schoa-überlebende

Den Ärmsten helfen

Pflegebedürftig: eine Ukrainerin Foto: Marco Limberg

Fast verdoppeln wird die Bundesregierung die Förderung für die häusliche Pflege von Überlebenden der Schoa. Das ist ein Ergebnis der alljährlichen Verhandlungen zwischen Vertretern des Bundesfinanzministeriums und der Claims Conference. Am Mittwoch der vergangenen Woche wurde vereinbart, dass Deutschland für die Pflege 55 Millionen Euro ausgeben wird – 85 Prozent mehr als im Jahr 2009. Mit diesen Mitteln werden weltweit rund 100.000 arme und kranke Überlebende durch Partnerorganisationen zu Hause betreut.

Pflege Für Überlebende in Osteuropa bedeutet dies eine bis zu 35-prozentige Steigerung ihrer Beihilfen, die ab Januar 2010 gilt: Jeder der rund 13.000 Überlebenden erhält 240 Euro. »Davon kann man aber keine Pflege bezahlen, sondern mit Mühe und Not Essen kaufen«, sagt Georg Heuberger, Repräsentant der Claims Conference in Deutschland. Daher leben alle 105.000 Überlebenden in den GUS-Staaten und rund 70.000, die nach Israel auswanderten, weiterhin unter der Armutsgrenze.

Vom Bundesentschädigungsgesetz, das bis 1969 galt und heute eine durchschnittliche Rente von 500 Euro garantiert, wurden diese Menschen ausgeschlossen, denn sie lebten in sozialistischen Staaten. »Aufgrund der hohen Kosten wurde dieses Gesetz nach der Wiedervereinigung nicht erweitert, um die osteuropäischen NS-Verfolgten angemessen zu entschädigen«, sagt Heuberger.

Ihre Renten aus kommunistischer Zeit sind aber heute wertlos. Vor allem die Überlebenden in den GUS-Staaten können nicht mit einem Sozialsystem und einer staatlichen Krankenversicherung rechnen. Daher stand die Frage der Pflegefinanzierung im Mittelpunkt des jährlichen Treffens in Berlin.

Finanzierung Seit einigen Jahren beteiligt sich die Claims Conference mit eigenen Geldern an den Pflegekosten, 2009 waren dies 170 Millionen Dollar. Die dafür eingesetzten Finanzen, die aus dem Verkauf erbenloser jüdischer Immobilien in der ehemaligen DDR stammen, gehen 2013 zur Neige. Die Überlebenden werden aber vielleicht noch 15 Jahre oder länger leben. Daher versucht die Claims Conference, eine langfristige deutsche Finanzierung zu sichern. Bis Oktober 2010 will eine gemeinsame Arbeitsgruppe Lösungsvorschläge präsentieren.

Rund 1.300 Überlebende, die in Westeuropa verfolgt worden waren und bisher ohne Entschädigungen auskommen mussten, werden künftig eine kleine Rente erhalten. »Die Bundesrepublik hatte Globalabkommen mit mehreren westeuropäischen Staaten abgeschlossen, die dann eigenständig für die Verteilung der Entschädigungsgelder zuständig waren«, erklärt Heuberger. »In den meisten Ländern wurden die Juden kaum berücksichtigt.«

Vereinbart wurde bei den Verhandlungen zudem, dass Anträge von KZ-Überlebenden, die bisher noch keine Rente erhielten, erneut überprüft werden. Igal Avidan

Berlin

Remmo: Koçak hat bei mir im Büro gesessen

Wie eng war der Kontakt des Linken-Bundestagsabgeordneten Koçak zur Großfamilie Remmo? Nach der Berliner Wahl kamen Chatnachrichten ans Licht, die er als Fehler bezeichnete. Gab es auch ein Treffen?

 16.10.2026

Berliner Sondierungen

Özdemir: Berliner Linke hat sich »radikalisiert«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir schaut mit Sorge auf die politischen Geschehnisse in der Bundeshauptstadt. Seiner Ansicht nach hat sich die Berliner Linke radikalisiert

 16.10.2026

Kommentar

Deutsche Iran-Politik: Urkomische Dinge und pure Realitätsverweigerung

Der neue Botschafter der Bundesrepublik in Teheran, Axel Dittmann, produziert mit seinen Instagram-Videos unfreiwillig Realsatire

von Saba Farzan  16.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Rede des Bundesratspräsidenten

Bovenschulte zu AfD-Verbot: »Prüfen heißt nicht verbieten«

Seine letzte Rede als Bundesratspräsident nutzt Andreas Bovenschulte für einen Appell. Es geht darum, wie weit die Demokratie im Umgang mit der AfD gehen sollte – und warum kein Fehler passieren darf

 16.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Steffen Alisch

Meinung

Die Berliner Linke und ihr DDR-Vorleben

Linker Antisemitismus, Israelfeindschaft und Genozid-Vorwurf – all das gab es bereits in der DDR unter dem Regime der Linkspartei-Vorläuferin SED

von Steffen Alisch  16.10.2026

Staatsanwaltschaft

Der Bundestag hebt die Immunität von SPD-Abgeordnetem Adis Ahmetovic auf

Ermittler durchsuchen sein Büro und Wohnungen wegen des Verdachts verbotener Absprachen

von Leonard Fischer  16.10.2026

Annäherung

Warum die FPÖ auf ein Gütesiegel aus Israel hofft - Österreichs Rechte knüpfen Verbindungen zum Likud

Noch stehen in Österreich keine Wahlen an. Dennoch will die rechte FPÖ ihr aktuelles Umfrage-Hoch mit einer Strategie untermauern, die verwundert: Die einstige Altnazi-Partei sucht Unterstützung aus Israel

von Markus Schönherr  16.10.2026