Berlin

DIG wirft Steinmeier »grobe Verkennung der Bedrohung durch Iran« vor

Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Foto: picture alliance/dpa

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) hat die jüngsten Äußerungen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Iran-Krieg scharf kritisiert. DIG-Präsident Volker Beck sprach von einer grundlegenden Fehleinschätzung der sicherheitspolitischen Lage und forderte ein Umdenken in der deutschen Außenpolitik.

Beck erklärte, die Aussagen Steinmeiers seien angesichts der Gefahren durch das iranische Regime »grob unangemessen« gewesen. Wörtlich bezeichnete er die Ausführungen des Bundespräsidenten als »ein Dokument deutscher, schlaumeierischer Besserwisserei«.

In seiner Stellungnahme warf der DIG-Präsident Steinmeier vor, zentrale Bedrohungen systematisch zu ignorieren. Das iranische Regime bedrohe seit Jahren die Existenz Israels, gefährde die Sicherheit europäischer Städte und gehe auch gegen Juden sowie israelsolidarische Menschen in Deutschland vor. Zugleich, so Beck, unterdrücke Teheran die eigene Bevölkerung brutal.

»Nicht nachvollziehbar«

Steinmeier blende diese Realität konsequent aus, erklärte Beck. Gerade vor diesem Hintergrund sei die deutsche Kritik an militärischen Maßnahmen gegen den Iran nicht nachvollziehbar. Scharfe Kritik am Nuklearabkommen

Besonders deutlich fiel die Kritik an der früheren Iran-Politik aus. Beck machte Steinmeier persönlich mitverantwortlich für das Atomabkommen JCPOA. Dieses habe dem Iran überhaupt erst die wirtschaftlichen Mittel verschafft, sein militärisches und nukleares Programm auszubauen.

Der DIG-Präsident sprach in diesem Zusammenhang von einem »Fehlschlag« und einer »Fehlkonstruktion«. Steinmeier verweigere bis heute eine ehrliche Aufarbeitung. Israel, die USA und die Staaten der Region müssten nun »die Suppe auslöffeln, die Steinmeier half mit einzubrocken«.

Lesen Sie auch

»Dezimieren oder ausschalten«

Zwar räumte Beck ein, dass der Kurs von US-Präsident Donald Trump kontrovers gesehen werden könne. Trump sei »erratisch und unkalkulierbar«, und es gebe berechtigte Zweifel, ob der Krieg strategisch vollständig durchdacht sei.

Dennoch ändere das nichts daran, dass es »auch im Interesse deutscher Sicherheit ist, das militärische Bedrohungspotenzial des Iran zu dezimieren oder auszuschalten«. Beck verwies zudem auf Einschätzungen aus den USA, wonach der Iran durch seine Aufrüstung bereits eine Art militärische Abschreckungsimmunität erreicht habe.

Völkerrechtliche Debatte

Auch die rechtliche Bewertung des Konflikts griff Beck auf. Zwar sei der Einsatz gegen den Iran völkerrechtlich umstritten, doch kritisierte er eine rein formalistische Auslegung. Steinmeiers Verständnis einer »unmittelbaren Gefahr« stehe in der Tradition eines deutschen Rechtspositivismus.

Wer das Völkerrecht stärker von seinem Zweck her denke – also der Begrenzung von Gewalt –, könne zu anderen Schlüssen kommen. Ein Rechtssystem, das Staaten dazu zwinge, tatenlos einer existenziellen Bedrohung zuzusehen, verliere letztlich seine Autorität, argumentierte Beck.

Abschließend warf der DIG-Präsident dem Bundespräsidenten mangelnde Selbstkritik vor. Die Rede zum Jubiläum des Auswärtigen Amtes hätte die Gelegenheit geboten, frühere Fehlentscheidungen – etwa in der Russlandpolitik – offen zu reflektieren. Stattdessen habe Steinmeier lediglich eingeräumt: »Heute wissen wir es besser.«

In Bezug auf den Iran bleibe er jedoch »auf dem falschen Dampfer«, so Beck. Dessen Politik habe »Israels Existenz und Europas Sicherheit gefährdet«. Wer die Fehler des Atomabkommens bis heute nicht erkenne, sei »unbelehrbar«. im

Armin Laschet im Deutschlandfunk

»Jetzt kommt wieder Ihre Israelphobie«

Im Interview wies der CDU-Politiker mit harschen Worten DLF-Moderator Thielko Grieß zurecht, welcher zuvor Israel scharf kritisiert hatte

von Michael Thaidigsmann  10.04.2026

Washington

Warum jetzt? Melania Trumps rätselhafter Epstein-Auftritt

Melania Trump tritt kaum allein vor die Presse. Doch jetzt spricht sie über ein Thema, das ihr Ehemann so gern umschiffen wollte: den Epstein-Skandal

 10.04.2026

Beirut

Hisbollah-Chef: Machen weiter »bis zum letzten Atemzug«

Während die libanesische Regierung an Verhandlungen mit Israel arbeitet, zeigt sich die Hisbollah unbeeindruckt: Es sei nicht die Zeit, um Zugeständnisse zu machen, betont ihr Anführer

 10.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 10.04.2026

Kiew

Selenskyj: Haben Drohnen über Golfstaaten zerstört

Vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs hat die Ukraine Drohnenexperten in die Region geschickt. Dort hat Kiew laut Präsident Selenskyj seine Erfahrung in der Abwehr iranischer Drohnen demonstriert

 10.04.2026

Video

Aufruf zur Solidarität nach Angriff auf Restaurant

Nach dem Anschlag auf das israelische Restaurant »Eclipse« ist ein Mitglied der jüdischen Gemeinde Münchens vor Ort und appelliert an die Gesellschaft

von Jan Feldmann  10.04.2026

Halle

Fall Liebich: Tschechische Polizei will Auslieferungsantrag

In Deutschland und später auch europaweit war seit August 2025 nach der verurteilten Rechtsextremistin gesucht worden. Nun wurde sie in Tschechien gefasst. Wie es jetzt weitergehen soll

 10.04.2026

Weimer

Gericht untersagt Demo vor Buchenwald-Gedenkstätte

Die Initiative »Kufiyas in Buchenwald« darf nicht vor der Gedenkstätte protestieren. Was das Verwaltungsgericht Weimar zur Verknüpfung von Holocaustgedenken und aktuellen Konflikten sagt

 10.04.2026

Iran-Krieg

Hält die Waffenruhe?

In Pakistan wollen die USA und der Iran ab heute über eine dauerhafte Friedenslösung beraten. Doch vorab gibt es bereits Streit über wichtige Punkte

 10.04.2026 Aktualisiert