Syrien

Angst vor zweitem Gaza

Österreich zieht seine UN-Soldaten ab, weil die Situation auf dem Golan schwieriger wird. Foto: Reuters

Diana Frankenthal sitzt »auf gepackten Koffern« – so beschreibt die deutschstämmige Argentinierin ihr Lebensgefühl: Sie wohnt im Kibbuz Merom Golan, der auf den Golanhöhen an der Grenze zu Syrien und der syrischen Stadt Kuneitra liegt. Es ist eine gediegene Anlage mit Bungalows für Bewohner und schmucken Holzhäusern für Feriengäste. Auch Getreide und Früchte werden angebaut, zudem Kühe und Hühner gezüchtet. Doch trotz der seit Jahrzehnten anhaltenden Ruhe sagt sie, dass »es für die Menschen hier keine sichere Zukunft gibt«.

front Syriens Präsident Baschar al‐Assad hat am Montag Israel offen damit gedroht, auf den Golanhöhen eine Front zu eröffnen. Er ziehe das ernsthaft in Erwägung, zitierte eine libanesische Zeitung den 47‐Jährigen aus einem Gespräch mit oppositionellen Kräften in Jordanien. Er plane von dem Waffenstillstandsgebiet aus andauernde und organisierte Attacken gegen Israel – ähnlich denen der Hisbollah im Südlibanon. Dabei werde es sich keineswegs »nur um einzelne Geschosse« handeln.

Israels Premier Benjamin Netanjahu reagierte auf Assads Worte. »Jeder, der uns verletzen will, wird von uns verletzt«, sagte er vor den Mitgliedern des Verteidigungsausschusses der Knesset. Angesichts dieser Entwicklung werde man mit großer Bestimmtheit agieren.

Hinter dieser klaren Ansage herrschen jedoch zwiespältige Gefühle. Denn Israel weiß bislang nicht, wie es mit der Situation an der eigenen Grenze umgehen soll: Sollte Assad stürzen, wäre zwar die Achse Iran‐Assad‐Hisbollah zerbrochen. Aber ein Sieg der Aufständischen könnte radikale Islamisten an die Macht bringen. »Unsere große Sorge ist, dass wir auf dem Golan eine Situation wie im Gazastreifen bekommen: religiös motivierte Psychopathen, die von Syrien aus unsere Zivilisten mit Raketen beschießen«, sagte ein Geheimdienstoffizier israelischen Medien.

gefechte Bisher will sich Israel zwar nicht in den Konflikt hineinziehen lassen und hat auf einzelne Raketen aus Syrien gelassen reagiert, aber seit den heftigen Gefechten vergangene Woche um Kuneitra ist die Lage angespannter als je zuvor. Dabei spielt auch der Einsatz der UN‐Beobachtertruppen UNDOF eine wichtige Rolle.

Denn die Zukunft der UN‐Mission auf den Golanhöhen ist seit vergangenem Donnerstag unsicher. Nachdem die Auseinandersetzungen dort zwischen syrischen Regierungstruppen und Rebellen zuletzt immer heftiger ausfielen und zwei philippinische UN‐Soldaten leicht verletzt wurden, begann Österreich am Dienstag mit dem Abzug von rund 380 Blauhelm‐Soldaten. Seit 1974 haben diese auf den Golanhöhen verlaufende Waffenstillstandslinie zwischen Israel und Syrien bewacht. Die Regierung in Wien nannte die Gefährdung der Soldaten als Grund für den Rückzug und bezeichnete die Situation der UN‐Mission UNDOF im Golan als »inakzeptabel«.

putin Nun suchen die UN nach Ersatz, denn ohne die Österreicher ist die Mission gefährdet. Das Angebot des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Blauhelm‐Soldaten aus Russland zu entsenden, lehnen sie jedoch ab. Als eines der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats dürfe sich Russland nicht an den UN‐Friedensmissionen beteiligen, erklärte ein Sprecher. Israel hatte die Entscheidung der Österreicher zunächst kritisiert. »Kaum wird es ein bisschen ungemütlich, machen die sich vom Acker. Das ist wirklich unglaublich«, sagte ein israelischer Offizier im Rundfunk.

Trotzdem hofft die Regierung auf eine weitere UN‐Präsenz. »Wir wissen den langjährigen Beitrag Österreichs und seine Verpflichtung zum Schutz des Friedens in Nahost zu schätzen«, relativierte der Sprecher des Außenministeriums, Jigal Palmor, die Äußerung des Offiziers. Israel erwarte, dass die UN den Waffenstillstand auch weiterhin überwachen werden. Der UN‐Sicherheitsrat will bald die Fortsetzung der Mission beschließen.

Das wird wohl auch im Sinne der 600 Bewohner von Merom Golan sein. Vor allem der örtliche Tourismusmanager will eine schnelle Rückkehr zur Normalität: Er möchte die Touristen nicht verlieren. Diana Frankenthal hingegen findet keine Ruhe: »Es widerspricht dem Leben eines Landwirts, wenn er nicht weiß, ob er die Früchte seiner Saat auch ernten kann.«

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