Meinung

Vuelta-Radrennen: Israelhasser ohne Sportsgeist

Martin Krauß Foto: Chris Hartung

Meinung

Vuelta-Radrennen: Israelhasser ohne Sportsgeist

Bei der spanischen Radtour ist der israelische Rennstall Ziel von Störaktionen. Nun forderte der Rennleiter das Team auf, nicht mehr anzutreten. Wenigen Fanatiker gelingt es, Israel vom Sport auszuschließen - wie so oft in der Geschichte

von Martin Krauss  04.09.2025 13:58 Uhr

Im Grunde waren es nur wenige Hansel. Ein paar Demonstranten hielten bei der Spanienrundfahrt »Vuelta« Radprofis auf, die zum Team »Israel-Premier Tech« gehören. »Neutralität ist Komplizenschaft. Boykottiert Israel!« stand in spanischer Sprache auf ihrem Transparent. Die Verzögerung trug dazu bei, dass das Team, das doch zur Weltklasse zählt, an diesem Tag nur 19. von 23 wurde.

Den aus ihrer Sicht wahrscheinlich größeren Erfolg erzielten die Aktivisten einige Tage später, als der Rennleiter der Vuelta, Kiko García, über das israelische Team sagte: »Sie müssen selbst erkennen, dass ihre Anwesenheit die Sicherheit aller anderen nicht erhöht.« Die Rennleitung könne die Entscheidung zum Rauswurf des Teams nicht treffen, so García, »sie müssen sie selbst treffen«. Die Verantwortlichen der Vuelta sind vor wenigen Fanatikern eingeknickt.

Genau genommen sind es immer nur wenige, die Israel an etwas hindern wollen, das ihm selbstverständlich zusteht. Seit 1948 versuchen stets einzelne Staaten oder Funktionäre, einen Boykott gegen Israel durchzusetzen. 1972, bei den Olympischen Spielen in München, war es ein Terroranschlag, der dem Ziel der »Judenreinheit« des Weltsports nachhelfen sollte. Das Attentat jährt sich in dieser Woche zum 53. Mal.

Die Forderung nach dem Ausschluss des jüdischen Staates geht keineswegs nur von arabischen Ländern oder linken Israelhassern aus: Bei den »Mittelmeerspielen«, ein Sportfest unter dem Dach des Internationalen Olympischen Komitees, darf Israel bis zum heutigen Tag nicht teilnehmen. Im nächsten Jahr findet es in Italien statt.

Sport ist gerade deswegen bedeutend, weil bei ihm aus Prinzip alle teilnehmen dürfen, selbstverständlich auch Israelis.

Was weder die spanischen Israelhasser mit ihrem Motto »Neutralität ist Komplizenschaft« noch alle anderen Boykotteure begreifen: Sport ist gerade deswegen bedeutend, weil bei ihm aus Prinzip alle teilnehmen dürfen, selbstverständlich auch Israelis.

Den Tagessieg bei diesem von Demonstranten so erfolgreich unfair gestalteten Mannschaftszeitfahren holte das »UAE Team Emirates-XRG« – ein Stall, dessen Hauptsponsor die Vereinigten Arabischen Emirate sind, die schlimmste Menschenrechtsverletzungen zu verantworten haben. Gegen diesen sportlichen Erfolg des UAE-Teams haben die gewiss sehr fortschrittlichen Protestierer, die mutig Sportler an der Ausübung ihres Berufs hindern wollten, offenbar nichts einzuwenden.

Wahrscheinlich kam ihnen nie die Frage in den Sinn, ob ihre Neutralität bezüglich der Vereinigten Arabischen Emirate nicht ebenfalls Komplizenschaft bedeutet.

Der Autor ist freier Sportjournalist in Berlin.

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Kommentar

Landtagswahlkampf mit Israelfeindlichkeit

Mit einem vielleicht auf den ersten Blick unschuldigen Satz macht das BSW Stimmung. Gegen den einzigen jüdischen Staat, die »Zionisten« und damit die Juden

von Imanuel Marcus  06.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  06.08.2026

Meinung

»Blaue Moschee« als Gedenkstätte für die Opfer des Islamismus?

Nach der Schließung des eng mit dem iranischen Regime verflochtenen »Islamischen Zentrums Hamburg« wird über die künftige Nutzung des Ortes diskutiert

von Ulrike Becker  06.08.2026

Vorurteile

Können wir mal reden?

Warum persönliche Begegnungen und Gespräche heute wichtiger sind denn je – insbesondere beim Thema Israel

von Sabine Brandes  06.08.2026

Meinung

Danke, Boy George!

Wie die 80er-Jahre-Ikone gegen alle Widerstände für Israel eintritt, verdient unseren Dank

von Sophie Albers Ben Chamo  05.08.2026

Kommentar

Politische Pünktchensammler

Ewig bewegte Palästina-Aktivisten wie Javier Bardem und israelische Politiker nutzen den Massenansturm auf Ceuta für politisch unwürdige Spielchen

von Nils Kottmann  04.08.2026

Kommentar

Sánchez’ alter, antisemitischer Trick

Wer trägt die Verantwortung für die jüngste Katastrophe in Ceuta? Ausnahmsweise wohl nicht »die Zionisten«

von Rafael Seligmann  02.08.2026

Meinung

Die Vereinten Nationen und ihre obsessive Fixierung auf den jüdischen Staat

Warum der Staatengemeinschaft ihre Heuchelei und Doppelmoral eher früher als später zum Verhängnis werden wird

von Daniel Neumann  01.08.2026