Meinung

Antisemitismus: Alle sind gefordert

Uwe Becker Foto: dpa

Meinung

Antisemitismus: Alle sind gefordert

Das Engagement gegen Judenfeindlichkeit muss in erster Linie von denen kommen, die nicht Zielscheibe sind

von Uwe Becker  27.04.2018 15:40 Uhr

Im Jahre 73 nach Auschwitz feiert der Antisemitismus leider auch bei uns in Deutschland seine Rückkehr auf die Straßen und Plätze unserer Städte. Judenfeindlichkeit traut sich zunehmend, aus den Hinterzimmern unserer Gesellschaft wieder offen in die Mitte zu treten. Und jene Mitte der Gesellschaft läuft Gefahr, durch eine gefährliche Gewöhnung an antisemitische Stereotype dabei zuzusehen, wie sich die gesellschaftlichen Grenzlinien verschieben.

Im Bundestag ist eine Partei vertreten, die offen für eine Wende um 180 Grad in der Erinnerungskultur eintritt. Ein Musikpreis wird an Rapper verliehen, die mit antisemitischen Stereotypen Rekordverkaufszahlen erreichen. Und der Begriff »Jude« wird wieder als Schimpfwort gebraucht.

angriffe Da bedarf es nicht jener noch schlimmeren Angriffe auf Jüdinnen und Juden, um festzustellen, dass wir nicht mehr darüber sprechen müssen, wie wir den »Anfängen« wehren, sondern wie wir dem sich ausbreitenden Antisemitismus entschiedener entgegentreten.

Antisemitismus betrifft nicht alleine oder zuvorderst die jüdische Gemeinschaft. Er betrifft die gesamte Gesellschaft, weil er das Gift ist, welches das Fundament des gesellschaftlichen Miteinanders zerstört. Deshalb muss das Engagement gegen Judenfeindlichkeit auch zuvorderst von jenen kommen, die nicht ohnehin selbst Opfer oder Ziel von Antisemitismus sind.

Das Spektrum des Antisemitismus reicht heute vom rechtsradikalen Mob über den intellektuell verpackten Antizionismus, der den Umweg über die sogenannte Israelkritik wählt und dennoch beim Antisemitismus ankommt, bis zum kulturell importierten Judenhass. Wenn der Antisemitismus nicht in Springerstiefeln daherkommt, erkennen ihn viele nicht. Wer hinschaut, kann ihn jedoch identifizieren und ist aufgefordert zu handeln. Dies trifft auf den Staat genauso zu wie auf Vereine, Verbände, Kirchen, Gewerkschaften sowie jede und jeden Einzelnen.

Der Autor ist CDU-Politiker, Bürgermeister und Stadtkämmerer in Frankfurt/Main.

Reaktion

»Juden können sich in Berlin nicht mehr sicher fühlen, wenn Elif Eralp gewählt wird«

Bundesbildungsministerin Karin Prien warnt SPD und Grüne vor Regierung mit Linken

 24.09.2026

Berlin

Özdemir: »An die Linke muss derselbe Maßstab angelegt werden wie an die AfD«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Bündnis90/Die Grünen) hat seine Partei vor einer Regierungskoalition in Berlin mit der Linkspartei gewarnt. Als Grund nannte er antisemitische Tendenzen

 24.09.2026

Debatte

Hamburgs zweite Bürgermeisterin warnt vor Linken in Berlin

Katharina Fegebank (Grüne): »Eine Regierung, die abhängig ist von Antisemiten und Terrorunterstützern darf es in Deutschland niemals geben«

 24.09.2026

Berlin

»Diese Flut an Anschuldigungen zielt darauf ab, andere Meinungen zu unterdrücken und das internationale Völkerrecht auszuhöhlen«

Jüdische Aktivisten kritisieren den Umgang mit der von zahlreichen Antisemitismusvorfällen geprägten Linkspartei

 24.09.2026

Gedenkstunde

In Auschwitz geboren: Holocaust-Überlebende spricht im Bundestag

Angela Orosz-Richt wurde 1944 im NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau geboren. Im Januar wird sie in der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus im Deutschen Bundestag sprechen

 24.09.2026

München

Haft für mehrfach vorbestraften Holocaustleugner

Selbst im Gerichtssaal tätigte der Verurteilte weitere strafrechtlich relevante Äußerungen

 24.09.2026

Gespräch

Antisemitismusbeauftragter: Linke muss sich von Antisemiten trennen

Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter Andreas Büttner fordert von der Linken einen entschlosseneren Umgang mit Antisemitismus. Im Interview spricht der frühere Linken-Politiker darüber, was die Partei ändern müsse

 24.09.2026

Berlin-Wahl und ihre Folgen

Katherina Reiche: Linke-Regierung in Berlin gefährlich für Standort

Enteignungen und Judenhass seien für den Investitionsstandort Deutschland gefährlich, sagt die Bundeswirtschaftsministerin

 24.09.2026

Berlin

CDU bringt Verfassungsschutz-Prüfung der Linken ins Spiel

Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Alexander Throm, begründete seinen Vorstoß mit Verbindungen einzelner Linken-Politiker zur organisierten Kriminalität sowie mit Antisemitismus

 24.09.2026