Prenzlauer Berg

Das Opfer schrieb hebräische Texte in ein Buch. Der Staatsschutz des Berliner Landeskriminalamts ermittelt

 27.03.2026

Analyse

Ist das wirklich nicht unser Krieg?

Ein atomar bewaffneter Iran wäre nicht nur ein Albtraum für Israel, sondern auch eine reale Bedrohung für Europa

von Roman Haller  27.03.2026

Jüdischer Wahlkämpfer

»Wer nicht kämpft, hat schon verloren«

David Rosenberg über den Wahlkampf in Rheinland-Pfalz, die Niederlage seiner Partei und warum er sich gerade als junger Jude weiter politisch engagieren will

von Mascha Malburg  27.03.2026