Berlin

»Antisemitismus ist Gift für die Demokratie«

Der Arbeitskreis wurde vor einem Jahr unter Leitung der Berliner Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement, Sawsan Chebli (r.), gegründet. Foto: imago/Metodi Popow

Dem Berliner Senat ist am Freitag ein Katalog mit Vorschlägen zur Bekämpfung von Judenfeindlichkeit übergeben worden. Zentrale Forderung des vor einem Jahr gegründeten Arbeitskreises gegen Antisemitismus ist die Einsetzung eines Landes-Antisemitismusbeauftragten.

Außerdem plädiert das Gremium für eine detaillierte Erfassung antisemitischer Vorfälle, mehr Präventions- und Bildungsarbeit von der Kita bis zur Universität und verpflichtende Fortbildungen zum Thema Judenfeindlichkeit unter anderem bei Richtern, Staatsanwälten, Polizisten und pädagogischem Personal. Zudem soll an einer Berliner Universität ein Lehrstuhl für außerschulische Bildung mit dem Schwerpunkt Antisemitismus eingerichtet werden.

»Antisemitismus ist Gift für die Demokratie«, sagte Sawsan Chebli.

MITGLIEDER Dem vor einem Jahr gegründeten Arbeitskreis unter Leitung der Berliner Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement, Sawsan Chebli (SPD), gehören Vertreter jüdischer Institutionen und Gemeinden, von Gedenkstätten, Wissenschaftseinrichtungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen an. Die Handlungsempfehlungen sollen in ein Handlungskonzept des Senats einfließen, das bis Ende Februar fertiggestellt werden soll.

»Antisemitismus ist Gift für die Demokratie«, sagte Chebli. Die Judenfeindlichkeit in der Gesellschaft sei in den vergangenen Jahren lauter und aggressiver geworden, deshalb sei es Zeit für neue Allianzen. Der Kampf dagegen brauche »ganz klar« eine politische Förderung und erfordere eine klare Haltung von Politik und Verwaltung.

»Es ist unsere verdammte Verantwortung, für die Sicherheit der Juden in diesem Land und dieser Stadt zu sorgen«, so Sawsan Chebli weiter.

Eine Haltung gegen Antisemitismus müsse bürgerlicher Konsens sein, betonte Dervis Hizarci.

ANKÜNDIGUNG »Breiter Konsens« unter allen Akteuren sei die Notwendigkeit der Einsetzung eines eigenen hauptamtlichen Berliner Antisemitismusbeauftragten, sagte Chebli. Ein solches Amt müsse personell und finanziell gut ausgestattet werden, forderte der Antisemitismusbeauftragte der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Sigmount Königsberg. Die Entscheidung darüber wird laut Chebli bis Ende Februar im Rahmen des Handlungskonzeptes des Berliner Senats fallen. Nach Meinung des Arbeitskreises darf der Kampf gegen Judenfeindlichkeit nicht nur Aufgabe von Politik und Verwaltung sein.

Eine Haltung gegen Antisemitismus müsse bürgerlicher Konsens sein, sagte der Vorsitzende der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA), Dervis Hizarci. Antisemitismus sei kein jüdisch-muslimisches Problem, sondern betreffe alle, sagte Sergey Lagodinsky. Für ein erfolgreiches Bündnis dagegen brauche man die Menschen des Mainstreams. »Wenn die Zivilgesellschaft nicht aufsteht, dann können wird alle einpacken«, so Lagodinsky.

Mitglieder des Arbeitskreises sind zudem die Direktorin des American Jewish Committee (AJC), Deidre Berger, Juliane Wetzel vom Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin und die stellvertretende Direktorin der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Elke Gryglewski.  epd

Rechtsterrorismus

NSU-Unterstützerin Susann E. zu zwei Jahren Haft verurteilt

Im Prozess gegen Susann E. in Dresden ist das Urteil gesprochen. Weil sie der NSU-Terroristin Beate Zschäpe mit ihrem Ausweis und ihrer Krankenkassenkarte aushalf, wurde sie verurteilt. In Haft muss sich nicht.

 17.07.2026

Kommentar

Absage an Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat absolut richtig gehandelt

Nicht alles, was nicht justiziabel ist, muss auch gesendet werden. Schon gar nicht unverhohlene Aufrufe zur linksextremen Gewalt und Verherrlichung der »Hammerbande«-Terroristen

von Philipp Peyman Engel  17.07.2026

Frankfurt am Main

»Widerstand ist Völkerrecht«-Demo darf stattfinden

Laut Staatsanwaltschaft liegt trotz des Demo-Mottos »Palästina darf sich wehren, auch mit Steinen und mit Gewehren« keine Volksverhetzung vor

 17.07.2026

Mainz

»Mutlos«: »Anstalt« reagiert auf Ausladung von Danger Dan

Die Macher der Satiresendung kritisieren die Entscheidung des ZDF deutlich. Auch der Musiker selbst meldet sich nochmal zu Wort - es geht auch um das Thema Gewalt

 17.07.2026

Berlin

SPD-Arbeitskreis fordert Ende deutscher Blockade gegen EU-Kurs zu Israel

»Es ist nicht glaubwürdig, wenn deutsche Waffen dazu dienen, die humanitäre Katastrophe zu verlängern«, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner

 17.07.2026

Washington D.C.

Trump-Nachfolge: Juden wenden sich von Vance ab, setzen auf Rubio

Zu den Gründen für den Vertrauensverlust gehören Vorstöße Vances gegen israelische Regierungsvertreter. Rubio hingegen hat schon immer Unterstützung für Israel gezeigt

 17.07.2026

Reform

Die Rente ist sicher

Trotz Stimmungstief in Deutschland: Die Vorschläge der Alterssicherungskommission weisen in die richtige Richtung

von Ayala Goldmann  17.07.2026

TV

Danger Dan contra ZDF: Ein Songtext und seine Folgen

Die Satiresendung »Die Anstalt« beschäftigt sich mit Radikalisierung. Der Rapper Danger Dan, der sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus engagiert, sollte auftreten. Doch das ZDF lädt ihn aus

 17.07.2026

Budva

Israelis in Montenegro attackiert: Opfer berichtet von gebrochenem Kiefer

Einer der betroffenen Touristen: »Sie beschimpften uns, traten uns und warfen Stühle nach uns.«

 17.07.2026