Die Gewinnerin des deutschen Buchpreises, Shida Bazyar, hat vor einer AfD-Regierung gewarnt. »Es gibt keine Minderheit in Deutschland für die es gut aussehen würde, wenn die AfD an die Macht kommt oder für die es jetzt auch schon nicht gut aussieht, weil die Politik, die gemacht wird, sich auch an der AfD orientiert«, sagte sie dem Kölner Online-Portal domradio.de vor Verleihung des Buchpreises. »Das hat mir in den letzten Jahren auch gefehlt, dass Minderheiten, egal welche das sind, merken, dass sie hier einen gemeinsamen Feind haben.«
Bazyar rief dazu auf, die Vergangenheit nicht zu vergessen. »Wenn wir das Wissen aus der Vergangenheit nicht haben, machen wir dieselben Fehler immer wieder.« Menschen verließen sich zu häufig darauf, dass sie selbst zu den Guten gehörten. »Das heißt, wir müssen wachsam bleiben. Es kann immer die Tendenz geben, in eine autoritäre Richtung zu gehen. Diese Tendenzen sind nie gut, auch nicht, wenn man sich ganz sicher ist, auf der richtigen Seite zu stehen«, sagte die Autorin.
Roman über verdrängte NS-Geschichte
Bazyar hatte am Montagabend in Frankfurt für ihren Roman »Die Lücken« den Deutschen Buchpreis erhalten. Er setzt sich mit der verdrängten Geschichte von Verfolgung in der fiktiven Kleinstadt Heimesbach im Hunsrück auseinander. Vorbild ist Hermeskeil in Rheinland-Pfalz, wo die Schriftstellerin mit iranischen Wurzeln aufwuchs. Der katholische geprägte Ort war im Nationalsozialismus ein sogenanntes Gaumusterdorf.