Antisemitismus

Angriff bei BAK-Shalom-Gründung

Die Bergische Universität in Wuppertal Foto: dpa

Unstrittig passiert ist dies: Am Freitag, den 11. Juli, wollte sich in den Räumen des AStA der Wuppertaler Universität eine nordrhein-westfälische Gliederung des BAK Shalom in der Jugendorganisation der Linkspartei gründen.

Als die neun bis zehn jungen Leute über das Universitätsgelände gingen, wurden sie von fünf jungen Männern bedroht und angegriffen: Es gab Schläge ins Gesicht, von leichten Verletzungen ist die Rede, und verbürgt ist auch, dass einer der israelfreundlichen Nachwuchs-Linken eine Kippa trug. »Warum trägst du eine Kippa? Bist du Jude? Bist du Jude?«, sollen die Angreifer gerufen haben. Der Attackierte bejahte dies – und dafür erhielt er die Antwort: »Dann ist okay.«

gerüchte Seither halten sich Gerüchte, dass die Schläger im Auftrag oder zumindest mit Wissen des als antizionistisch geltenden »Landessprecher*innenrates der Linksjugend (solid) NRW«, so die als LSPR abgekürzte Eigenbezeichnung, gehandelt haben sollen. Martin Niewendick, Mitglied der Linksjugend, war dabei und wollte den Shalom-Arbeitskreis mitgründen. Er sagt: »Die wollten auf jeden Fall den Eindruck vermeiden, dass sie etwas gegen Juden hätten.«

Gerade die Frage an den jungen Mann mit Kippa wertet Niewendick als Indiz, dass sich die Schläger als links verstehen. Außerdem seien ja Vertreter des LSPR plötzlich in Wuppertal aufgetaucht, kurz nach dem Überfall. Und vorher hätten diese fünf kräftige junge Männer, dem Aussehen nach vielleicht türkischer Herkunft, begrüßt.

screenshots
Mittlerweile kursieren auch Screenshots einer Facebook-Seite, auf der der öffentliche Aufruf zur Gründung eines BAK Shalom NRW zumindest zweideutig kommentiert wird. Eine Userin notierte dort: »Wir sollten die Veranstaltung ein bisschen aufmischen« und setzte dahinter einen Smiley. Eine weitere Userin schlägt ernsthaft vor, Gruppen wie »Young Struggle« oder »Rote Antifa« zu verständigen – was bei Teilen der israelsolidarischen Linken wie die Drohung mit einem Schlägertrupp wirkt.

»Wir wollten die Gründung mitverfolgen«, sagt Gamze Özdemir, die im LSPR tätig ist und auch in Wuppertal dabei war. »Die Gewalttat habe ich persönlich nicht mitbekommen und nicht daran mitgewirkt«, sagt sie. Was genau passiert ist, könne sie nicht genau einschätzen, offene Verletzungen seien nicht zu sehen gewesen. Und das Gründungstreffen habe ja dann auch stattgefunden. Auf jeden Fall legt Özdemir Wert auf die Feststellung, dass sie und die anderen anwesenden LSPR-Mitglieder sich sofort distanziert haben.

polizei Niewendick berichtet, man habe die Polizei nicht gerufen. »Das ist in linken Kreisen nicht opportun.« Und bei dem anschließenden Treffen hätten Özdemir und andere klar erklärt, dass sie eine Gründung des Arbeitskreises verhindern wollten. Letztlich ging es auch nicht mehr darum, dass sich ein Landesarbeitskreis formiert hat, sondern etwas, das sich »BAK AG Shalom NRW« nennt, eine Art Filiale des bundesweiten BAK Shalom, der innerhalb der Linkspartei für eine israelfreundliche Politik streitet. Für einen LAK hätte es die Zustimmung der LSPR benötigt, und die sei nicht in Sicht gewesen.

Der nordrhein-westfälische Teil der Linksjugend (solid) gehört in der Tat zu den Kräften, die man antizionistisch nennt. Im Mai erst hatte der LSPR in einer Pressemitteilung gefordert, dass Israel sich für die sogenannte Nakba »bei der palästinensischen Bevölkerung entschuldigt und Wiedergutmachung leistet«.

Zustände Bleibt das Gerücht, der LSPR stünde in irgendeinem Zusammenhang mit der körperlichen Attacke. Beweise oder Zeugen dafür gibt es nicht. Und Kenner der Zustände in der nordrhein-westfälischen Linkspartei und ihrer Jugendorganisationen halten das für mehr als unwahrscheinlich. Kolportiert wird auch, dass einer der Angreifer sich selbst als »rassistischen Türken« bezeichnet haben soll, was nicht gerade für linke Provenienz spricht.

In jedem Fall ist die Linksjugend aufgeschreckt. In einer Erklärung, die der LSPR verfasste, wird die Attacke verurteilt. »Auch wenn wir selbst massive inhaltliche Differenzen mit den Positionen des BAK Shalom haben, lehnen wir Gewalt als Mittel zur Durchsetzung eigener politischer Vorstellungen kategorisch ab.«

Alarmiert zeigen sich die Nachwuchspolitiker davon, »dass Personen aus unserem Verband die Angreifer*innen kennen sollen und sie kurz zuvor auf dem Campus getroffen haben«. Sollte sich dies bestätigen, dann wird, so ist zu erfahren, geprüft, ob es zu Ausschlussverfahren aus der Linksjugend kommen soll.

Washington D.C.

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