RIAS-Jahresbericht

Anstieg bei antisemitischen Vorfällen

Foto: RIAS

Bei antisemitischen Vorfällen in Berlin war 2016 ein Anstieg um 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen. Das ergibt sich aus dem Jahresbericht der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS).

Insgesamt 470 Vorfälle wurden registriert. Darunter befinden sich 17 physische Angriffe, 18 Bedrohungen und über 50 Sachbeschädigungen sowohl gegen Juden als auch an Gedenkorten. Am häufigsten sind »Fälle verletzenden Verhaltens«, wie RIAS mitteilt. Dabei handelt es sich um Beschimpfungen, Diskriminierungen oder antisemitische Propaganda im Internet.

Dass mit den 470 von RIAS registrierten und ausgewerteten Fällen alle Vorkommnisse von Judenhass in Berlin bekannt sind, lässt sich nach den vorgelegten Zahlen nicht sagen. Ebenso ist unklar, ob es objektiv einen Anstieg des Antisemitismus gibt.

Der Projektleiter von RIAS, Benjamin Steinitz, sagt: »Dass uns 2016 erneut mehr antisemitische Vorkommnisse als im Vorjahr gemeldet wurden, besorgt mich zwar, ist aber auch auf die steigende Akzeptanz und Bekanntheit von RIAS innerhalb der jüdischen Gemeinschaften zurückzuführen.«

neukölln Das Gros der antisemitischen Vorkommnisse in Berlin ereignete sich nach den Erkenntnissen von RIAS im Bezirk Mitte, gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf und Kreuzberg-Friedrichshain. Das oft als Problembezirk bezeichnete Neukölln belegt in der RIAS-Rangliste Platz vier.

Während in Mitte, zu dem auch der von vielen Migranten bewohnte Stadtteil Wedding zählt, vier physische Angriffe verzeichnet wurden, erhielt RIAS aus Neukölln keine diesbezügliche Meldung. Aus Neukölln wurde auch nur eine Sachbeschädigung bekannt, während in Mitte mit 36 Fällen etwa zwei Drittel der Berliner Delikte gezählt wurde.

Zum Bezirk Mitte gehört auch der Stadtteil Moabit, und wie die dortige Initiative »Sie waren Nachbarn« mitteilte, wurden allein an einem fünf Meter langen Schild in der Ellen-Epstein-Straße, das an die Deportationen Berliner Juden im Nationalsozialismus erinnert, zehn Fälle von Vandalismus verzeichnet. »Seit unserer Gründung im Jahr 2011 haben wir immer wieder antisemitische Beleidigungen und Sachbeschädigungen erfahren«, teilt die Initiative mit. »Im Jahr 2016 erlebten wir das häufiger als zuvor.«

Die Besonderheit des 2015 gegründeten Rechercheprojekts RIAS ist es, dass hier auch solche Fälle von Antisemitismus erfasst werden, die juristisch kaum behandelt werden. Darunter fallen gerade Beleidigungen oder viele Formen der Internetpropaganda.

Dunkelbereich Dirk Behrendt, der Berliner Senator für Justiz und Antidiskriminierung, lobt das Projekt entsprechend: »Zum Kampf gegen Antisemitismus gehört es zunächst, diesen zu erkennen und zu erfassen. RIAS bringt Licht in einen Dunkelbereich antisemitischen Alltags in Deutschland und zeigt, wie wichtig eine unabhängige, zivilgesellschaftliche Beobachtung antisemitischer Vorfälle ist.« Behrendt sieht RIAS »auch bundesweit als Vorbild«.

Unterstützung erhält RIAS auch vom Zentralrat der Juden in Deutschland. Dessen Präsident Josef Schuster sagte, dass schon schnell deutlich wurde, »wie wichtig die Arbeit von RIAS ist«. Es böte die Möglichkeit, auf unbürokratische und schnelle Weise antisemitische Vorfälle zu melden. »Die Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft und jüdischen Organisationen ermöglicht ein detaillierteres Monitoring und eine exaktere Problembeschreibung«, sagte Schuster. »Wir hoffen, dass diese Arbeit dazu beiträgt, erfolgreicher als bisher gegen die Bedrohung vorzugehen, die Antisemitismus für die Gesamtgesellschaft darstellt.«

www.twitter.com/Report_Antisem
www.facebook.com/AntisemitismusRechercheBerlin

Debatte um Erklärung

Hickhack bei Rot-Grün-Rot: Das steht in den Antisemitismus-Papieren

Die Berliner Regierungsbildung stockt, nachdem die Linke im Abgeordnetenhaus ein eigenes Papier zum Kampf gegen Antisemitismus gebilligt hat. Wo sich die zwei Erklärungen unterscheiden

 14.10.2026

Umfrage

66 Prozent der Unionswähler für Prüfung von AfD-Verbot

Eine Campact-Umfrage zeigt, dass die Wähler der Unionsparteien mehrheitlich für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens sind. Auch eine Koalition mit der AfD wird von Anhängern der Mitte-Parteien deutlich abgelehnt

 14.10.2026

Sachsen-Anhalt

Eine Woche voller Eklats

Nach der Wahl des Landtagspräsidiums bröckelt die »Brandmauer« in der CDU weiter. Das Gedenken in Halle bot einen Vorgeschmack auf ein Land unter AfD-Regierung

von André Anchuelo  14.10.2026

Ministerpräsident Sven Schulze (CDU)

Landtag von Sachsen-Anhalt

Ministerpräsidenten-Wahl: CDU will im dritten Wahlgang im Plenarsaal sein

Bei der Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt will die CDU den Plenarsaal zunächst verlassen. Für einen möglichen dritten Wahlgang kündigt Fraktionschef Sven Schulze ein anderes Vorgehen an. AfD und BSW beschließen derweil einen Antrag zur Ukraine

 14.10.2026

Berlin

»Eine gute Wahl«: Bundesregierung ernennt von Schnurbein zur Beauftragten für jüdisches Leben

Die 52-jährige EU-Beamtin ist am Mittwoch offiziell zur Nachfolgerin von Felix Klein bestellt worden. Aus den jüdischen Verbänden und Gemeinden kamen unisono positive Reaktionen

von Michael Thaidigsmann  14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Banaszak: Emdes Fraktions-Aus war Grundlage für Sondierungen

Die Grünen-Landesvorsitzende Stahr betont hingegen, dass ihre Partei weiter »am Tisch sitzt« und auf eine Erklärung der Linken wartet

 14.10.2026

Regierungsbildung in Berlin

Schwerdtner bedauert Gesprächspause in Berlin

Die Gespräche über eine rot-grün-rote Regierung in Berlin liegen auf Eis. Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner hält die Erklärung ihrer Fraktion zu Antisemitismus dennoch für ausreichend

 14.10.2026

Berlin

Julia Klöckner: AfD-Verbotsverfahren nicht »aus dem Bauch heraus starten«

Die CDU-Bundestagspräsidentin warnt davor, die Rechtsaußen-Partei zum »Märtyrer« zu machen

 14.10.2026

Unterbrochene Sondierungen

Berliner CDU an Grüne und SPD: »Hand ist ausgestreckt«

Die Regierungsbildung zwischen Linken, Grünen und SPD in Berlin stockt. Nach der überraschenden Unterbrechung der Sondierungen meldet sich ein Wahlverlierer zu Wort

 14.10.2026