Los Angeles

Bürgermeisterkandidatin für Los Angeles gerät wegen Haltung zu Israel unter Druck

Bürgermeister-Kandidatin Nithya Raman Foto: picture alliance / AP Photo/William Liang

Wenige Tage vor der Bürgermeisterwahl in Los Angeles gerät die aussichtsreiche Kandidatin Nithya Raman wegen ihrer Haltung zu Israel zunehmend unter Druck. Die nationale Führung der Democratic Socialists of America (DSA), einer Organisation, die auch den New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani unterstützt hat, verlangt von der Stadträtin ein eindeutiges Bekenntnis zur Boykottbewegung BDS. Andernfalls drohen der Entzug der Wahlempfehlung und schließlich sogar der Ausschluss aus der Organisation.

Raman hatte sich bislang nicht eindeutig hinter die Kampagne für Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel gestellt. Ihre Erklärung, BDS sei eine legitime Form friedlichen Protests, reicht der nationalen DSA-Führung nicht aus. Sie fordert eine ausdrückliche Unterstützung der antisemitischen Bewegung.

Angedrohter Ausschluss

Am Montag verabschiedete das National Political Committee der Organisation zwei Beschlüsse. Danach soll Raman zunächst Gelegenheit erhalten, ihre Position bei einer für Samstag vorgesehenen Veranstaltung zu präzisieren. Sollte sie die Forderungen nicht erfüllen, könnte die Unterstützung für ihre Kandidatur zurückgezogen werden.

Spätestens bis zum 1. Januar soll sie sich außerdem für BDS und gegen Waffenlieferungen an Israel über den internationalen Flughafen von Los Angeles (LAX) aussprechen. Andernfalls droht ein Disziplinarverfahren, das mit ihrem Ausschluss enden könnte.

Lesen Sie auch

Der Konflikt offenbart zugleich erhebliche Spannungen innerhalb der DSA. Der Ortsverband in Los Angeles hatte Raman bereits am 2. September mit deutlicher Mehrheit unterstützt. Bei der Abstimmung entfielen 937 Stimmen auf sie, 484 Mitglieder votierten gegen Raman. Die lokale Parteiführung hält an dieser Entscheidung fest und stellt sich gegen die Versuche der nationalen Organisation, die Wahlempfehlung nachträglich an neue Bedingungen zu knüpfen.

Begrenzte Möglichkeiten

Leslie Chang, eine der Vorsitzenden des kalifornischen Ortsverbands, erklärte, die Mitglieder hätten demokratisch und mit großer Mehrheit entschieden. Man werde deshalb weiterhin für Raman und die übrigen Kandidaten der eigenen Liste werben.

Die nationale Führung verlangt unter anderem, dass Raman künftig jede Zusammenarbeit mit Organisationen ablehnt, die sie als »zionistische Lobbygruppen« einstuft. Außerdem soll sie sich gegen Gesetze stellen, die Palästinenser angeblich benachteiligen oder direkte finanzielle Zuwendungen an Israel und israelische Siedlerorganisationen ermöglichen könnten. Ausdrücklich genannt wird dabei auch der Jüdische Nationalfonds (JNF).

Hinzu kommt die Forderung, Waffenlieferungen über den Flughafen LAX zu verhindern. Dabei sind die rechtlichen Möglichkeiten einer Stadtverwaltung, in den internationalen Luftverkehr und den Transport von Rüstungsgütern einzugreifen, äußerst begrenzt.

Gefährliche Verbindung

Die Auseinandersetzung ist nicht neu. Raman, 45, gehört seit 2020 dem Stadtrat von Los Angeles an. Damals hatte sie als erste DSA-Politikerin einen Sitz in dem Gremium gewonnen. Ihre Position zu Israel unterschied sich allerdings schon früh von der Parteilinie.

Im Jahr 2020 erklärte sie ausdrücklich: »Ich unterstütze BDS absolut nicht.« Die Bewegung richte sich gegen Israel und das jüdische Volk, warnte sie damals. Eine zu enge Verbindung mit einer solchen Kampagne sei angesichts zunehmender Hasskriminalität in Los Angeles und weltweit gefährlich.

Nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 kritisierte Raman zunächst eine Erklärung ihrer Organisation, die ihrer Ansicht nach zu wenig Mitgefühl mit den Opfern erkennen ließ. Später verschärften sich die Spannungen, als sie die Unterstützung einer proisraelischen demokratischen Gruppierung annahm. Der örtliche DSA-Verband rügte sie dafür.

Inzwischen hat sich ihre Rhetorik deutlich verändert. Raman bezeichnete Israels Vorgehen dort in einem Gespräch mit dem umstrittenen linken Streamer Hasan Piker als »Völkermord«. Diese Einschätzung wiederholte sie Ende September bei einer Veranstaltung mit jüdischen Wählern in Los Angeles. Die örtliche Jewish Federation wertete die Äußerung als Überschreitung einer roten Linie. im

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Endlich nimmt ein Verwaltungsgericht die Einschüchterung jüdischer Studierender ernst

Ein Kommentar

von Annabelle Ganapol  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Robert F. Kennedy Jr. spricht an einem Rednerpult vor einer Wand mit dem Schriftzug MAHA

USA

Kennedy verteidigt Rede über Araber und lobt Juden

Der US-Gesundheitsminister weist Rassismusvorwürfe zurück und fragt, warum die Welt Juden hasse und Islamisten umarme

 01.11.2026

Mehrere Männer bei einer Pressekonferenz der Polizei in Frankfurt, einer spricht in ein Mikrofon

Nach Eskalation

Einsatzleiter: Neue Gewalt-Dimension nach Demo in Frankfurt

Der Einsatzleiter der Polizei berichtet von einer »neuen Dimension der Gewalt«: Aus dem Pro-Palästina-Spektrum heraus sei es zu »immer massiveren Störungen und Angriffen auf Polizeikräfte« gekommen

 01.11.2026

Berlin

SPD-Prominente warnen vor Koalition mit der Berliner Linken

In einem offenen Brief sprechen sich Karl Lauterbach, Sigmar Gabriel, Franziska Giffey und Hunderte weitere Sozialdemokraten gegen Rot-Grün-Rot aus – vor allem wegen des Umgangs der Linken mit Antisemitismus

 01.11.2026

Mohsen Rezaei wirft bei einer Wahl im Iran seinen Stimmzettel in eine Urne

Iran-Krieg

Iran knüpft Gespräche mit den USA an sieben Bedingungen

Teheran stellt weiter Maximalforderungen für eine diplomatische Lösung des Konflikts mit den USA. Im erneuten Kriegsfall droht Teheran mit dem Einsatz neuartiger Waffen

 01.11.2026

Annegret Kramp-Karrenbauer spricht bei der Kiel Security Conference

Antisemitismus in Deutschland

Kramp-Karrenbauer warnt vor Bündnissen mit Linken oder AfD

In Berlin hat die Linke die Wahl gewonnen, in Sachsen-Anhalt die AfD. Die frühere CDU-Chefin meint, das Leben vieler Menschen würde sich massiv verändern, wenn diese die Regierung übernähmen

 01.11.2026

Elif Eralp reißt beim Landesparteitag der Linken in Berlin einen Blumenstrauß in die Höhe

Regierungsbildung in Berlin

Koalitionsgespräche von Rot-Grün-Rot in Berlin vor dem Start

Trotz bundesweiter Kontroversen hat die Berliner Linke Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen zugestimmt. Nach dem Wochenende geht es los

 01.11.2026