Mit dem Fokus auf Antisemitismus an deutschen Hochschulen haben die Amadeu-Antonio-Stiftung und das Anne-Frank-Zentrum die diesjährigen bundesweiten Aktionswochen gegen Antisemitismus gestartet. »Mit der Kampagne wollen wir dem dort zur Normalität gewordenen Antisemitismus entgegentreten und die Hochschulen an ihre eigene Verantwortung erinnern«, sagte Ulrike Becker von der Stiftung am Dienstag in Berlin. In den kommenden Wochen sind bis November 250 Veranstaltungen in mehr als 50 Städten sowie eine Plakatkampagne geplant.
Parallel dazu hat die Amadeu-Antonio-Stiftung ein Lagebild zur Situation an deutschen Hochschulen vorgestellt. Demnach bleibt die Zahl antisemitischer Vorfälle auf einem hohen Niveau: Nach einer Erhebung der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) für das Lagebild der Stiftung gab es im vergangenen Jahr 424 Fälle. Zwar sind das etwas weniger als 2024 (458 Fälle), aber noch immer deutlich mehr als in der Zeit vor dem Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023 - in jenem Jahr gab es demnach 151 Fälle, 2022 lediglich 23.
Stiftung: Universitäten oft zu passiv
Becker sieht an deutschen Universitäten zwei zentrale Probleme - einerseits den Antisemitismus selbst, der seit dem Hamas-Überfall auf Israel präsent ist. »Und auf der anderen Seite die Passivität, mit der Hochschulen darauf reagieren, und die zu einer Normalisierung beigetragen hat.«
Zudem zeige das Lagebild, dass sich die Situation an den Hochschulen nicht beruhigt hat. »Zwar sind die großen Demos und Hörsaalbesetzungen weniger geworden. Daraus kann aber nicht der Schluss gezogen werden, Antisemitismus sei verschwunden«, so Becker. Antisemitismus zeige sich immer noch auf dem Campus, in Seminaren, in Studienparlamenten und in den Sozialen Medien.
Es brauche gut sichtbare Meldungs- und Beratungswege, gut ausgebildete Antisemitismusbeauftragte an den Universitäten, Fortbildungen für Studenten und Angestellte sowie klare Konsequenzen bei Vorfällen.
Aktionswochen seit 2003
Die Aktionswochen gegen Antisemitismus sind nach eigenen Angaben ein deutschlandweites Netzwerk von Organisationen und Initiativen, das jährlich in dem Aktionszeitraum verschiedene Veranstaltungen sammelt und fördert. Die Veranstaltungsreihe gibt es demnach seit 2003 und ist ein Projekt der Amadeu-Antonio-Stiftung und des Anne-Frank-Zentrums.
Die Amadeu-Antonio-Stiftung ist eine als gemeinnützig anerkannte deutsche Stiftung. Nach eigenen Angaben will sie die Zivilgesellschaft gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus stärken.
