Faktencheck

Berichte über israelischen Pass Selenskyjs sind Fälschung

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Foto: picture alliance / SvenSimon-ThePresidentialOfficeU

In der Ukraine ist Ende November der Leiter des Präsidentenbüros, Andrij Jermak, zurückgetreten, nachdem Anti-Korruptionsermittler seine Wohnung durchsucht hatten. Auch von weiteren Posten, etwa im Nationalen Sicherheitsrat, wurde er entbunden. Offiziell gibt es bislang keine Angaben, ob Jermak in den jüngsten Schmiergeldskandal der ukrainischen Führung verwickelt ist.

Doch in sozialen Medien kursieren angebliche Details aus den Durchsuchungen in den Räumen des einstigen engen Mitarbeiters von Präsident Wolodymyr Selenskyj. »Bei Jermak wurden britische und israelische Pässe für ihn und Selenskyj, Millionen in bar und Offshore-Konten in Milliardenhöhe gefunden«, heißt es in einem Facebook-Beitrag. Dazu ist ein Bild zu sehen, das einen israelischen Pass mit einem Foto Selenskyjs und seinen persönlichen Daten zeigt. Ist es echt?

Bewertung

Es handelt sich um eine Fälschung. Es gibt keinerlei seriöse Belege zu den vermeintlichen Funden. Ukrainische Behörden bezeichneten die Berichte und das Foto des Passes als »fake«.

Fakten

Es finden sich keine Medienberichte oder Veröffentlichungen des ukrainischen Nationale Antikorruptionsbüros (NABU) oder der Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft (SAP), die auf einen Fund von ausländischen Pässen Selenskyjs bei der Hausdurchsuchung bei Andrij Jermak hindeuten würden.

Das ukrainische Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation bezeichnete die Gerüchte über Selenskyjs ausländische Pässe auf der Plattform X als »Fake news«, Falschinformationen. Das NABU habe keine Videos oder Berichte veröffentlicht, der solche Funde erwähne. Zudem lasse sich die Fälschung daran erkennen, dass auf dem gefälschten Pass ein Foto Selenskyjs verwendet werde, das er auf offiziellen Webseiten verwende. Dieses könne nicht in echten Dokumenten benutzt werden.

Lesen Sie auch

Über Korruptionsermittlungen der Behörden in der Ukraine, bei denen auch enge Vertraute Selenskyjs im Fokus stehen, wurde bereits in der Vergangenheit Falschinformationen verbreitet. Dabei werden tatsächliche politische brisante Ereignisse, etwa eine Durchsuchung bei dem Geschäftsmann und Selenskyj-Vertrauten Timur Mindich, vermischt mit diskreditierenden, frei erfundenen Details, etwa die Falschmeldung, dass bei Mindich die gestohlenen Juwelen aus dem Louvre gefunden worden seien.

Über Selenskyj als zentrale Figur des Widerstands der Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg kursieren ebenfalls seit Jahren Falschinformationen. Dazu gehören immer wieder fasche Behauptungen über vermeintliche Immobilienkäufe Selenskyjs, aber auch eine erfundenen israelische Staatbürgerschaft seiner Familie oder eine falsche US-Einbürgerung. dpa

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