Berlin

Antisemitismus-Streit in linkem Jugendzentrum eskaliert

Vermummte Menschen mit Holzlatten
Mutmaßlich linke Antisemiten, vermummt und mit Kantholz Foto: Screenshot Instagram/Reclaim_La_Casa

In einem Jugendzentrum in Berlin-Hellersdorf ist es am Samstagnachmittag zwischen zwei Gruppen zu einem gewalttätigen Streit gekommen. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, ging es dabei zwischen einer »mutmaßlich pro-israelischen« und »einer mutmaßlich pro-palästinensischen Gruppierung« um die Nutzung der Räume.

Unter anderem seien Feuerlöscher, Holzlatten und Baustellenabsperrungen sowie später Baseballschläger zum Einsatz gekommen. Bis zum frühen Abend nahm die Polizei insgesamt 29 Personen vorübergehend fest. Es wurden zwei Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs eingeleitet. Ob es Verletzte gab, ist unklar. Die Ermittlungen dauern an.

Die Polizei nahm insgesamt 29 Personen vorübergehend fest.

Nach Recherchen des Nachrichtenportals t-online geht es bei der Auseinandersetzung in dem »Alternativen Jugendzentrum Kita« (AJZ), um die grundlegende politische Ausrichtung der Institution zwischen antisemitismuskritischem Antifaschismus einerseits und israelfeindlicher Palästinasolidarität andererseits. In dem Jugend- und Wohnprojekt gibt es Werkstatt- und Sportraum, Proberäume für Bands und den Veranstaltungsbereich »La Casa«, den ein Kneipenkollektiv führt. La Casa ist durch Konzerte und Lesungen in der Szene deutschlandweit bekannt.

T-online zufolge fürchtet das israelfreundliche Lager dort - offenbar berechtigt -, unterwandert und ausgebootet zu werden. In dem Projekt wolle ein Teil der neu Beteiligten mit ihrem Umfeld »unser antifaschistisches Haus in eine Art antizionistisches Zentrum umwandeln«, heißt es auf Instagram.

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Die pro-israelische »Reclaim La Casa«-Gruppe (»La Casa zurückerobern«) habe nun nicht länger zuschauen wollen, wie die »Antisemiten« von »New La Casa« das Projekt zunehmend vereinnahmen. Dies habe dazu geführt, dass am Samstag 15 Personen in das Haus eingedrungen seien, wie die Gegenseite, das Lager »New La Casa«, in einem Statement von »Anarchists4palestine« auf Instagram beklagte. Es habe sich um eine »rücksichtslose Eskalation seitens der Zionisten, die mit eisernem Griff an ihrer verdrehten Art des Antifaschismus festhalten«, gehandelt. Am Samstagmorgen warfen die »Reclaim«-Leute auch nach ihrer eigenen Darstellung den Kopf des »New La Casa«-Lagers raus und erklärten das Haus wieder zu ihrem.

Vorläufige Niederlage für das nicht israelfeindliche Lager

Dem Bericht von t-online zufolge endete die Besetzung und die folgende Belagerung mit einer vorläufigen Niederlage für das israelfreundliche Lager. In der Nacht hatten sich die Besatzer zurückziehen müssen, »nachdem mit massiver Gewalt ins Haus eingebrochen und Barrikaden überwunden wurden«, wie »Reclaim« am Sonntag auf Instagram schrieb. »Die Besatzung ist zu Ende, der Kampf gegen Antisemitismus geht weiter. Wir müssen uns sammeln.«

Am Samstagabend um 18.30 Uhr sei es zu den Szenen auf dem Dach gekommen, von denen die Polizei am Sonntag über Baseballschläger auf beiden Seiten berichtete. Reclaim erklärte, es sei dort auch Menschen ins Gesicht getreten worden und es habe die Gefahr bestanden, dass sie in die Tiefe stürzen.

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Laut t-online gab es auch mehrere Verletzte, von denen die Polizei aber nichts wisse, weil die Betroffenen sich nicht bei ihr gemeldet hätten. Ermittelt werde bisher lediglich wegen Landfriedensbruchs.

Für Sonntag befürchtete die Polizei zunächst eine Fortsetzung des Konflikts. Wie ein Reporter des rbb vor Ort beobachtete, waren am Mittag mehrere Einsatzfahrzeuge am AJZ. Erneut seien teilweise maskierte Personen im Gebäude gewesen, ansonsten sei es aber ruhig geblieben. Eine Versammlung, die zwischen 12 und 14 Uhr angemeldet gewesen war, wurde abgesagt. ja/epd

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