Kommentar

Wenn »schwarz auf weiß« nicht mehr genügt

In vielen Leitmedien wie ARD und ZDF, »Spiegel«, »Zeit« und »Focus« sind antiisraelische Narrative leider keine Ausnahme. Foto: picture alliance / SVEN SIMON

Als ich ein Kind war, hatten gedruckte Worte eine besondere Autorität. »Schwarz auf weiß« bedeutete Verlässlichkeit. Was in der Zeitung stand, war geprüft, sachlich und – so glaubte ich – frei von Interessen. Später übertrug sich dieses Vertrauen auch auf das Fernsehen. Bilder und Berichte galten als Spiegel der Wirklichkeit. Man konnte glauben, was man sah und hörte.

Heute ist dieses Vertrauen vielerorts erschüttert. Medien sind längst nicht mehr nur neutrale Beobachter politischer Prozesse, sondern zunehmend selbst Akteure geworden. Dabei geht es nicht immer um offene Manipulation, sondern oft um subtilere Formen der Einflussnahme: Auswahl, Gewichtung und Präsentation von Informationen.

Ein zentrales Problem liegt im sogenannten »Framing«. Nachrichten werden nicht nur vermittelt, sondern eingeordnet – und diese Einordnung folgt nicht selten bestimmten politischen oder ideologischen Perspektiven. Dies zeigt sich etwa darin, welche Themen besonders häufig gesendet werden und welche kaum Beachtung finden. Ebenso entscheidend ist, was weggelassen wird. Denn auch das Verschweigen ist eine Form der Einflussnahme.

Dominierende Perspektiven

Ein Beispiel, das diese Entwicklung besonders deutlich macht, ist die Berichterstattung über den Gazakonflikt. Die grausamen Ereignisse des 7. Oktober 2023 in Israel – bei denen rund 1200 Menschen getötet, Frauen brutal misshandelt und Kinder ermordet wurden – waren zwar präsent, doch vielfach nur kurzzeitig im Fokus. Das Leid der Geiseln, ihre Folter, Vergewaltigung und Ermordung in Gefangenschaft, verschwand vergleichsweise schnell aus der täglichen Berichterstattung.

Im Kontrast dazu stand die intensive und langanhaltende Darstellung des Leids in Gaza, nachdem Israel militärisch reagierte. Über Monate und Jahre hinweg dominierten Bilder von Zerstörung, Hunger und Verzweiflung die Nachrichten – oft täglich. Dabei stellt sich nicht die Frage, ob dieses Leid real ist – das ist es zweifellos –, sondern warum bestimmte Perspektiven dominieren, während andere verblassen. Kritiker werfen den Medien vor, durch diese einseitige Gewichtung ein verzerrtes Bild der Realität zu erzeugen.

Hinzu kommt eine weitere besorgniserregende Entwicklung: der Einsatz neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz in der Berichterstattung. In einem Fall musste ein öffentlich-rechtlicher Sender einräumen, KI-generierte Inhalte ausgestrahlt zu haben, ohne diese entsprechend zu kennzeichnen. Solche Vorfälle untergraben das Vertrauen zusätzlich. Wenn nicht mehr klar ist, ob Bilder authentisch sind, gerät die Grundlage journalistischer Glaubwürdigkeit ins Wanken.

Schlüsselqualifikation Medienkompetenz

All dies zeigt: Die Medienlandschaft hat sich grundlegend verändert. Technisch sind wir weiter denn je – hochauflösende Bilder, Live-Übertragungen, digitale Plattformen. Doch mit diesen Fortschritten geht eine wachsende Verantwortung einher, der nicht immer gerecht geworden wird.

»Schwarz auf weiß« reicht heute nicht mehr aus. Leser und Zuschauer müssen kritischer sein, müssen hinterfragen, vergleichen und verschiedene Quellen einbeziehen. Medienkompetenz ist zur Schlüsselqualifikation geworden.

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Gleichzeitig sind auch die Medien selbst gefordert. Journalismus muss sich wieder stärker auf seine Kernaufgabe besinnen: objektiv zu informieren, unterschiedliche Perspektiven abzubilden und Transparenz zu schaffen – gerade auch im Umgang mit neuen Technologien.

Wichtigste Währung

Vertrauen ist die wichtigste Währung der Medien. Es wurde über Jahrzehnte aufgebaut – und kann in kurzer Zeit verloren gehen. Umso wichtiger ist es, dieses Vertrauen durch Sorgfalt, Ausgewogenheit und Ehrlichkeit zurückzugewinnen.

Denn eine funktionierende Demokratie braucht freie Medien – aber vor allem glaubwürdige.

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