Meinung

Was Layout verraten kann

Holger Friedrich, Verleger der »Berliner Zeitung«, hält in der Druckerei die erste Ausgabe der »Ostdeutschen Allgemeine Zeitung«. Ab dem 20. Februar 2026 will die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« mit einer Auflage von rund 43.000 Exemplaren Stimmen aus dem Osten stärker in den Fokus rücken. Foto: picture alliance/dpa

Wow, eine neue Zeitung! Was für eine Chuzpe im Zeitalter der Medienverdrossenheit. Aber der Verleger der Berliner Zeitung, Holger Friedrich, kennt kein Pardon, wenn es gegen die bösen Medienmacher aus dem Westen geht. Er ruft die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« ins Leben, Deckname »Projekt Halle«, Erscheinungsort Dresden.

Der Look ist verräterisch: Der Titel der OAZ in Frakturschrift, die Grundfarbe der Homepage vom »Projekt Halle« in freundlichem Schwarz mit oranger Schrift und bei X ist die Gestaltung des Profils der OAZ in Rot-Weiß-Schwarz gehalten.

Über Geschmack lässt sich streiten, aber da war doch noch was: Wurde nicht gerne auf rechtsextremen Demonstrationen Fraktur für Neonazi-Parolen benutzt? Und ist das Georgsband in Schwarz-Orange nicht ein Symbol von pro-russischer Haltung und Zustimmung für Putin? Und gibt es nicht eine Fahne aus den dunkelsten Zeiten Deutschlands, die Rot-Weiß-Schwarz war?

Natürlich ist jedes Symbol und jede Farbe für sich unverdächtig. Aber in der Summe drängt sich dem Betrachter der neuen Holger-Friedrich-Publikation einmal mehr doch ein merkwürdiges Bild auf. Welche Zielgruppe soll hier wohl erreicht werden?

Als Ostberliner würde ich Herrn Friedrich gerne fragen, ob er sich die Diktatur des Proletariats mit Sowjetrussischer Prägung zurückwünscht oder ob er sich nicht an die sogenannten »Baseballschlägerjahre« erinnert. Oder möchte er die Ostdeutschen auf pro-russische Ideen und völkisches Gedankengut reduzieren? Denn genau so denkt die Mehrzahl der Menschen in Halle und Dresden, in Rostock und in Magdeburg eben nicht. Unbedingt sollte er einmal die Juden nach ihrer Meinung fragen, die aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen sind, es wäre eine lehrreiche Geschichtsstunde.

Lesen Sie auch

Eine neue Zeitung kann etwas Gutes sein, wenn sie ein Land nicht spaltet. Ich wünschte mir eine »Allgemeine Zeitung« in Schwarz-Rot-Gold ohne völkisches Denken. Und wenn sie auch einen Ost-Touch haben soll, dann bitte mit dem guten alten Schrifttyp »DDR-Antiqua«.

Der Autor ist Artdirector der Jüdischen Allgemeinen.

limberg@juedische-allgemeine.de

NRW

Antisemitismus: Konzert der Rapper Kneecap in Oberhausen geplant, Absage gefordert

Die Veranstalter sagen, Vorwürfe der Terrorverherrlichung gegen die nordirische Band würden ernst genommen und »intensiv geprüft«. Eine Absage komme aber nicht infrage

 13.08.2026

Comics

Asterix’ Vater

Vor 100 Jahren wurde René Goscinny geboren. Der Erfinder des gallischen Dorfes hat mit seinem jüdischen Humor ein Genre neu erfunden

von Alexander Kluy  13.08.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  13.08.2026 Aktualisiert

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 12.08.2026

Rapper Pashanim während eines Konzertes auf der Bühne

Hiphop

Rapper Pashanim: »Free Palestine« als Verkaufsschlager

Auf seinem neuen Album »Lounge Musik« rappt der Berliner Musiker Pashanim wiederholt über den Israel-Palästina-Konflikt – Kokettieren mit dem palästinensischen Terrorismus inklusive

von Lennart Wilsch  12.08.2026

TV-Kritik

Geschäftsmodell Hass - ARD zeigt Serie über gewaltbereite Hooligans im israelischen Fußball

Die Dramaserie »Hooligans« blickt in den Abgrund rechtsextremer Fußballgewalt. Dass sie es ausgerechnet in Israel tut, macht den Achtteiler zur hochpolitischen Unterhaltung

von Jan Freitag  12.08.2026

Programm

Summer Open Airs in Frankfurt und Hannover, und ein Rendezvous für Hercule Poirot - mit einer Leiche

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 13. August bis zum 20. August

 12.08.2026

Hamburg

Art Garfunkel kommt für ein Konzert nach Deutschland

Der Vorverkauf für den Auftritt in der Elbphilharmonie am 24. Oktober hat begonnen

 12.08.2026

Reportage

Unter die Haut

Für viele Jüdinnen und Juden ist ein Tattoo nicht nur Körperschmuck – sondern auch ein Bekenntnis zur eigenen Identität. Vier tätowierte Menschen erzählen

von Nicole Dreyfus  12.08.2026