Canberra

Albanese kündigt schärfere Gesetze gegen antisemitischen Hass an

Primierminister Anthony Albanese Foto: picture alliance / REUTERS

Nach dem antisemitischen Massaker von Bondi Beach mit 15 Todesopfern will die australische Regierung die Gesetze gegen Hassrede deutlich verschärfen. Premierminister Anthony Albanese kündigte nach einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats umfassende Reformen an und räumte zugleich ein, dass seine Regierung vor der Tat nicht alles getan habe, was möglich gewesen wäre.

Kern der geplanten Maßnahmen sind neue Straftatbestände im Bundesrecht, die sich gezielt gegen Prediger und andere Akteure richten sollen, die zu Gewalt aufrufen oder schwerwiegende Hetze verbreiten. Vorgesehen sind unter anderem Delikte der »verschärften Hassrede«, höhere Strafrahmen bei Gewaltaufrufen sowie die Berücksichtigung von Hassmotiven als strafverschärfender Umstand – insbesondere bei Online-Drohungen und gezielter Einschüchterung.

»Regierungen sind nicht perfekt, ich bin nicht perfekt«, sagte Albanese am Donnerstag in Canberra. »Jeder in meiner Position würde bedauern, nicht mehr getan zu haben. Aber jetzt geht es darum, nach vorne zu schauen.« Zugleich betonte er: »Es ist klar, dass wir mehr tun müssen, viel mehr, um dieses Übel zu bekämpfen.«

Empfehlungen des Antisemitismus-Beauftragten übernommen

Der Premier erklärte, seine Regierung unterstütze die Empfehlungen der Antisemitismus-Beauftragten Jillian Segal »vollumfänglich« und beginne mit der schrittweisen Umsetzung. Segal hatte der Regierung bereits vor rund sechs Monaten einen 13-Punkte-Plan vorgelegt, dessen schleppende Umsetzung zuletzt scharf kritisiert worden war. Die nun angekündigten Schritte bezeichnete sie als »überfällig«, zugleich aber als wichtigen nächsten Schritt, um Grundlagen für die Zukunft des Landes zu schaffen.

Lesen Sie auch

Geplant sind außerdem neue Befugnisse für den Innenminister, Visa von Personen zu verweigern oder zu entziehen, die Hass und Spaltung verbreiten. Darüber hinaus soll eine Taskforce eingerichtet werden, die sicherstellen soll, dass Schulen antisemitische Vorfälle erkennen, thematisieren und angemessen darauf reagieren. Geleitet wird das Gremium von dem Wirtschaftsexperten David Gonski. Auch verbindliche Bildungsinhalte zu Holocaust und Antisemitismus stehen zur Debatte.

Albanese steht seit Tagen unter Druck aus der jüdischen Gemeinschaft und aus der Opposition, die der Regierung vorwirft, Warnsignale ignoriert zu haben. Zwar hatte die Regierung bereits im Februar das Bundesrecht gegen Hassrede verschärft, eine strafbare Volksverhetzung jedoch nicht ausdrücklich verboten. Nach dem Anschlag hatte Canberra zunächst eine weitere Verschärfung der ohnehin strengen Waffengesetze in Aussicht gestellt – Kritiker monierten jedoch, dies greife am Kern des Problems vorbei.

Grenzen der Meinungsfreiheit

Innenminister Tony Burke erklärte, zu lange hätten Personen und Organisationen die Grenzen der Meinungsfreiheit ausgereizt, ohne strafrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. »Wir senken jetzt die Schwelle«, sagte er. »Es gibt keinen Platz für Organisationen, deren Ziel es ist, Australien oder andere Australier zu hassen.«

Oppositionsführerin Sussan Ley forderte Albanese auf, das Parlament kurzfristig einzuberufen, um die Maßnahmen rasch auf den Weg zu bringen. Der Premier zeigte sich dafür offen, betonte jedoch, er wolle zuvor breite parteiübergreifende Unterstützung sichern. Auch der Premier von New South Wales, Chris Minns, kündigte an, das Landesparlament noch vor den christlichen Feiertagen einzuberufen, um dringende Gesetzesänderungen – insbesondere im Waffenrecht – zu beschließen.

Mit Blick auf die gesellschaftlichen Spannungen sagte Albanese, ihn habe die Sprache auf einigen Demonstrationen nach dem Anschlag beunruhigt. »Wer nach Australien kommt, lässt alte Feindschaften an der Tür zurück«, erklärte er. »Unsere Vielfalt ist eine Stärke – und genau das erwarten die Australierinnen und Australier.« im

London

»Ihm gefiel die Angst«: Frauen berichten von Epstein-Skandal

Über Jahre betrieb Jeffrey Epstein einen Missbrauchsring mit einer hohen Zahl an Opfern. In einem Fernsehinterview berichten fünf Frauen von ihren schlimmen Erfahrungen

 25.03.2026

Meinung

EU-Parlament: Fällt die Brandmauer?

Nach einem Medienbericht haben sich Vertreter der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament mit rechtsextremen Kräften zur Migrationspolitik abgestimmt. Diese Enthüllung wirft viele Fragen auf

 25.03.2026

Krieg gegen Iran

Hoffnung auf Verhandlungen

Raketenalarm in Tel Aviv, Angriffe auf Teheran: Trotz neuer Vermittlungsversuche und Forderungen an den Iran bleibt eine schnelle Waffenruhe wohl unwahrscheinlich

 25.03.2026

Berlin

Kurdische Gemeinde zeichnet Ron Prosor aus

Der israelische Botschafter wurde beim Neujahrsfest für sein Engagement für die kurdische Gemeinschaft ausgezeichnet

 25.03.2026

London

Nach Brandanschlag: König Charles übernimmt Schirmherrschaft für jüdische Sicherheitsorganisation

Das Engagement des Monarchen für »Toleranz, Inklusion und interreligiöses Verständnis« passe eng zur Arbeit des Community Security Trust, so die Organisation

 25.03.2026

Kassel

Schmerzensgeld-Klage nach Antisemitismus auf documenta

Vor Gericht kam es zu keiner Einigung – wie geht es nun weiter?

 25.03.2026

Dokumentation

»Dieser Krieg ist nach meinem Dafürhalten völkerrechtswidrig«

Bundespräsident Steinmeier verurteilte im Auswärtigen Amt den Krieg Israels und der USA. Wir dokumentieren seine Rede

von Frank-Walter Steinmeier  25.03.2026

Meinung

Rheinland-Pfalz: Ein Wahlergebnis, das beunruhigt

Bei den Landtagswahlen schnitten AfD und Linkspartei bei den unter 25-Jährigen am besten ab. Für viele junge Jüdinnen und Juden ist das eine besorgniserregende Entwicklung

 25.03.2026

Gastkommentar

Wir stellen uns hinter Gregor Gysi

Der Politiker wird wegen Aussagen zur Israelfeindlichkeit in seiner Partei aus den eigenen Reihen angefeindet. Zwei Grünen-Bundestagsabgeordnete kritisieren das als Hetzkampagne autoritärer Strömungen in der Linken

von Marlene Schönberger, Max Lucks  25.03.2026