Ostwestfalen

Amtsblatt in Braun

Preußisch Oldendorf im Kreis Minden-Lübbecke will sich als attraktive Kleinstadt präsentieren. Dafür gibt der Ort monatlich ein aufwendig gestaltetes Stadtmagazin heraus.

In dem Amtsblatt geht es um die Aktivitäten der örtlichen Vereine, wichtige Termine, amtliche Bekanntmachungen. Herausgegeben wird der »Preußisch Oldendorfer Rundblick« allerdings von der »Kölle-Druck«, die dem rechtsextremen Verleger Rainer Höke gehört. Seit 2001 produziert Höke das Amtsblatt.

waffen-ss Neben seiner Druckerei »Kölle-Druck« leitet der 61-Jährige im Ort auch die »Deutsche Verlagsgesellschaft« (DVG), die seit Jahrzehnten Literatur alter und neuer Nazis herausgibt. Erhältlich sind die Bücher aus Preußisch Oldendorf über den rechtsextremen Winkelried-Verlag und den daran angeschlossenen »Deutschen Buchdienst« in Dresden. Im aktuell lieferbaren Verlagsprogramm finden sich Titel wie Kriegsschuldfrage der beiden Weltkriege. Auch der Neonazi Andreas Thierry, der ehemalige NPD-Abgeordnete Jürgen Gansel und der verstorbene NPD-Gründer Adolf von Thadden zählen zu den Autoren. Das Werk Die Armee der Geächteten, in dem der ehemalige SS-General Felix M. Steiner die Waffen-SS glorifiziert, erfuhr noch 2013 eine Neuauflage.

Spricht man mit Oldendorfern, wissen die meisten von den rechten Ansichten des Druckereibetreibers. Nicht nur Rainer Höke, sondern auch dessen Vater war in der rechtsextremen Szene aktiv. Der einstige SS-Untersturmführer Erwin Höke übergab den Betrieb 1993 an seinen Sohn. Zwei Jahre später verurteilte das Landgericht Dortmund Höke Junior, weil bei »Kölle-Druck« rund 3000 Exemplare einer antisemitischen Zeitschrift gefunden worden waren.

Höke ist über seine Verlagstätigkeit hinaus in der rechten Szene aktiv. Der 61-Jährige ist seit zwei Jahren Funktionär einer Vereinigung, die die deutsche Geschichte umdeuten will und als rechtsextrem gilt. Im Verein »Kultur- und Zeitgeschichte – Archiv der Zeit e.V.« bekleidet Höke das Amt des Schatzmeisters, sein Vorsitzender Martin Pfeiffer führt gleichzeitig die »Gesellschaft für freie Publizistik« an, laut Verfassungsschutz die »größte rechtsextreme Kulturvereinigung in Deutschland«.

neonazi-literatur In Preußisch Oldendorf ist spätestens seit 1994 bekannt, dass hier auch Neonazi-Literatur hergestellt wird. Damals gab es Proteste gegen Hökes Druckerei. Nur der Bürgermeister will von den rechtsextremen Aktivitäten des Druckereibetreibers nichts mitbekommen haben, wie er den WDR wissen ließ. Er wolle zunächst prüfen, was an den Vorwürfen dran ist.

Matitjahu Kellig, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold, glaubt nicht daran, dass die Verantwortlichen von Hökes Tätigkeit nichts wussten. »Man wollte vielleicht nichts sehen«, vermutet er. Dass eine Stadtverwaltung mit einem Rechtsextremisten zusammenarbeitet, ärgert Kellig. Das berge die Gefahr, dass rechtsextremes Gedankengut zur Normalität werde. In Zeiten zunehmender AfD-Erfolge müsse man aufmerksam sein.

Ausgerechnet ein Buch über das jüdische Leben im Ort ließ die Stadt auch bei »Kölle-Druck« herstellen. Dieses jüdische Leben fand mit der Schoa ein jähes Ende, nur fünf Juden aus Preußisch Oldendorf überlebten. Ein Grußwort zu dem Buch hatte Harald Scheurenberg, bis vor Kurzem Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Minden, beigesteuert. Von dem politischen Hintergrund des Druckereibetreibers wusste er nichts, sagt er, sonst hätte er versucht zu intervenieren.

broschüren Nach Recherchen der Jüdischen Allgemeinen hat sogar eine Bundesbehörde Aufträge an die Druckerei Hökes vergeben. Die dem Wirtschaftsministerium untergeordnete Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ließ mindestens bis 2013 mehrere Broschüren dort drucken. Seit 2002 erhielt »Kölle-Druck« fünf bis sechs Prozent der gesamten Druckaufträge der Behörde. Um wie viel Geld es dabei geht, wollte Sprecher Andreas Beuge nicht verraten. Bis zur Anfrage dieser Zeitung lagen der Behörde keine Hinweise auf die rechtsextremen Aktivitäten des Druckereibetreibers vor, so Beuge.

Schützenhilfe bekommt Höke derweil von der Neonazi-Partei »Die Rechte«, die sich mit dem »politisch nonkonformen Verleger« solidarisiert. Weil Matitjahu Kellig die Stadt dazu aufgefordert hat, die Zusammenarbeit mit dem Verleger einzustellen, empört sich »Die Rechte« über den »Einfluss jüdischer Lobbyorganisationen auf die deutsche Politik« und beleidigt den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold. Kellig erstattete Anzeige, die Polizei ermittelt.

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