Spionage-Skandal

Außenminister Wadephul bestellt iranischen Botschafter ein

Außenminister Johann Wadephul (CDU) Foto: picture alliance/dpa

Außenminister Johann Wadephul hat nach der Festnahme eines Dänen, der im Auftrag eines iranischen Geheimdienstes in Berlin jüdische Einrichtungen ausgespäht haben soll, den iranischen Botschafter einbestellt. Außerdem rief er zum Schutz von Juden auf. »Wenn dieser Verdacht sich bestätigen sollte, dann wäre das ein ungeheuerlicher Vorgang, der erneut verdeutlichen würde, dass der Iran überall auf der Welt eine Gefahr für Jüdinnen und Juden ist«, sagte der CDU-Politiker am Rande eines Besuches in der ukrainischen Hafenstadt Odessa nach dem Besuch einer Synagoge. »Dem werden wir uns klar entgegenstellen.« 

Aus dem deutschen Außenministerium hieß es vor dem Hintergrund der Festnahme in Dänemark, der iranische Botschafter sei heute ins Auswärtige Amt einbestellt worden. Das Mullah-Regime wies die Spionage-Vorwürfe zurück und behauptete, diese seien ein Vorwand, um von Israels Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen abzulenken.

Wadephul dankte den Behörden für die erfolgreiche Zusammenarbeit. Er sehe »alle staatlichen Behörden in Deutschland verpflichtet, das Erforderliche jetzt zu tun und unseren Beitrag dazu zu leisten, dass Jüdinnen und Juden nicht bedroht sind und dass wir uns dem, von wem auch immer die Gefahr ausgeht, entgegenstellen«, fügte er hinzu.

Wadephul betont Verantwortung für Juden überall auf der Welt

Der Minister nannte es immer wieder bewegend, eine Synagoge vor dem Hintergrund des Holocaust überhaupt betreten zu dürfen. »Das macht immer wieder deutlich für mich, welche Verantwortung wir Deutsche haben dafür, dass Jüdinnen und Juden überall auf der Welt in Frieden leben können und nicht bedroht sind.« Der aktuelle Verdachtsfall in Dänemark müsse alle darauf erneut aufmerksam machen.

Lesen Sie auch

Nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft soll der 53 Jahre alte Däne mit afghanischen Wurzeln durch das Ausspähen von jüdische Menschen und Einrichtungen in Berlin möglicherweise auch Anschläge vorbereitet haben. Die obersten deutschen Strafverfolger ließen den Mann vergangene Woche im dänischen Aarhus festnehmen. dpa

Nahost

Iran besteht auf militärische Kontrolle der Straße von Hormus

Die iranische Armee verlangt, dass Schiffe nur die vom Iran festgelegte Route durch die Meerenge nutzt

 02.07.2026

Diplomatie

USA und Iran sollen Fortschritte bei indirekten Gesprächen gemacht haben

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erschweren eine Lösung der komplexen Konfliktlage im Nahen Osten. Nach indirekt geführten Gesprächen in Doha melden die Vermittler Fortschritte

 02.07.2026

Meinung

Was Deutschland von Albanien lernen kann

Wer immer noch überrascht tut und nicht konsequenter gegen die Mullahs vorgeht, handelt nicht nur fahrlässig, sondern lädt ihre Killer geradezu ein

von Ralf Balke  02.07.2026

Analyse

Vorteil Putin?

Früh hieß es, Russland sei einer der Profiteure des Iran-Kriegs und die Ukraine ein Verlierer. Doch das greift zu kurz

von Alexander Friedman  02.07.2026

Hintergrund

Wenn Juden- und Israelfeindlichkeit Extremisten aller Couleur vereint

Der Verfassungsschutzbericht 2025 verdeutlicht einmal mehr: Antisemitismus und Antizionismus sind der Bindekitt zwischen ansonsten inkompatiblen extremistischen Strömungen

von Michael Thaidigsmann  01.07.2026

Meinung

Warum Hessens Vorstoß mit der Meinungsfreiheit vereinbar ist

Die Landesregierung will die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe stellen. Mit einer veränderten Begründung und anderen leichten Modifikationen wäre der umstrittene Entwurf grundgesetzkonform

von Fiete Kalscheuer  01.07.2026

Extremismus-Bericht

Auschwitz Komitee macht AfD für gestiegenen Rechtsextremismus verantwortlich

Die Zahl der Extremisten in Deutschland ist nach Einschätzung des Bundesamtes für Verfassungsschutz weiter gestiegen. Dafür macht das Komitee vor allem die AfD verantwortlich

 01.07.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026