Meinung

Warum ich Sydney nicht verlassen werde

Amie Liebowitz wurde in Sydney geboren. Foto: Stefania Okereke

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Warum ich Sydney nicht verlassen werde

Der Terroranschlag von Bondi Beach wurde auch möglich, weil die Mehrheitsgesellschaft den Antisemitismus im Land ignoriert hat. Unsere Autorin sagt trotzdem: Ihre Heimat als Jüdin ist und bleibt Australien

von Amie Liebowitz  17.12.2025 11:02 Uhr

Am 14. Dezember um 18 Uhr kam ich mit einigen Freunden in die Stadt, und wir beschlossen, eine Outdoor-Veranstaltung am Hafen von Sydney zu besuchen. Eine Woche zuvor hatte ich ein Gespräch mit meiner Mutter über die Teilnahme an einer Chanukkafeier unter freiem Himmel. Es finden immer mehrere Veranstaltungen in Sydney zum Lichterfest statt, und wir überlegten, hinzugehen. Nachdem ich in den vergangenen Jahren über Antisemitismus in ganz Europa, insbesondere in Deutschland, berichtet hatte, war mein Reflex abzusagen – das Risiko war mir zu hoch. Wir beschlossen schließlich, nicht hinzugehen, und ich traf stattdessen Freunde.

Der Sonntag war ein wirklich warmer Sommerabend; der Sonnenuntergang war eine Mischung aus Orange, Pink und Gelb. Meine Freunde und ich waren auf einem Boot und tanzten zu Musik, als ich Nachrichten von Menschen bekam, die nach meinem Aufenthaltsort fragten. Ich wunderte mich: Warum die Sorge? Und dann erhielt ich diese Nachricht: »Ich habe die Nachrichten über Bondi Beach gehört, wo bist du?«

Eine Nacht voller besorgter Textnachrichten

Ich geriet sofort in Panik und begann, Freunde anzurufen und zu fragen, ob sie sicher seien. Ich erhielt die ganze Nacht über besorgte Nachrichten. Schließlich sah ich Polizeihubschrauber über Sydney fliegen und wusste, dass dies viel größer war als alles, was ich zuvor erlebt hatte.

Der 14. Dezember 2025 ist ein Wendepunkt für jüdische und nichtjüdische Australier.

Und dann kamen die Geschichten herein: »Der Freund meines Bruders wurde angeschossen, er ist in der Notaufnahme und wir wissen nicht, was los ist«; »Rabbi Schlanger war großartig, stimmt es, dass er angeschossen wurde?«; »Schaut euch die Videos nicht an, Warnung! Sie sind grausam!« Mein Viertel wurde teilweise abgeriegelt, da es dort eine Chanukka-Veranstaltung gab. Ein Freund schrieb mir von dort: »Ich bin aus der Absperrung raus, mir geht es gut«.

Der 14. Dezember 2025 ist ein Wendepunkt für jüdische und nichtjüdische Australier, insbesondere für die Bewohner Sydneys, die Bondi regelmäßig besuchen. Der Schock und die Bestürzung in den Gesichtern der Menschen, als sie zum Strand hinuntergingen und die weggeworfenen Flip-Flops, Strandtücher und Sonnencremes auf der Grasfläche sahen, erinnert an eine True-Crime-Dokumentation. Aber dies war nichts Vergangenes; es ist jetzt und sehr präsent.

Verschärfung von Waffengesetzen

Unmittelbar danach sprach der australische Premierminister Anthony Albanese davon, Australiens Waffengesetze zu überprüfen, die bereits zu den strengsten der Welt gehören. Die australische Öffentlichkeit war schockiert und fragte sich: Wie war das möglich? Wie konnte sich jemand vorstellen, eine Gruppe von Menschen mit solch tödlicher Gewalt anzugreifen?

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Juden in Australien und in anderen Teilen der Diaspora sagen dagegen: »Ich war schockiert, aber nicht überrascht.« Obwohl es wichtig ist, über Waffengesetze und extremistische Ideologien zu sprechen, zeigt es ein Muster, das wir nur allzu gut kennen – die Ablenkung von der Ursache des Terroranschlags, nämlich Antisemitismus.

Die Anzeichen waren längst da, als am 8. Oktober 2023 eine Gruppe von Menschen auf die Stufen des Sydney Opera House marschierte und »Vergast die Juden« skandierte und es kaum öffentliche Reaktion darauf gab; als ein Auto mit Sprengstoff und einer Drohung gegen jüdische Einrichtungen gefunden wurde; als ein Kindergarten in Brand gesteckt und eine Melbourner Synagoge mit Brandbomben angegriffen wurde. Monatelang hörte man Rufe wie »Globalisiert die Intifada« und Protestplakate mit der Aufschrift »Zios in den Müll«. Man sah rechtsextreme Kundgebungen in Victoria und New South Wales mit Neonazis, die stolz ihre Gesichter zeigten und ein Banner mit der Aufschrift »Jüdische Lobby abschaffen« hochhielten.

Gesellschaftliches Problem gibt, das nicht nur die Juden trifft

Doch erst, wenn ein schreckliches Massaker wie das am Bondi Beach geschieht, erkennen auch die nichtjüdischen Australier, dass es in ihrem Land ein gesellschaftliches Problem gibt, das nicht nur die Juden betrifft.

Ja, die Polizei hätte schneller handeln sollen, und ja, es gibt weitere Sicherheitsbedenken, die von der australischen Regierung angegangen werden müssen, aber letztendlich liegt es jetzt an der Gesellschaft zu verstehen, dass dieses Ereignis durch ihr passives Verhalten schon vor dem 7. Oktober ermöglicht wurde.

Ich bin Teil der Diaspora und fühle das in jedem Zentimeter meiner Identität.

Was kommt als Nächstes? Als jemand, der jahrelang in London gelebt hat, halte ich Sydney immer noch für einen sichereren Ort. Zumindest zeigen hier die Leute Anteilnahme, anders als beim Terrorangriff auf eine Synagoge in Manchester an Jom Kippur, wo es so schien, als ob die breite Öffentlichkeit gar nicht berührt wurde. Seit dem Terroranschlag haben mir viele Menschen geschrieben, ich solle in die USA kommen oder Alija machen. Aber für mich ist das nicht die Antwort. Ich wurde in Sydney geboren und habe das Recht, mich in meiner Heimat sicher zu fühlen wie jeder andere auch. Ich bin Teil der Diaspora und fühle das in jedem Zentimeter meiner Identität.

Diese herzlichen Nachrichten von besorgten Freunden und Kollegen sind schön, aber wird dieses Gefühl anhalten und langfristige Veränderungen bewirken? Werden die Menschen erkennen, dass dieses Massaker ein Produkt jahrelanger antisemitischer Rhetorik ist, die in unsere Lebensweise eingewoben wurde? Ich lasse mich gerne positiv überraschen.

Die Autorin ist Journalistin und lebt in Sydney.

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