UNESCO

Antisemitische Allianz

Der Har Habait, der Tempelberg in Jerusalem, wird von der UNESCO nur als »Al-Haram Al-Sharif und Umgebung« erwähnt. Foto: Flash 90

Die jüngsten Resolutionen der UNESCO sind nicht nur intellektuell, sondern auch politisch eine einzige Zumutung. Unter der Überschrift »besetztes Palästina« wird Juden jedes historische Anrecht auf den Tempelberg abgesprochen. Die jüdische Geschichte: ausgelöscht, konsequent bis in die Sprache. König Salomon hin, Herodes her.

Wenn im Text von der Klagemauer die Rede ist, dann nur in Anführungszeichen (»Western Wall«), der Begriff Tempelberg taucht gar nicht auf, dafür durchgängig, insgesamt 24 Mal, die arabische Bezeichnung Al-Haram Al-Sharif beziehungsweise Al-Aksa-Moschee. Ein schamloser antisemitischer Plot, der seinesgleichen sucht, eingefädelt von arabischen und muslimischen Staaten und mit nur wenigen Gegenstimmen abgesegnet.

Was Programmkommission, Exekutivrat und nun zuletzt auch noch das Welterbekomitee der UN-Kulturorganisation durchgewunken haben, erinnert an die bittere Anregung des ehemaligen israelischen Außenministers Abba Eban an die UN, sie möge doch gleich beschließen, dass die Erde keine Kugel sei, sondern eine Scheibe.

Morddrohungen Kurz sah es so aus, als ob zumindest der UNESCO-Exekutivrat zur Besinnung kommen und den Coup noch stoppen würde, aber am Ende setzte sich die antisemitische Allianz durch, obwohl selbst hochrangige UN-Vertreter entsetzt versuchten, das Schlimmste zu verhindern. Als Erste Irina Bokova selbst, die Generaldirektorin der UNESCO. Prompt wurde sie von palästinensischer Seite, seit 2011 selbst Mitglied des UN-Kulturvereins, angepöbelt, sie mache gemeinsame Sache mit Israel, und schließlich mit Morddrohungen eingedeckt.

Wenig später fand auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon die Sprache wieder und distanzierte sich in aller Form von dem neuen UN-Pamphlet. Der deutsche Botschafter Michael Worbs, immerhin Vorsitzender des UNESCO-Exekutivrats, trat sogar von seinem Amt zurück und versuchte, seinen Kollegen noch in die Arme zu fallen. Alles vergeblich.

Die Legende von der Himmelfahrt des Propheten vom Tempelberg wiegt schwerer als alle Zeugnisse jüdischen Glaubens davor. Auch die Zerstörung des Zweiten Tempels durch die Römer, der Triumphzug Titus’ mit den Schätzen aus dem jüdischen Allerheiligsten – alles ausradiert. Historische Säuberung, kulturelle Vernichtung im Namen der Kulturvertretung der Weltgemeinschaft.

Weltparlament Die Vereinten Nationen erlassen mit einer nahezu manischen Besessenheit eine Sanktion nach der anderen gegen den Judenstaat. Kein Wunder: Weniger als die Hälfte der in der UN vertretenen Länder ist demokratisch. Ein Großteil ist muslimisch und schmiedet mühelos Allianzen gegen Israel. Seit seiner Gründung 2006 hat allein der UN-Menschenrechtsrat 62 Resolutionen verabschiedet, die nur einen Staat betrafen, nämlich Israel, übrigens sieben mehr als gegen den gesamten Rest der Welt. Anders als ihr Ruf ist die Vollversammlung der Vereinten Nationen eben kein demokratisches Weltparlament, auch wenn die Entscheidungen mit Mehrheit gefällt werden.

Für die Palästinenser ist der neue UNESCO-Beschluss ein Bombenerfolg, nach einem ersten Anlauf im April dieses Jahres haben sie es nun endlich schwarz auf weiß: Der Tempelberg ist unser, ein krönender Abschluss der sogenannten »Al-Aksa-Intifada«. Nach 166 Messerangriffen, 108 Angriffen mit Schusswaffen und 48 mit Autos sowie über 40 Toten ist für sie der Kampf um den Tempelberg entschieden.

