Berlin

Beschwerde gegen Deutsche Welle: Jüdischer Journalistenverband sieht Defizite in Berichterstattung

Foto: picture alliance / Sipa USA

Der Verband Jüdischer Journalistinnen und Journalisten (JJJ) hat sich mit einer offiziellen Programmbeschwerde an die Leitung der Deutschen Welle gewandt. Anlass sind aus Sicht des Verbandes problematische Inhalte in der Berichterstattung über den Nahen Osten, insbesondere in den sozialen Netzwerken des Senders.

Nach Darstellung des JJJ fehlt es in mehreren Beiträgen an journalistischer Sorgfalt und Ausgewogenheit. Teilweise seien Tendenzen erkennbar, die als israelfeindlich oder sogar antisemitisch bewertet werden könnten, hieß es in einer Presseerklärung. Die Kritik richtet sich dabei nicht ausschließlich, aber vor allem gegen reichweitenstarke Online-Formate.

Ein Beispiel führt der Verband aus dem arabischsprachigen Angebot der Deutschen Welle an: In einem Video zur Festnahme des früheren venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro werde eine Aussage der Vizepräsidentin Delcy Rodríguez ohne Einordnung wiedergegeben. Diese habe behauptet, die Entführung sei »unzweifelhaft zionistisch«.

Kritik an Verhalten einzelner Mitarbeiter

Neben offiziellen Kanälen nimmt der Verband auch Aktivitäten von Beschäftigten in den Blick. Einzelne Beiträge auf privaten Social-Media-Profilen seien problematisch, wenn die Verfasser klar als Vertreter des Senders erkennbar seien.

Lesen Sie auch

So habe eine Moderatorin ihre »syrischen Freunde« auf Facebook mit den Worten gewarnt: »Freut euch nicht zu früh«. Mit Blick auf die Folgen des jüngsten Krieges zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon schrieb sie, das Geschehen könne sich andernorts wiederholen: »Was heute in der südlichen Vorstadt geschieht, ist zuvor in Gaza geschehen und könnte euch ebenfalls bald erreichen.« Begleitet worden sei der Beitrag von Bildern, darunter auch ein Symbol der Hamas.

Der JJJ betont, dass es innerhalb der Deutschen Welle durchaus auch differenzierte und sachliche Berichterstattung zum Nahostkonflikt gebe. Allerdings dominierten nach Einschätzung des Verbandes in besonders sichtbaren Online-Formaten häufig zugespitzte und einseitige Darstellungen.

Ausgewogene Berichterstattung

Vor diesem Hintergrund fordert der Verband die Intendanz auf, zu den konkreten Vorwürfen Stellung zu beziehen. Zugleich solle dargelegt werden, mit welchen Maßnahmen künftig eine ausgewogene und den journalistischen Standards entsprechende Berichterstattung sichergestellt werden kann.

Die Debatte über die Nahost-Berichterstattung der Deutschen Welle ist nicht neu: Bereits in der Vergangenheit wurden dem Sender wiederholt Einseitigkeit und Defizite im Umgang mit antisemitischen Inhalten vorgeworfen, was die Deutsche Welle regelmäßig zurückweist. im

KiKA, Kinderkanal, öffentlich-rechtlicher Fernsehkanal von ARD und ZDF (Symbolbild)

Berlin

AfD-Politiker im »KiKa«

Das Internationale Auschwitz-Komitee übt heftige Kritik am Kinderkanal von ARD und ZDF. Der Fernsender hatte den sachsen-anhaltinischen AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund für seine Kindernachrichten interviewen lassen

 07.09.2026

Wahlkampf

Nach »Yalla Yalla Intifada«: Neuer Skandal um Die Linke in Berlin-Neukölln

Sticker mit einem waffenverherrlichenden Motiv und einer Palästina-Flagge wurden an Schüler verteilt

 07.09.2026

Internationale Reaktionen

Tusk: Nur Idioten erfreut über AfD-Triumph

Der Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird auch in den deutschen Nachbarländern Polen und Tschechien aufmerksam beobachtet. Erste Politiker reagieren auf den AfD-Erfolg

 07.09.2026

Nahost

Iran soll Angriff mehrerer Terrorgruppen auf Israel planen

Nach israelischen Einschätzungen könnte das Mullah-Regime einen gleichzeitigen Einsatz an mehreren Fronten vorbereiten – mit Beteiligung der Hisbollah, der Hamas und der Huthi

 07.09.2026

Internationale Presseschau

»Was in Sachsen-Anhalt seinen Höhepunkt erreicht hat, wird nicht in Sachsen-Anhalt enden«

Was schreiben Publikationen im In- und Ausland über das Ergebnis der gestrigen Landtagswahl?

 07.09.2026

Washington D.C.

»Gut gemacht!«: Elon Musk gratuliert AfD zu Wahltriumph

Der Milliardär und Tech-Unternehmer ist seit langem als AfD-Sympathisant bekannt. Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt verzückt ihn. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund macht ihm sogleich ein Angebot

 07.09.2026

Sachsen-Anhalt

Wagenknecht-Partei als Königsmacherin?

Vor ein paar Tagen steckte das Bündnis Sahra Wagenknecht im Abwärtsstrudel. Nach dem Sprung in den Magdeburger Landtag hat die Partei nun plötzlich Macht. Was fängt sie damit an?

von Verena Schmitt-Roschmann  07.09.2026

Landtagswahl Sachsen-Anhalt

Viele Fragen offen - wie geht es in Sachsen-Anhalt weiter?

Die AfD gewinnt, doch eine Regierungsbildung ist kompliziert. Welche Szenarien jetzt diskutiert werden, wer dabei welche Rolle spielt und was heute passieren könnte

von Christopher Kissmann, Torsten Holtz, Verena Schmitt-Roschmann  07.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW sucht Nähe zur AfD

Bei der Wahl des Regierungschefs in Sachsen-Anhalt könnte das BSW das Zünglein an der Waage werden. Von einer Brandmauer zur AfD will dessen Spitzenkandidat nichts wissen

 06.09.2026