Frankreich

»Bewachung eher sporadisch«

Haim Musicant Foto: privat

Frankreich

»Bewachung eher sporadisch«

Chaim Musicant über den Moskauer Terroranschlag und die Gefahr für die jüdischen Gemeinden

von Michael Thaidigsmann  30.03.2024 21:41 Uhr

Herr Musicant, die französische Regierung hat nach dem Anschlag in Moskau die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Fühlt sich die jüdische Gemeinschaft in Frankreich erneut bedroht?
Wir Juden leben mit diesem Gefühl seit dem 3. Oktober 1980, seit dem Anschlag auf die Synagoge in der Rue Copernic in Paris mit vier Toten und vielen Verletzten. Seitdem hat es weitere Angriffe gegeben, Morde, Bedrohungen aus verschiedenen Richtungen, nicht nur aus dem Ausland. Und seit den Hamas-Massakern vom 7. Oktober haben immer mehr Juden Angst. Deshalb hat es die jüngste Ankündigung der französischen Regierung nicht gebraucht, damit wir uns Sorgen machen.

Sind die Institutionen der Gemeinde nun gut geschützt?
Wir sehen generell eine verstärkte Präsenz von Polizei und Armee vor unseren Einrichtungen. Jedes Mal, wenn es einen Anschlag oder Gewalt gab. Wenn man das Gefühl hatte, dass es wieder ruhig ist, ist die Polizei wieder weg. Die Bewachung wird dann wieder eher sporadisch. Wir haben uns daran gewöhnt, in einem Schutzsystem zu leben, das unregelmäßig ist.

Hat der Schutz der Juden keine Priorität für die Regierung?
Das ist nicht unbedingt auf bösen Willen staatlicherseits zurückzuführen. Die französische Polizei hat schlicht sehr viel zu tun. Es gibt ständig Demonstrationen und viel zu wenige Beamte. In den kommenden Monaten muss die Polizei zudem die Sicherheit der Olympischen Spiele gewährleisten. Richtig ist aber, dass die jüdischen Bürger Frankreichs die einzigen sind, deren Einrichtungen besonders bewacht werden müssen. Für Muslime, Katholiken und Protestanten gilt das nicht.

Frankreich war zuletzt stark vom dschihadistischen Terrorismus betroffen. Jetzt bekannte sich der »Islamische Staat« zum Anschlag in Moskau. Muss man auch im Westen mit neuen Anschlägen rechnen?
Ich denke schon. Der hiesige Innenminister hat zwar gesagt, dass die Behörden mehrere Dutzend Attentate vereitelt und eine Reihe von Terroristen festgenommen hätten. Genaueres erfährt man aber selten. Wir wissen daher nicht, ob es sich um Dschihadisten oder um andere Gruppen handelt.

Wie soll man damit umgehen?
Ein Restrisiko ist immer da. Wir wissen nicht im Voraus, was geschieht, schon gar nicht in einem Europa ohne Grenzen. Heute ist es sehr einfach, von Belgien aus einen Anschlag in Frankreich zu planen – oder umgekehrt. Und wenn so etwas Schreckliches wie vergangene Woche mitten in Moskau passieren kann, in einem autoritären Land, in dem Armee, Polizei und Geheimdienste über beträchtliche Mittel verfügen, die uns hier so nicht zur Verfügung stehen, dann kann es auch hierzulande passieren.

Mit dem Journalisten und langjährigen Geschäftsführer des französisch-jüdischen Dachverbands CRIF sprach Michael Thaidigsmann.

Meinung

Rotes Fähnchen der Linken im antizionistischen Wind

Linken-Parteichef Jan van Aken bagatellisiert den Beschluss seiner Genossen in Niedersachsen zu Israel. Damit dürfte er nicht durchkommen

von Michael Thaidigsmann  16.03.2026

Rüstung

Ein Iron Dome »Made in Germany«?

Israel hat Deutschland Unterstützung beim Ausbau seiner Luftabwehr angeboten. Man könne sich vorstellen, den Iron Dome nicht nur zu liefern, sondern auch vor Ort zu produzieren, sagt der Chef des Rüstungskonzerns Rafael

von Ralf Balke  16.03.2026

Iran-Krieg

NATO-Staaten gegen Einsatz in Straße von Hormus

Könnte die NATO dabei helfen, die Straße von Hormus gegen iranische Attacken zu sichern? US-Präsident Donald Trump ist dieser Meinung, doch seine Alliierten zögern

 16.03.2026

Antisemitismus

Das sagt der Linken-Chef zum Büttner-Abgang

Der brandenburgische Antisemitismus-Beauftragte Andreas Büttner eckte in seiner Partei an. Jetzt verlässt er die Linke mit bitterer Kritik. Seine Partei erlebt die x-te Neuauflage einer Debatte

von Oliver von Riegen, Verena Schmitt-Roschmann  16.03.2026

Berlin

Hertie School: Studierendenvertretung verliert Misstrauensvotum

Nach einem Beschluss zur Unterstützung der gegen Israel gerichteten BDS-Bewegung haben die Studenten der privaten Hochschule ihre Vertretung abgewählt

von Joshua Schultheis  16.03.2026

Iran-Krieg

Deutschland will keinen NATO-Einsatz in der Straße von Hormus

Die US-Regierung macht Druck auf Nato-Partner, sich an der Absicherung einer wichtigen Seeroute in Nahost zu beteiligen. Berlin macht klar, dass man die Allianz gar nicht am Zuge sieht

 16.03.2026

Washington D.C.

Trump fordert militärische Unterstützung im Golf

Insbesondere von europäischen NATO-Staaten erwarte er konkrete Beiträge. Andernfalls drohe der NATO eine schwierige Zukunft, so der amerikanische Präsident

 16.03.2026

Thüringen

Jüdische Organisationen warnen vor »antisemitischer Provokation« in Buchenwald

Ein breites Bündnis wendet sich mit einer gemeinsamen Erklärung scharf gegen die Kampagne \»Kufiyas in Buchenwald\«

 16.03.2026

Nahost

Reaktion auf Beschuss der Miliz: Israel greift Hisbollah und iranisches Regime an

Die Lage im Überblick

 16.03.2026