Ein geplantes Benefizkonzert für die Hinterbliebenen des Terroranschlags am Bondi Beach in Australien ist kurzfristig gescheitert. Hintergrund war der Widerstand zahlreicher Mitglieder eines griechischen Chors, die nicht gemeinsam mit einem jüdischen Ensemble auftreten wollten. »The Jewish Independent« und das »Jewish News Syndicate« berichteten.
Die Veranstaltung stand unter dem Titel »Concert for Hope and Unity« (»Konzert für Hoffnung und Geschlossenheit«) und sollte im Juni stattfinden. Mit den Einnahmen sollten Familien der Opfer des Massakers unterstützt werden.
Geplant war ein gemeinsames Konzert des Australian Hellenic Choir und der Sydney Jewish Choral Society. Aufgeführt werden sollte die »Ballad of Mauthausen«, ein Werk über die Liebesgeschichte zweier Häftlinge – eines Griechen und einer Jüdin – im nationalsozialistischen Konzentrationslager Mauthausen.
Chorpräsident spricht von Antisemitismus
Doch mehr als die Hälfte der rund 50 Mitglieder des griechischen Chors sprach sich gegen eine Teilnahme aus. Berichten zufolge erklärten mehrere Sänger, sie lehnten einen gemeinsamen Auftritt aus politischen Gründen ab. Andere äußerten Sicherheitsbedenken und fürchteten mögliche Angriffe.
James Tsolakis, Präsident des Australian Hellenic Choir, zeigte sich erschüttert über die Reaktionen innerhalb der eigenen Gemeinschaft. »Es gibt ein gewisses Maß an Antisemitismus in der griechischen Gemeinschaft. Ich hatte nicht erkannt, wie groß das Ausmaß ist«, sagte er. »Leider machen viele Menschen in der Gemeinschaft die jüdische Gemeinschaft für das verantwortlich, was in Israel und Palästina geschieht. Das ist nicht richtig.«
Zugleich betonte Tsolakis, politische Kritik an Israels Regierung dürfe nicht in Feindseligkeit gegenüber Juden umschlagen: »Ihr wollt Netanjahu hassen? Hasst Netanjahu. Aber was haben euch die jüdischen Menschen getan?«
»Extrem enttäuscht«
Der Chorleiter sagte laut »The Jewish Independent«, Ziel des Konzerts sei es gewesen, durch Musik Brücken zu bauen. »Es ging darum, Menschen zusammenzubringen.« Nun habe er keine andere Wahl gehabt, als das Projekt zu stoppen. Er sei »extrem enttäuscht« und sehr betroffen.
Für das Konzert waren bereits staatliche Fördermittel in Höhe von 15.000 australischen Dollar (9178 Euro) aus New South Wales zugesagt worden. Die Organisatoren rechneten mit einem ausverkauften Saal.
Vertreter jüdischer Organisationen reagierten mit Bestürzung. Alon Cassuto, Geschäftsführer der Zionist Federation of Australia, erklärte, es sei zutiefst bedrückend, dass eine Initiative für Zusammenhalt am anti-jüdischen Ressentiment gescheitert sei.
Wichtige Chance vertan
Rabbi Ralph Genende vom Australia-Israel and Jewish Affairs Council sagte, er sei »untröstlich« wegen die Entscheidung. Eine wichtige Chance auf Verständigung sei vertan worden.
Das Konzert sollte an die Opfer des Bondi-Beach-Massakers vom 14. Dezember erinnern. Damals wurden bei einem Angriff 15 Menschen ermordet, darunter ein zehnjähriges Mädchen sowie ein 87-jähriger Holocaust-Überlebender.
Der Anschlag gilt als schwerster Terrorakt in der Geschichte Australiens. Besonders die jüdische Gemeinschaft in Sydney und Melbourne wurde damals tief erschüttert. im