Leipzig

Bundesverwaltungsgericht lehnt Klage der Bild-Zeitung ab

Der Bundesnachrichtendienst (BND) darf weiterhin Akten zum NS-Verbrecher Adolf Eichmann unter Verschluss halten. Das hat das Bundesverwaltungsgericht am Donnerstag in Leipzig entschieden.

Geklagt hatte der Chefreporter der Bild-Zeitung, Hans-Wilhelm Saure, der bereits vor zwei Jahren durch einen Zufallsfund nachweisen konnte, dass der BND schon 1952 den Aufenthaltsort des als Organisator der »Endlösung« geltenden Eichmann kannte – acht Jahre, ehe ihn Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad aufspürten und der Justiz übergaben.

»Wir behalten uns vor, beim Bundesverfassungsgericht gegen das Urteil vorzugehen«, sagte Svenja Friedrich, Sprecherin des Axel-Springer-Verlags der Jüdischen Allgemeinen.

Die Bild-Zeitung argumentierte, dass das Bundesarchivgesetz, das Einblick in staatliche Akten regelt, auch für die Unterlagen des BND gelten müsse. Einen Teil der Unterlagen hatte der BND auch tatsächlich vorgelegt, allerdings in – vermutlich – wesentlichen Passagen geschwärzt.

Das Geheimhaltungsinteresse des Bundes wiege höher, so das Gericht. Das wird von der Bild-Zeitung bestritten. »Das Wohl der Bundesrepublik wird nicht durch die Offenlegung der Akten gefährdet«, erklärte Svenja Friedrich, »sondern durch ihre Nichtoffenlegung.« So entstünden nur Gerüchte und Verschwörungstheorien.

Mitarbeiter Bereits im Februar hatte Saure den BND verklagt: Da versuchte er, an die Akten auf dem Wege der Auskunftspflicht von Behörden zu gelangen. Doch schon da hatte das Leipziger Bundesverwaltungsgericht sein Ansinnen abgelehnt. Konkret hatte Saure damals wissen wollen, wie viele Mitarbeiter des BND in den Jahren zwischen 1950 und 1980 frühere Mitglieder der NSDAP, Angehörige der SS, der Gestapo oder der Abteilung »Fremde Heere Ost« gewesen waren.

Nun ging es ihm um die ungehinderte Einsicht in die BND-Akten zu Adolf Eichmann. Über dessen Form der Kontakte zum westdeutschen Geheimdienst gibt es bislang viele Indizien und Gerüchte, aber keine gesicherten Informationen.

Vor dem Urteil war auch von jüdischer Seite an das Gericht appelliert worden, die Akten vollständig offenzulegen. »Wenn der BND in Sachen Eichmann heute nicht für völlige Transparenz sorgt, ist das sogar schädlich für Deutschland«, hatte Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden, gesagt.
Auch Andreas Nachama, Direktor der Stiftung »Topographie des Terrors« in Berlin, hatte die Veröffentlichung gefordert. Er verwies darauf, dass die Bundesregierung eventuell Angst vor »peinlichen Enthüllungen« habe.

»Schließlich«, so Nachama zur Bild, »war Hans Globke, der erste Chef des Bundeskanzleramts und damit oberster Dienstherr des BND, ein ranghoher Nazi, der an der Entstehung der sogenannten Nürnberger Rassegesetzte beteiligt war.«

Mittelmeer

Gaza-Flottille legt ungeplant auf Kreta an

Außenministerium in Jerusalem: Terrorverdacht gegen einen der Teilnehmer – zwei Aktivisten werden nach Israel gebracht

 01.05.2026

Bundesrats-Vorstoß

Zentralrat: Aufruf zur Vernichtung Israels soll strafbar sein

Bericht: Die Bundesländer Berlin und Brandenburg haben noch keine abschließende Position festgelegt

 01.05.2026 Aktualisiert

Jüdische Gemeinden

Das neue angstvolle »Normal«

Wie haben sich der 7. Oktober 2023 und die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten ausgewirkt? Der neue Lagebericht des Zentralrats der Juden in Deutschland

von Katrin Richter  01.05.2026

Glosse

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Tipps und Tricks für Judenhasser

Eine Handreichung

von Daniel Neumann  01.05.2026

Berlin

CDU-Präsidium tagt in Chabad-Synagoge

Die Parteispitze will damit ein Zeichen setzen

 01.05.2026

Urteil

Buchhandlungspreis: Gericht untersagt Weimer Extremismus-Äußerung

Die Buchhandlungspreis-Affäre lässt Kulturstaatsminister Weimer nicht los. Die unter Extremismusverdacht geratenen Buchhandlungen wehren sich

 30.04.2026

Washington D.C.

Größter US-Flugzeugträger soll Nahen Osten verlassen

Erstmals seit Jahrzehnten sind wieder drei US-Flugzeugträger im Nahen Osten - das verkündete das US-Militär vergangene Woche. US-Medien zufolge dürfte sich das aber schon bald wieder ändern

 30.04.2026

Washington D.C.

Trump drängt erneut auf Begnadigung Netanjahus

»Bibi ist ein Premierminister im Krieg. Mit so etwas im Nacken kann er nicht arbeiten«, sagt der amerikanische Präsident

 30.04.2026

Ralf Fischer

Kollegah: Judenhass in Reimform

Warum schweigen alle zu dem offenen Antisemitismus von Felix Blume aka Kollegah?

 30.04.2026