Soziale Netzwerke

Boris Becker teilt Zweifel an Hitlers Tod im Führerbunker

Gewann in den 80er Jahren drei Mal das Tennisturnier von Wimbledon: Boris Becker Foto: IMAGO/Antonio Balasco

Deutschlands Tennislegende Boris Becker wagt einen Ausflug in die Zeitgeschichte. Becker teilte am späten Mittwochabend auf X einen Post des Accounts »History Nerd«. Dort wird das Gerücht wieder aufgewärmt, Adolf Hitler sei 1945 die Flucht nach Südamerika gelungen und habe sich nicht, worin sich die meisten Historiker einig sind, in seinem Führerbunker in Berlin das Leben genommen.

Als Beleg für die These verwendet der Account »History Nerd« (155.000 Follower) ein CIA-Dokument, welches – so wird von History Nerd (zu Deutsch: Geschichtsfreak) behauptet – der US-Geheimdienst »gerade eben« veröffentlicht habe. Es trägt das Datum 27. Oktober 1955, wurde vom damaligen CIA-Residenten in Venezuela abgefasst und war lange als »geheim« eingestuft. Von einer eben erst erfolgten Veröffentlichung kann aber keine Rede sein. Schon 2017 wurde ein Faksimile des Kabels aus Caracas an die CIA-Zentrale in Washington für die Öffentlichkeit freigegeben, viele Medien berichteten darüber.

Der mittlerweile wieder gelöschte X-Post von Boris Becker

Der Vermerk beruhte auf nicht verifizierten Angaben eines angeblichen früheren SS-Mitglieds namens Philipp Citroen. Dieser sagte demnach den CIA-Agenten in Venezuela, Hitler und weitere Nazis hielten sich in der kolumbianischen Stadt Tunja auf, wo der einstige Diktator weiter als »Führer« angeredet werde. Dem Bericht war auch ein Bild beigefügt, auf dem angeblich Citroen und Hitler in Kolumbien zu sehen sind. Weitere Belege oder Namen möglicher Zeugen wurden nicht genannt.

Immer wieder wurde nach Kriegsende 1945 behauptet, Hitler sei nicht tot; ihm sei vielmehr die Flucht gelungen. Allerdings lagen der Sowjetunion, deren Soldaten Berlin befreiten, schon 1945 Informationen über Hitlers Selbstmord vor. Neben Augenzeugenberichten von Personen, die sich am 30. April 1945 ebenfalls im Führerbunker aufhielten, stellte die Rote Armee auch Teile von Hitlers Gebiss sicher.

Lesen Sie auch

Becker hat auf X 640.000 Follower

Verschwörungstheorien konnte all das aber nicht stoppen. In allen möglichen Ländern wurde der angeblich quicklebendige Adolf Hitler auch noch Jahrzehnte nach Kriegsende vermutet.

Und offenbar glaubt auch Boris Becker, der bislang nicht als Historiker in Erscheinung getreten war, an die im Netz und den sozialen Medien weiter gestreuten Behauptungen. Auf X, wo ihm fast 640.000 Accounts folgen, schrieb der 57-jährige dreifache Wimbledon-Gewinner auf Englisch: »Wow … Was stimmt nicht mit all den Filmen, die behaupten, dass Hitler in Deutschland und Österreich gestorben ist …«

Angesichts der zweifelhaften Quelle, die er verwendet, und der einhelligen Meinung der Historiker dürften womöglich auch einige von Beckers Followern die Gegenfrage stellen: »Was stimmt mit ihm nicht?«

Dresden/Königstein

Mutmaßliche Kämpfer des Islamischen Staates festgenommen

Zwei Männer sollen als Kämpfer für den IS aktiv gewesen sein und dafür Geld erhalten haben. Nun sitzen die beiden Iraker in Sachsen in Untersuchungshaft

 14.08.2026

Glosse

Ship happens: Anti-Israel-Aktivisten krachen in Hafenmauer

Ein Kleinschiff mit »pro-palästinensischen« Seefahrern will im Herbst die Gaza-Küste erreichen. Zwischen ihnen und dem Ziel liegen 3000 Kilometer Luftlinie – und eine wachsende Anzahl an Problemen

von Imanuel Marcus  14.08.2026

Erfurt/Berlin

BSW-Spitze fordert Voigts Rücktritt – und Ende der Koalition

Das Bündnis Sahra Wagenknecht regiert in Thüringen mit CDU und SPD – zum Missfallen der Parteizentrale. Schluss damit, verlangt ein Vorstandsbeschluss

 14.08.2026

Iran-Krieg

Vance: Kriegsziel Nummer Eins besteht darin, Öl und Gas für Amerikaner billig zu halten

Der amerikanische Vizepräsident sagt, die Verhinderung einer iranischen Atomwaffe stehe an zweiter Stelle. Derweil schickt das Pentagon einen neuen Flugzeugträger in die Region

 14.08.2026

Hamburg

Volker Beck kämpft um Beteiligung als Nebenkläger

Der DIG-Präsident gehört zu den Personen, gegen die sich mutmaßliche Anschlagspläne des Iran gerichtet haben sollen. Dennoch hat das Gericht seinen Antrag auf Zulassung im Prozess zurückgewiesen

 14.08.2026

Wahl in Sachsen-Anhalt

Bundesrat sieht sich gewappnet für mögliche AfD-Regierung

Den Bundestag mischt die AfD regelmäßig auf. Könnte sie das auch mit dem Bundesrat tun, wenn sie in Sachsen-Anhalt den Regierungschef stellen sollte? Der Bundesratspräsident bleibt gelassen

 14.08.2026

Nahost

Angriff auf Schiffe: Lage am Golf weiter angespannt

Im Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran wurde ursprünglich eine Einigung innerhalb von 60 Tagen angestrebt. Doch eine Lösung des Konflikts scheint ungewiss. Gibt es Fortschritte?

 14.08.2026

Boston

Gericht weist Klage der US-Regierung gegen Harvard ab

Trumps Regierung kassierte bereits im vergangenen Jahr in einem rechtlichen Streit mit der Elite-Uni eine Niederlage. Nun scheitert sie erneut vor Gericht. Im Zentrum stand ein Antisemitismus-Vorwurf

 14.08.2026

Exklusiv

Causa Georg Restle: Jetzt meldet sich WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni zu Wort

Felix Schotland, Mitglied im WDR-Rundfunkrat und im Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, beschwerte sich über einen X-Post des Journalisten Georg Restle. Nun bekam er eine Antwort

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026