Rückblende

1975: Tod der Schauspielerin Therese Giehse

Als die Deutsche Bundespost 1988 einen neuen Standardbriefmarkensatz herausgab, wurde das Antlitz von Therese Giehse dazu auserkoren, die besonders häufig verkaufte 1-DM-Ausgabe zu schmücken. Dadurch wurde die Münchner Schauspielerin wahrscheinlich einem größeren Publikum bekannt als durch sämtliche Theaterstücke und Filme, in denen sie gespielt hatte.

Dabei gehörte »die Giehse« eigentlich zu den bekanntesten Gesichtern auf den deutschsprachigen Bühnen des wechselvollen 20. Jahrhunderts. Geboren am 6. März 1898 als Tochter des Münchner Kaufmanns Salomon Gift und seiner Frau Gertrude, war sie bereits vor 1933 ein Star auf deutschen Bühnen. Ihre Mutter hatte ihr zwar heftig abgeraten, Schauspielerin zu werden – sie sei doch »überhaupt nicht schön«. Seit 1926 war Giehse dennoch festes und beliebtes Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele unter der Leitung von Otto Falckenberg. Entscheidend für ihre spätere Karriere wurde ihre Begegnung mit Bertolt Brecht, als sie 1929 die Celia Peachum in dessen Dreigroschenoper spielte.

Mutter Courage 1933 ging Therese Giehse mit Erika Mann, mit der sie mehr als nur das gemeinsame Bühnenengagement in dem wenige Wochen vorher gegründeten literarischen Kabarett »Die Pfeffermühle« verband, ins Zürcher Exil. Dort hatte sie große Erfolge am Schauspielhaus und gab bei der Uraufführung von Brechts Mutter Courage 1941 erstmals die Rolle, für die sie später immer wieder gefeiert werden sollte. Als Giehse nach dem Krieg – zunächst vorübergehend, ab 1954 ständig – in ihre Geburtsstadt München zurückkehrte, spielte sie auch hier die Mutter Courage in der Neuinszenierung an den Kammerspielen.

Therese Giehse fand in München andere emigrierte Kollegen vor. Da Schauspieler mehr als die meisten anderen Berufsgruppen von der Sprache abhängig waren, kehrten sie nach dem Krieg in verhältnismäßig hoher Zahl aus dem Exil nach Deutschland zurück. Insbesondere die Münchner Kammerspiele zogen eine Reihe jüdischer Akteure an. Neben Therese Giehse wirkten hier Harry Buckwitz und Kurt Hurwitz sowie Fritz Kortner mit zahlreichen Inszenierungen. Der aus Ungarn stammende Ivan Nagel war von 1960 bis 1969 Chefdramaturg.

Therese Giehse sprach nicht gerne über sich selbst oder ihre Schauspielerei. Bekannt wurde ihr Spruch: »Ich hab doch nichts zum Sagen.« Doch schien sie auch ohne Worte noch nach ihrem Tod am 3. März 1975 hinaus noch eine gewisse Wirkung auf ihre Kollegen gehabt zu haben. Während er bei der Trauerfeier für seine langjährige Kollegin eine Gedenkrede hielt, brach der Schauspieler Paul Verhoeven zusammen und starb an Herzversagen.

Nahost

US-Militär meldet Angriffe auf Ziele im Iran

USA reagieren auf Beschuss von Schiffen in der Straße von Hormus

 08.07.2026 Aktualisiert

Interview

»Ich würde gerne mit Benjamin Netanjahu sprechen«

Der umstrittene Podcaster Ben Berndt schreibt Mediengeschichte. Sein YouTube-Format »Ungeskriptet« erreicht Millionen. Ein Gespräch

von Sven Gösmann, Stella Venohr  07.07.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Deutschland verfünffacht Beitrag für Yad Vashem

Die Gedenkstätte Yad Vashem in Israel erinnert an die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden. Die Bundesrepublik will sich künftig verstärkt an der Finanzierung beteiligen

 07.07.2026

Nahost

Schon wieder Tanker in der Straße von Hormus beschossen

Viele Details gibt es zunächst nicht. Klar ist: Normal befahrbar ist die Straße von Hormus noch immer nicht

 07.07.2026

Berlin

Antisemitischer Pöbler soll radikaler Palästina-Aktivist sein

Am Samstag beschimpfte ein Mann ein Pärchen mit Kind mit den Worten »Fuck Jews«. Jetzt stellt sich heraus: Der Täter hat eine politisch bewegte Vergangenheit

 07.07.2026

Frankreich

Präsidentschaftskandidatin mit Fußfessel?

Ein Gericht hat die Gründerin des Rassemblement National wegen massiver Veruntreuung von EU-Geldern verurteilt. Sich für die Nachfolge von Emmanuel Macron bewerben darf Marine Le Pen dennoch - mit einer wichtigen Einschränkung

 07.07.2026

Schweiz

Ein Jahr Gefängnis für jugendlichen Täter

Der Schweizer mit tunesischen Wurzeln hatte am 2. März 2024 auf der Straße einen orthodoxen Juden niedergestochen. Am Dienstag wurde der 17-Jährige verurteilt

von Nicole Dreyfus  07.07.2026

Straßburg

Parteienfamilie der AfD auf EU-Ebene kommt auf den Prüfstand

Die rechte Parteienfamilie Europa der souveränen Nationen (ESN) steht im Visier der Aufsichtsbehörde. Es geht um mögliche Verstöße gegen Kernwerte der EU. Auf dem Spiel stehen Fördermittel

von Valeria Nickel  07.07.2026

Syrien

Damaskus: Explosionen in der Nähe von Macrons Hotel

Der französische Präsident Emmanuel Macron ist aktuell zu einem Besuch in Syrien. Zum Zeitpunkt der Detonationen traf er sich gerade mit dem Präsidenten Ahmed al-Scharaa

 07.07.2026