München

Bayern nimmt Antisemitismus-Definition an

Die Bayerische Staatsregierung ist die erste Regierung eines Bundeslandes in Deutschland, die die Antisemitismus-Definition der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken (IHRA) annimmt und anerkennt. Das verkündete am heutigen Dienstag der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in der Münchner Staatskanzlei. Zudem wolle Bayern das sicherste Land für Juden in Deutschland werden, sagte Söder.

Vorangegangen war eine Sitzung seines Kabinetts mit dem »Schwerpunkt Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung des Antisemitismus«, bei der unter anderem auch Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden und der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, sowie Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, anwesend waren und als Experten Auskunft gaben.

ZENTRALRAT Schuster bedankte sich »ausdrücklich« beim bayerischen Kabinett für diesen Schritt, der sowohl eine Handhabe gegen den bestehenden Antisemitismus sei als auch ein Mittel zur Prävention biete. Das gebe den Behörden die Möglichkeit, gezielt zu erkennen, was Antisemitismus ist, und entsprechend vorzugehen. »Das ist wichtig und macht jüdisches Leben sicherer und stärker«, sagte Schuster.

Bayern möchte das sicherste Land für Juden in Deutschland werden, kündigte Söder an.

Er stellte fest, dass sich Juden in Bayern sehr wohlfühlten, »auch wenn es Wolken gibt«. Damit diese »nicht mehr, sondern weniger« werden, dafür stehe der Maßnahmenkatalog der Bayerischen Staatsregierung. »Wie man mit Juden, mit Minderheiten umgeht, zeigt, wie gefestigt eine Demokratie ist«, betonte Schuster.

Auch Charlotte Knobloch bezeichnete die »eindeutige Definition« als richtiges »Signal«, das Klarheit schaffe gegen Antisemitismus und Israelhass. »Bayern geht da als Bundesland voran«, sagte sie und erklärte, dass ein solcher Schritt »innerhalb der jüdischen Gemeinschaft ankommt«.

Der bayerische Antisemitismusbeauftragte Ludwig Spaenle wertet die Anerkennung der Antisemitismus-Definition – ein erklärtes Anliegen von ihm – als einen »historischen Schritt« und als ein starkes Zeichen. »Judentum ist ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft«, betonte Spaenle.

»Wie man mit Juden, mit Minderheiten umgeht, zeigt, wie gefestigt eine Demokratie ist«, betonte Josef Schuster.

ORIENTIERUNG Die Antisemitismus-Definition der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken wurde im Jahr 2016 formuliert. Sie ist rechtlich nicht bindend, bietet aber eine klare Orientierung. Die Bundesregierung hatte 2017 entschieden, sich der Definition anzuschließen.

Laut der nun von Bayern anerkannten Definition ist Antisemitismus eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richte sich in Wort oder Tat gegen jüdische und nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen. »Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.«

Jair Golan, Vorsitzender der Demokraten in Israel, im Porträt

Midterm-Wahlen

Israels Opposition hofft auf Neustart der Beziehungen zu Amerika

Israels oppositionelle Demokraten freuen sich über den Wahlsieg ihrer US-Parteifreunde und hoffen auf eine künftige Verbesserung der zuletzt angespannten Beziehungen zwischen beiden Ländern

 04.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  04.11.2026

Persischer Golf

Bericht: Vier Tanker in Straße von Hormus durch Minen zerstört

Die für den weltweiten Energiehandel wichtige Meerenge ist für Schiffe weiterhin gefährlich. Erneut trifft es dort Tanker - und die Umwelt

 04.11.2026

Meinung

Antizionisten als Königsmacher?

Die arabischen Parteien könnten Gadi Eisenkot zu Israels Regierungschef machen. Doch es gibt gewichtige Gründe, die gegen eine Koalition sprechen

von Zeev Avrahami  04.11.2026

Kommentar

Amerikas Israel-Bild hat sich gedreht

Während die Demokraten immer antizionistischer werden, wenden sich auch die Republikaner von der bedingungslosen Unterstützung Israels ab. Das stellt jüdische Wähler und Politiker vor neue Herausforderungen

von Toby Axelrod  04.11.2026

Israel nach der Wahl

Wahlprüfung in Israel abgeschlossen - Streit geht weiter

Das Wahlkomitee in Israel sieht keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten mit Folgen für das Ergebnis. Dennoch spitzt sich der Streit zwischen der bisherigen Regierung und der Opposition gefährlich zu

 04.11.2026

Meinung

Wenn Kritiker zu Feinden erklärt werden

Der ehemalige Linken-Abgeordnete Andreas Büttner ist entsetzt über die Rhetorik auf dem Berliner Landesparteitag: Wer so redet, wolle nicht mehr überzeugen, sondern ausgrenzen

von Andreas Büttner  04.11.2026

Washington

Republikaner verlieren US-Parlamentswahl deutlich

Donald Trumps Partei muss bei der Kongresswahl eine verheerende Niederlage einstecken. Die US-Wähler rechneten mit der Politik des Präsidenten ab, der nun vor zwei härteren Jahren steht

von Andrej Sokolow  04.11.2026

Debatte

Berliner CDU bietet Sondierungen an: Grüne und SPD lehnen ab

Die Hintergründe

 03.11.2026