Krieg

»Oder ihr werdet in der Hölle landen, verrückte Bastarde!«

US-Präsident Donald Trump Foto: picture alliance / Xinhua News Agency

Fünf Wochen nach Kriegsbeginn überziehen sich US-Präsident Donald Trump und der Iran mit gegenseitigen Drohungen und Beleidigungen. Aus pakistanischen Geheimdienstkreisen hieß es am Montag, den Kriegsparteien sei ein Plan für eine 45-tägige Waffenruhe mit Friedensgesprächen vorgelegt worden. Eine Annäherung, insbesondere für die Öffnung der vom Iran blockierten Straße von Hormus, scheint aber weit entfernt.

Trump hatte dem Iran am Sonntag eine Frist bis Dienstagabend (2.00 Uhr MESZ am Mittwoch) gesetzt, um »die verdammte Straße (von Hormus)« zu öffnen. »Oder ihr werdet in der Hölle landen«, schrieb der US-Präsident auf seiner Plattform Truth Social - versehen mit der Beleidigung »crazy bastards«, die mit »verrückte Mistkerle« noch vergleichsweise freundlich übersetzt ist.

Der Iran reagierte mit eigenen Drohungen. Sollten die USA und Israel ihre Angriffe eskalieren, könnten für den globalen Energiemarkt wichtige Schifffahrtswege jenseits der Straße von Hormus gefährdet sein, warnte Ali-Akbar Welajati, außenpolitischer Berater des obersten iranischen Führers, laut dem regierungstreuen Sender Press TV.

Davon betroffen sein könnte die Meerenge Bab al-Mandab und damit die Einfahrt zum Roten Meer und zum Suezkanal. Mehdi Tabatabaei, der für Kommunikation zuständige Beamte im Präsidialbüro, bezeichnete Trump als »Bastard-Narr«.

Die iranische Führung übermittelte eigenen Angaben zufolge ihre »Forderungen und Ansprüche« an die Vermittler. Die Forderungen der USA seien »überzogen und inakzeptabel«, sagte Außenamtssprecher Ismail Baghai laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna.

Im Gespräch ist seit längerer Zeit ein 15-Punkte-Plan der USA, der vom Iran große Zugeständnisse fordert. Neben Pakistan vermitteln Saudi-Arabien, Ägypten und die Türkei zwischen Washington und Teheran. Der Iran setzte seine Raketen- und Drohnenangriffe auf die Nachbarländer am Golf derweil auch zu Wochenbeginn fort.

Das US-Nachrichtenportal »Axios« berichtete unter Berufung auf Aussagen von vier US-amerikanischen, israelischen und regionalen Quellen, die 45-tägige Waffenruhe sei die einzige Chance, eine dramatische Eskalation noch zu verhindern. Massive US-Angriffe auf die iranische Zivilinfrastruktur hätten Vergeltungsschläge gegen Energie- und Entsalzungsanlagen in den Golfstaaten zur Folge. Trump sagte dem »Wall Street Journal«: »Wenn sie bis Dienstagabend nichts unternehmen, bleibt kein Kraftwerk und keine Brücke stehen.«

Der ehemalige Vize-Sicherheitsberater des früheren US-Präsidenten Barack Obama, Ben Rhodes, sieht darin eine Ankündigung von Kriegsverbrechen. Es fühle sich »zunehmend so an, als würde ein einzelner Mann in einem Raum Entscheidungen treffen«, sagte Rhodes der BBC. Trump folge nicht dem normalen Prozess und greife anscheinend nicht auf politische und militärische Berater zurück. »Wir werden herausfinden, ob das US-Militär bereit ist, «Nein» zu Trump zu sagen«, sagte Rhodes.

Am Wochenende hatte sich Trump als Triumphator präsentieren können, nachdem das US-Militär einen nach dem Abschuss eines Kampfjets vermissten US-Soldaten aus dem Iran retten konnte. Trump würdigte den verletzten Offizier als »mutigen Krieger« und die Rettungsaktion als eine »der gewagtesten Such- und Rettungsaktionen des US-Militärs in der Geschichte der USA«.

Aus Israel folgten zu Wochenbeginn ähnliche Drohungen wie von Trump. Sollte der Iran die Raketenangriffe auf israelische Zivilisten nicht einstellen, werde Israel mit der Zerstörung der Infrastruktur antworten, drohte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz. »Wir haben die Stahl-Infrastruktur und die petrochemische Industrie schwer getroffen - und heute und an jedem weiteren Tag wird es weitergehen«, sagte Katz am Montag.

Israel werde »die iranische nationale Infrastruktur weiter zerschlagen und das Terrorregime zermürben und zum Einsturz bringen – ebenso wie seine Fähigkeit, Terror voranzutreiben und auf den Staat Israel zu schießen«, sagte der Verteidigungsminister nach neuen Raketenangriffen des Irans auf israelische Städte, darunter die Küstenmetropole Tel Aviv. 

Zugleich meldete Katz, die israelische Armee habe in der Küstenstadt Asalujeh »mit großer Intensität die größte petrochemische Anlage im Iran« angegriffen. Vergangene Woche sei bereits eine zentrale Anlage angegriffen worden. »Nun sind beide Anlagen, die zusammen für rund 85 Prozent der petrochemischen Exporte des Iran verantwortlich sind, außer Betrieb gesetzt und funktionieren nicht mehr«. Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete von mehreren Explosionen nahe einer Raffinerie in Asalujeh, die als Herz der iranischen Gasindustrie gilt.

Katz teilte zudem mit, er sei vom Generalstabschef darüber informiert worden, dass die israelische Armee den Leiter der Geheimdienstabteilung der iranischen Revolutionsgarden, Generalmajor Madschid Chademi, »ausgeschaltet« habe. Dieser sei unmittelbar verantwortlich für tödliche Raketenangriffe auf israelische Zivilisten. Auch der Iran verkündete den Tod des ranghohen Generals.

Die »Jerusalem Post« berichtete, Israel und die USA hätten eine umfassende Liste strategischer Ziele ausgearbeitet, die angegriffen werden sollten, falls der Iran die Anforderungen von Trumps Ultimatums nicht erfülle. 

Israel favorisiere Angriffe auf den Energiesektor und die nationale Infrastruktur und warte auf »grünes Licht« vonseiten der USA. Ein israelischer Regierungsvertreter sagte der Zeitung, Angriffe auf Energieanlagen würden zum »totalen wirtschaftlichen Zusammenbruch des Irans« führen und die Stabilität des iranischen Machtapparats erheblich schwächen. dpa

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