München

Deutsche Post will Davidstern-Briefmarke doch drucken

Die Briefmarken-Entwürfe von Barbara Schaumberger (mit Genehmigung) Foto: Barbara Schaumberger

Die Deutsche Post hat den Entwurf einer individuellen Briefmarke mit einem Davidstern und dem Schriftzug »Antisemitismus – ohne mich!« zurückgewiesen. Laut »Bild« begründete das Unternehmen die Ablehnung damit, dass das Motiv möglicherweise »politisch oder ethisch nicht korrekt« sei.

Nach der ursprünglichen Berichterstattung hat sich die Deutsche Post nun doch entschieden, die Briefmarke zu drucken, wie sie am Dienstagnachmittag mitteilte. »Die Darstellung, das Motiv sei mit der Begründung abgelehnt worden, es sei ‚politisch oder ethisch nicht korrekt‘, ist nicht zutreffend«, heißt es in der Mitteilung. »Die ursprüngliche Entscheidung erfolgte ausschließlich auf Grundlage der für das Produkt «Briefmarke Individuell» geltenden Prüfkriterien.« Diese sähen vor, dass individuelle Briefmarken »grundsätzlich nicht als Plattform für gesellschaftliche oder politische Kampagnen genutzt werden.« Damit sollen missbräuchliche, diskriminierende oder polarisierende Inhalte ausgeschlossen werden.

Münchnerin kreierte den Entwurf

Der Entwurf stammt von der Münchnerin Barbara Schaumberger, die mit der Briefmarkenaktion eine Initiative gegen Antisemitismus unterstützen wollte. Über den Online-Service der Post können Kunden eigene Motive für personalisierte Briefmarken einreichen – etwa private Fotos, Symbole oder Logos. Schaumberger wollte auf diese Weise die Kampagne in ihrem Umfeld bekannter machen.

»Ich habe einen Bogen mit 18 Marken entworfen und bestellt«, sagte die 44-Jährige gegenüber »Bild«. Nach zwei Tagen erhielt sie jedoch eine Absage per E-Mail. Darin verwies die Post unter anderem auf mögliche Ausschlussgründe wie »verbotene, politisch oder ethisch nicht korrekte Motive«.

Bewertung des Motivs

Für Schaumberger ist diese Begründung unverständlich. »Ich bin maximal entsetzt. Ein Davidstern ist doch kein verbotenes Symbol«, erklärte sie.

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»Bild« fragte bei der Deutschen Post nach. Eine Sprecherin des Unternehmens betonte daraufhin, dass nicht die Ziele der Initiative entscheidend gewesen seien, sondern die Bewertung des konkreten Motivs anhand der Regeln für das Produkt »Briefmarke Individuell«. Dieses Angebot sei für persönliche Anlässe sowie die Darstellung von Firmen, Produkten und Marken gedacht und solle nicht als Plattform für politische oder gesellschaftliche Kampagnen genutzt werden. Gleichzeitig stellte die Post klar: »Die Deutsche Post lehnt Antisemitismus und Diskriminierung jeglicher Art entschieden ab.«

Die Entscheidung sorgt dennoch für Kritik. Die Initiative »Antisemitismus – ohne mich!« wird von Politikern verschiedener Parteien unterstützt. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) hatten sich mit dem Logo der Aktion gezeigt. Aigner zeigte sich enttäuscht über die Ablehnung der Briefmarke. »Die Aktion hat es verdient, weiterverbreitet zu werden«, sagte sie dem Bericht zufolge.

Knobloch nimmt Stellung

Auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, kritisierte die Entscheidung. »Mich irritiert diese Entscheidung sehr«, sagte sie der Zeitung. Der Kampf gegen Hass und Antisemitismus sei »kein politisches Thema, sondern eine Bedrohung für die ganze Gesellschaft«.

Knobloch ergänzte: »Und diesen Hass zu bekämpfen, ist deshalb auch keine Frage von Politik. Warum ausgerechnet der Kampf gegen Judenhass auf Briefmarken fehl am Platz sein soll, kann ich überhaupt nicht verstehen.« ja

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