Eine späte Genugtuung für Jassir Arafat, der nicht müde wurde zu behaupten, einen jüdischen Tempel habe es nie gegeben. Vor wenigen Tagen bekräftigte der stellvertretende palästinensische Informationsminister gegenüber der Presseagentur AP diese »historische Erkenntnis« und sagte, es sei nur der Güte der Muslime zu verdanken, dass Juden überhaupt an die Klagemauer dürften.

Tempelberg In der Präambel der UNESCO heißt es: »Friede muss in der geistigen und moralischen Solidarität der Menschheit verankert werden.« Ein schöner Satz, allein er gilt nicht für Israel, das Schmuddelkind der Völkergemeinschaft. Dennoch, es bewegt sich etwas. Das tagelange Tauziehen um die Tempelberg-Resolution zeigt Risse in der antisemitischen Allianz.

Bei der unsäglichen Abstimmung in Paris haben sich neben Deutschland auch Großbritannien und die Niederlande nicht mehr vor den palästinensischen Karren spannen lassen. Ein bescheidener Erfolg, aber vielleicht ein Anfang. Die Mehrzahl der europäischen Länder im Exekutivrat dagegen hat gekniffen und die ungeheuerliche Vorlage passieren lassen.

Ironie der Geschichte: Als 1948 die Hurva-Synagoge in Ost-Jerusalem durch jordanische Truppen gesprengt wurde, prahlte der verantwortliche arabische Kommandeur: »Zum ersten Mal seit 1000 Jahren verbleibt kein einziger Jude im Jüdischen Viertel. Kein einziges Gebäude verbleibt intakt. Das macht eine Rückkehr der Juden unmöglich.« Schon damals schwieg die Weltgemeinschaft, einschließlich ihrer zwei Jahre zuvor gegründeten Kulturorganisation UNESCO.

Der Autor ist Journalist und Buchautor (»Israel ist an allem schuld«, mit Esther Schapira).

Soziale Medien

Plattform X verschärft Regeln für KI-Kriegsvideos

Bei Zuwiderhandlungen drohen Sanktionen. Von der Regelung ist allerdings nur ein Teil aller X-Nutzer betroffen

 04.03.2026

Nahost

Israel nutzte Verkehrskameras, um Schlag gegen Chamenei zu planen

»Wir kannten Teheran wie Jerusalem«, sagt ein israelischer Geheimdienstmitarbeiter

 04.03.2026

Meinung

Der Iran, der Krieg und das Völkerrecht

Das Völkerrecht soll Menschen schützen. Wenn es zum Selbstzweck erhoben und höher gewichtet wird, als die Schicksale der Entrechteten, verliert es seinen Sinn

von Tobias Kühn  04.03.2026

Washington D.C.

Militärbasen-Streit: Trump droht Spanien mit Handels-Embargo

»Wir wollen nichts mit Spanien zu tun haben«, sagt der Präsident, nachdem die spanische Regierung US-Streitkräften die Nutzung von Militärbasen verweigert

 04.03.2026

Washington D.C.

Friedrich Merz: Viele offene Fragen zur Zukunft des Iran nach Krieg

Seit Samstag gehen Israel und die USA militärisch gegen den Terror-Sponsor Iran vor. Wie es nach der Offensive mit dem Land weitergehen soll, ist nach den Worten des Bundeskanzlers weiter unklar

 04.03.2026

Teheran

Bericht: Chameneis Sohn gilt als Favorit für Irans oberstes Amt

Während oppositionelle iranische Kanäle und israelische Medien bereits von einer Festlegung sprechen, schweigen staatliche Stellen im Iran

 04.03.2026

Iran-Krieg

Länder starten Evakuierungsflüge

Zehntausende Ausländer halten sich im Nahen Osten auf. Der Konflikt spitzt sich dort zu. Spanien, Großbritannien und Polen reagieren auf die angespannte Sicherheitslage mit Rückholaktionen

 03.03.2026

Bundestag

AfD-Fraktion wirft Jan Wenzel Schmidt raus

Die Debatte über Vetternwirtschaft in der AfD hat erste ernste personelle Konsequenzen: Die Bundestagsfraktion hat den Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt ausgeschlossen

 03.03.2026

Skopje

NATO-Chef Rutte befürwortet Angriffe auf Iran

Mark Rutte ist deutlich: Der Iran als »Exporteur von Chaos« bedroht laut ihm nicht nur Israel. Auch zur Tötung des iranischen obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei hat er eine klare Meinung

 03.03.2026