Rüstung

Drohende Drohnen

Israelische Kampfdrohne Heron TP Foto: Flash 90

Deutschland will in Israel bewaffnete Kampfdrohnen kaufen, berichtet der »Spiegel«. Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums (BMVg) sagte der Jüdischen Allgemeinen, es bestehe ein »Kaufinteresse«, man sei aber noch in der »Findungsphase«, um zu bestimmen, welches Modell die Bundeswehr favorisiere.

Laut »Spiegel« sollen es Drohnen des Typs »Heron« sein, die von Israel Aerospace Industries (IAI) entwickelt wurden; in Israel heißen sie »Eitan«. »Heron I« wird derzeit von der Bundeswehr in Afghanistan benutzt – unbewaffnet und geleast. »Das Nachfolgemodell soll bewaffnungsfähig sein«, bestätigte der BMVg-Sprecher. »Der Minister will vor Ablauf der Legislaturperiode eine Entscheidung, welches System es werden soll.« Die Beschaffung jedoch solle erst nach der Bundestagswahl beginnen.

luftwaffe Dem »Spiegel« zufolge hatte der Inspekteur der Luftwaffe, Karl Müllner, Israel besucht, um sich »Heron TP«, das Nachfolgemodell von »Heron I«, vorführen zu lassen. Schon bei seinem Amtsantritt im Sommer 2012 hatte Müllner bewaffnete Drohnen gefordert. Wie das BMVg dem Linke-Abgeordneten Jan van Aken bestätigte, waren jüngst auch Mitarbeiter des Ministeriums in Israel, um sich zu informieren.

Dass es jetzt israelische Drohnen für die Bundeswehr werden sollen, hängt mit der Situation auf dem Weltmarkt zusammen. Nur Israel und die USA bieten derzeit Kampfdrohnen an, die technisch ausgereift sind. Das US-System »Predator« dürfte aber von den Deutschen nach dem Kauf nicht technisch weiterentwickelt werden; die Israelis hingegen würden dies erlauben.

In Deutschland arbeitet die Rüstungsfirma Rheinmetall gegenwärtig mit Frankreich zusammen an der Entwicklung einer eigenen Kampfdrohne, doch mit einem Ergebnis sei nicht vor 2020 zu rechnen, ist zu hören. Daher sprechen viele im Zusammenhang mit dem Israel-Deal auch von einer »Übergangslösung«. Gleichwohl gibt es unbestätigte Meldungen, wonach der europäische Rüstungskonzern EADS noch im Jahr 2013 erste Modelle ausliefern könnte.

experten Gerüchten zufolge entwickeln auch Spanien und die Türkei jeweils eigene Kampfdrohnen. Experten warnen jedoch vor der Anschaffung von technisch nicht ausgereiftem Material: Das Robotersystem SWORD etwa griff bei US-Einsätzen im Irak mehrfach eigene Soldaten an. Und 2007 hatte ein ähnliches System in Südafrika neun eigene Soldaten getötet.

Politisch umstritten ist die Anschaffung der Drohnen nicht nur wegen möglicher Softwarefehler. Die Linkspartei spricht von »Killerwaffen«, die Grünen-Abgeordnete Agnes Brugger befürchtet, dass »die Hemmschwelle auch auf politischer Ebene zum Einsatz militärischer Waffen sinkt«, und der SPD-Politiker Rolf Mützenich fordert, die Regierung müsse laut sagen, dass Kommandozentralen, die Kampfdrohnen steuern, »legitime Ziele in einem Konflikt werden«. Darauf verweisen auch andere Kritiker: dass nämlich die Waffen von Kommandozentralen, die Tausende Kilometer entfernt sind, gesteuert werden. 2002 tötete die US-Army etwa mit einer Drohne, ohne dass Soldaten vor Ort waren, sechs mutmaßliche Al-Qaida-Terroristen.

unmut Auch in der CDU/CSU-Fraktion gibt es Unmut. Der Verteidigungspolitiker Bernd Sieber spricht von einer »überstürzten Beschaffungsentscheidung vor dem Ende dieser Legislaturperiode«. Allerdings warnte Sieber auch die Linke davor, sinnvollen technologischen Fortschritt auszubremsen. Verteidigungsminister Thomas de Maizière hatte im Bundestag erklärt, die »Zukunft der Luftfahrt« werde »in den nächsten 20, 30, 40 Jahren von dem Thema ›unbemannte Luftfahrzeuge jeder Art‹ geprägt sein«.

Er nannte die Beispiele Klima- und Verkehrsbeobachtung, Logistik und Luftfracht. Militärisch sinnvoll sei der Einsatz einer Drohne etwa zur Begleitung von kleinen Armeeeinheiten. »Kein anderes Mittel ist so gut geeignet wie eine Drohne, diese Patrouille zu begleiten, aus der Luft zu beobachten, was passiert, und dann, wenn unsere eigenen Soldaten in Gefahr geraten, auch zu kämpfen und den Gegner zu bekämpfen«, sagte de Maizière.

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 08.10.2026

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026

Clan-Kontakte

Berliner SPD-Chef fordert Ausschluss von Ferat Koçak

Auch die Linken-Landesvorsitzende betonte, die Aufklärung sei noch nicht abgeschlossen

 08.10.2026

Kommentar

Allein mir fehlt der Glaube

Die Spitzen von Linken, Grünen und SPD in Berlin haben bei ihren Sondierungen in Berlin ein dreiseitiges Papier zur Bekämpfung von Antisemitismus vereinbart. Eine Einordnung

von Michael Thaidigsmann  08.10.2026

Washington D.C.

Medien: US-Regierung erwägt neue Angriffe auf den Iran

Seit Wochen gibt es im Krieg der USA gegen den Iran keine sichtbaren Fortschritte. Kurz vor den wichtigen Zwischenwahlen könnte US-Präsident Trump die Situation noch einmal eskalieren lassen

 08.10.2026

Gedenken

Litfaßsäulen in Berlin sollen an NS-Deportationen erinnern

Mehr 1000 jüdische Berlinerinnen und Berliner Juden wurden mit dem ersten sogenannten »Osttransport« aus der Hauptstadt deportiert. Eine neues Projekt soll an die Opfer des nationalsozialistischen Zivilisationsbruchs erinnern

 08.10.2026

7. Oktober

»Wir erinnern nicht schweigend«

Melody Sucharewitz über ihren Kampf gegen das Vergessen des 7. Oktober bei der Gedenkveranstaltung auf dem Bebelplatz in Berlin. Ihre Rede im Wortlaut

von Melody Sucharewicz  08.10.2026

9. Oktober 2019

Gedenken zum Jahrestag des Anschlags von Halle

Der antisemitische Anschlag von Halle jährt sich am Freitag zum siebenten Mal. Die jüdische Gemeinde, Kirchen, Stadt und zivilgesellschaftliche Gruppen planen Gedenkveranstaltungen auch an den Anschlagsorten

 08.10.2026

Diplomatische Beziehungen

Britisches Konsulat in Jerusalem bleibt als Mission bestehen

Israel reagiert auf britische Sanktionen gegen israelische Siedlungspolitik, mehrere Diplomaten verlassen das Land. Gänzlich geschlossen wird das britische Konsulat in Ost-Jerusalem aber doch nicht

 08.10.2026