In dem südhessischen Ort Rosbach vor der Höhe kam es in der Nacht zu Mittwoch zu einem Brand auf einem Firmengelände. Wie das Polizeipräsidium Mittelhessen mitteilte, stellten Beamte vor Ort fest, dass fünf Lkw in Vollbrand standen. Insgesamt wurden sieben Fahrzeuge beschädigt. Der Sachschaden wird vorläufig auf 800.000 EUR geschätzt. Durch die Feuerwehr konnten die Fahrzeuge schließlich gelöscht werden. Zur genauen Brandursache können bislang keine Angaben gemacht werden. Brandursachenermittler der Kriminalpolizei haben die Arbeit vor Ort aufgenommen.
Wie die »Bild«-Zeitung am Donnerstag berichtete, ist nun auf der linksextremen Plattform Indymedia ein Bekennerschreiben aufgetaucht, demzufolge es sich um einen Anschlag handeln könnte, der antimilitaristisch und israelfeindlich motiviert ist.
Das deutsche Dax-Unternehmen Heidelberg Materials profitiere »unmittelbar von dem Genozid an der palästinensischen Bevölkerung«, heißt es in einem mutmaßlichen Bekennerschreiben.
Ob das Schreiben tatsächlich von den Tätern stammt, steht allerdings nicht fest. »Wir ermitteln noch in alle Richtungen. Es muss auch geprüft werden, ob das Bekennerschreiben echt ist«, zitiert »Bild« einen Polizeisprecher.
Auf Indymedia kann prinzipiell jeder Texte hochladen. Offensichtlich unsinnige oder falsche Bekenntnisse werden aber teils auch schnell gelöscht.
Das inkriminierte Schreiben datiert laut der Website von Mittwochmorgen, 8.20 Uhr. Da die Polizei nach eigener Darstellung in der Nacht gegen 01.10 Uhr über den Brand informiert wurde, spricht allein die kurze Zeit von sieben Stunden für die Authentizität des Bekennerschreibens.
Das von dem Anschlag betroffene Firmengelände gehört offenbar zum Unternehmen Heidelberg Materials AG (ehemals HeidelbergCement beziehungsweise Heidelberger Zement). Die mutmaßlichen Attentäter schreiben, sie hätten sich in der »Nacht des Antikriegstages 2026 vom 01.09 auf den 02.09« Zugang zu dem Betonwerk verschafft und Betonmischer auf dem Gelände angezündet. Begründet wird der Anschlag damit, dass das Unternehmen seit 2007 in Israel vertreten» sei.
Heidelberg Cement sei seit 2007 in Israel vertreten. Ein Tochterunternehmen namens «Hanson Israel» produziere dort Zuschlagsstoffe, Asphalt und Transportbeton. «Ein Steinbruch, ein Asphaltwerk und zwei Betonwerke befinden sich auf besetztem palästinensischem Gebiet im Westjordanland», heißt es in dem Schreiben weiter. Die Firma sei damit Nutznießer «von Besatzung und Siedlergewalt». Das deutsche Dax-Unternehmen Heidelberg Materials profitiere «unmittelbar von dem Genozid an der palästinensischen Bevölkerung».
Weiter heißt es in dem Text, dessen Urheber sich einfach «Kommunist*innen» nennen, die deutsche Unterstützung für Israel lasse sich nicht einfach als historische Verpflichtung erklären. Vielmehr verfolge «Deutschland damit eigene Interessen» – etwa den Ausbau von Einfluss und den Zugang zu strategisch wichtigen Regionen. «Der deutsche Imperialismus kehrt mit Nachdruck auf die weltpolitische Bühne zurück», so das Schreiben in traditionslinker Diktion.
Im Weiteren stellen sich die Autoren in eine Reihe mit anderen Aktivisten, die Anschläge auf israelische oder deutsche Rüstungsunternehmen begangen haben, so etwas die sogenannten «Ulm5», die «Elbit11» aus Tschechien, mit «Palestine Action» und anderen. Der Text endet mit der Parole «Internationalismus praktisch machen – kommunistische Bewegung aufbauen!»
Bei den «Ulm 5» handelt sich um fünf Personen irischer, britischer, spanischer und deutscher Staatsangehörigkeit, die seit Januar in Stuttgart vor Gericht stehen, ihnen wird ein Anschlag auf ein israelisches Rüstungsunternehmen in Ulm 2025 zur Last gelegt. Die Anklage lautet auf mitgliedschaftliche Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen. Sie sollen Aktivisten von «Palestine Action Germany» sein.
In Großbritannien wurde die militante antiisraelische Gruppierung «Palestine Action» als Terrororganisation eingestuft. Den «Elbit11» werden von den tschechischen Behörden wegen ähnlicher Taten unter anderem Terrorismusvorwürfe sowie die Unterstützung von Straftaten zur Last gelegt.
Mehrere Brandanschläge innerhalb weniger Tage
Dem Bericht der «Bild»-Zeitung zufolge hätten Videoaufnahmen vom Firmengelände den Ermittlern bereits eine wichtige Spur geliefert. Demnach sollen sich zwei bislang Unbekannte Zugang zum Gelände verschafft haben. Laut Polizei hätten sie einen selbstgebauten Brandsatz zwischen den Lastwagen abgelegt. Dieser sei nach einer zeitlichen Verzögerung in Flammen aufgegangen.
Die «Bild»-Zeitung stellt den Anschlag in eine Reihe mit mehreren Brandanschlägen in den vergangenen Tagen. So seien in München in der Nacht zu Donnerstag drei Brandsätze auf den Stammsitz des Technologie- und Rüstungskonzerns Rohde & Schwarz geworfen und zwei Tatverdächtige festgenommen worden. Das Unternehmen unterhält ebenfalls geschäftliche und strukturelle Verbindungen nach Israel.
In Brandenburg versuchten Unbekannte nahe dem Kraftwerk Jänschwalde, die Stromversorgung zu stören. Auch am Umspannwerk Bergheim bei Köln wurde gezielt ein Kurzschluss verursacht. Die Ermittler sehen auffällige Parallelen zwischen den beiden Angriffen auf die Stromversorgung. Ob diese Anschläge allesamt auf der das Konto, israelfeindlicher Aktivisten gehen, ist allerdings unklar. alo