Argentinien

Argentinien übernimmt IHRA-Vorsitz

Außenminister Pablo Quirno Foto: picture alliance / Anadolu

Argentinien hat die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) übernommen und damit steht erstmals ein südamerikanisches Land an der Spitze der internationalen Organisation. Die IHRA vereint Regierungen und Experten, um Erinnerung, Forschung und Bildung zum Holocaust weltweit zu fördern und Judenhass zu bekämpfen.

Die neue Präsidentschaft steht laut einer Erklärung aus dem Außenministerium in Buenos Aires unter dem Motto »Expandiendo las fronteras de la memoria« – auf Deutsch etwa »Die Grenzen der Erinnerung erweitern«.

Außenminister Pablo Quirno betonte bei der Übergabe in Buenos Aires, dieser Schritt sei kein Zufall: »Die Präsidentschaft der IHRA hat einen besonderen Wert. Sie kommt nicht durch Zufall zustande. Sie kommt, weil es eine Vision und eine politische Entscheidung gibt.« Argentinien habe erkannt, dass die Erinnerung an den Holocaust Teil eines umfassenderen Kampfes sei – »gegen die Lüge, gegen den Fanatismus und gegen alle Formen moralischer Verrohung, die freie Gesellschaften bedrohen«.

»Staatsräson« in der Erinnerungspolitik

Die Präsidentschaft wird im Auftrag von Präsident Javier Milei von dem Unternehmer Marcelo Mindlin übernommen, in enger Abstimmung mit dem Außenministerium. Mindlin hob hervor, dass die Beschäftigung mit dem Holocaust in Argentinien seit Jahrzehnten parteiübergreifend getragen werde.

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»Alle Regierungen, unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung, waren sich über mehr als 20 Jahre einig, Teil der IHRA zu sein und entsprechende Bildungs- und Erinnerungsarbeit zu leisten«, so Mindlin. Diese Kontinuität habe dazu beigetragen, dass das Land nun den Vorsitz übernehmen könne.

Besonders verwies Mindlin auf die breite Anwendung der IHRA-Arbeitsdefinition von Antisemitismus in Argentinien. Diese werde nicht nur vom Staat, sondern auch von Gerichten und zivilgesellschaftlichen Organisationen genutzt. Es handele sich um »ein entscheidendes Instrument im Kampf gegen Antisemitismus«, dessen erfolgreiche Umsetzung das Land »mit Stolz« vorweisen könne.

Internationale Erwartungen

Der scheidende IHRA-Vorsitzende Dani Dayan äußerte sich zuversichtlich, dass die Organisation unter argentinischer Leitung weiter an Bedeutung gewinnen werde. »Wir vertrauen darauf, dass die IHRA unter der Führung Argentiniens ihre Reichweite ausbauen und ihre Wirkung vertiefen wird«, sagte er dem argentinischen Außenministerium zufolge. Man hoffe insbesondere auf stärkere Beiträge aus der spanischsprachigen Welt, fügte er hinzu.

Auch die deutsche IHRA-Generalsekretärin Michaela Küchler sprach von einem historischen Moment: »Die IHRA überschreitet zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Äquator. Das ist mehr als ein geografischer Meilenstein.« Es sei ein Hinweis darauf, dass die Verantwortung für die Erinnerung an den Holocaust und den Völkermord an den Roma »die ganze Welt betrifft«.

Im Rahmen des Vorsitzes sollen in Buenos Aires zwei große IHRA-Plenartagungen stattfinden – Anfang Juni sowie Anfang November. Argentinien zählt zu den wichtigsten Aufnahmeländern von Holocaust-Überlebenden nach dem Zweiten Weltkrieg. Mehr als 5000 Menschen fanden dort eine neue Heimat. Heute leben noch rund 150 Zeitzeugen im Land.

Mit der Übernahme des Vorsitzes bekräftigte die Regierung ihren Anspruch, die Erinnerung an den Holocaust und den Genozid an den Roma lebendig zu halten und den Kampf gegen Antisemitismus weiter voranzutreiben – über nationale Grenzen und Generationen hinweg. im

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