Meinung

Nicht alles ist zu rühmen

Sepp Herberger, Bundestrainer von 1950 bis 1964 Foto: imago/Ferdi Hartung

Es gibt ein paar gute Gründe, warum man eine Ruhmeshalle, in der uns Menschen als verehrenswürdige Legenden präsentiert werden, etwas kritischer betrachten sollte. Das gilt auch, wenn es »nur« um Fußball geht, wie ja gern formuliert wird. Für die neu zu schaffende »Hall of Fame« im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund hat eine Jury nun eine Jahrhundertelf gewählt und bestimmt, dass Sepp Herberger, Reichs- und Bundestrainer von 1936 bis 1964, Jahrhunderttrainer ist.

Darüber, ob Herberger aus Überzeugung oder aus Opportunismus am 1. Mai 1933 in die NSDAP eingetreten war, gibt es eine längere Debatte. Worüber es aber keine Diskussion geben kann, ist, dass weder die eine noch die andere Motivation zu rühmen ist.

PERSÖNLICHKEITEN Es zeigt sich, dass die hierzulande verbreitete Vorstellung, man könne bestimmte Persönlichkeiten völlig ohne historischen Bezug ehren, schlicht nicht funktioniert. Gustav Gründgens war nicht nur Schauspieler, Wilhelm Furtwängler nicht nur Dirigent – und eben Sepp Herberger nicht nur Fußballtrainer.

Der deutsche Fußball hat Jahrzehnte gebraucht, um herauszufinden (oder: sich einzugestehen), dass auch er ein jüdisches Erbe hat – und zwar eines, das keinesfalls wegen, sondern trotz sportlicher Gründe in Vergessenheit geraten war.

Gottfried Fuchs ist bis heute mit zehn Treffern beim 16:0 über Russland 1912 der deutsche Rekordtorschütze; Fuchs konnte 1937 flüchten, er lebte fortan in Kanada. Auch Julius Hirsch war in seiner Zeit ein Spitzenspieler; Hirsch wurde in Auschwitz ermordet.

VERDRÄNGUNG Hirsch und Fuchs sind nicht die Einzigen. Im Fußball und auch in anderen Sportarten stellt sich erst ganz allmählich heraus, dass frühere Idole nicht etwa vergessen, sondern sehr aktiv aus dem Gedächtnis der Sportöffentlichkeit verdrängt wurden.

Wenn es darum geht, in einer Hall of Fame große Sportler zu ehren, dann sollte an sie gedacht werden.

krauss@juedische-allgemeine.de

Meinung

London belohnt die Verweigerungshaltung der Palästinenser

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  08.09.2026

Meinung

Die Wähler sind selbst schuld

Die AfD macht die etablierten Parteien verächtlich und höhlt so die Demokratie aus. Doch die eigentliche Verantwortung für die Misere trägt der Souverän

von Michael Thaidigsmann  08.09.2026

Kommentar

Warum der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nie wieder »Nie wieder!« sagen sollte

Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  08.09.2026

Kommentar

Und nun?

Bloße Empörung über den Wahlsieg der rechtsextremen AfD ist billig und wohlfeil. Es sollte endlich auch über die Gründe ihrer Popularität gesprochen werden. Die Parteien der Mitte müssen endlich aufwachen

von Philipp Peyman Engel  07.09.2026

Kommentar

Warum es eine Brandmauer gegen die Linkspartei braucht

Wenn eine Brandmauer nur auf einer Seite steht, brennt es von der anderen rein. Über diese offene Seite müssen wir reden

von Nelly Eliasberg  06.09.2026

Kommentar

Wladimir Putin setzt auf unsere Langsamkeit

Konsulatsschließungen fangen keine Drohnen ab, Sanktionen schützen keinen Flughafen. Deutschland muss gegenüber Russland endlich eine härtere Gangart einschlagen

von Sergey Lagodinsky  04.09.2026

Medien

Wie »Die Zeit« den fanatischen Israelhasser Zohran Mamdani zur politischen Lichtgestalt umdeutet

von Regula Stämpfli  03.09.2026

Meinung

Ärmer durch die Wohngeldreform

Bereits heute ist mehr als die Hälfte der jüdischen Zuwanderer im Rentenalter auf Grundsicherung angewiesen. Die Reform drängt ausgerechnet jene dorthin zurück, die es mit eigener Lebensleistung geschafft haben, ihr zu entkommen

von Günter Jek  03.09.2026

Justiz

Meinungsfreiheit ist kein Freibrief: Zur Leugnung des Existenzrechts Israels

Eine Klarstellung von Nathan Gelbart

von Nathan Gelbart  01.09.2026