Rabbiner Raphael Evers

Michael Jackson und die Scheinheiligkeit

Michael Jackson Foto: picture alliance / empics

Die niederländische Supermarktkette Albert Heijn kündigte jüngst an, keine Musik von Michael Jackson mehr zu spielen. Der Grund sind Enthüllungen in der Dokumentation Leaving Neverland mit Vorwürfen des Kindesmissbrauchs gegen den 2009 verstorbenen Künstler. Musik solle nicht beleidigend sein, heißt es. Dabei hat sich noch niemand über Jacksons Musik beschwert.

Das moralische Element, das hier angesprochen wird, wiegt schwer: Wir spielen keine Musik von Menschen, die sich sehr schlecht gegenüber anderen Menschen verhalten haben. Das zeigt Verständnis für die Opfer von Missbrauch.

KANT UND VOLTAIRE Wenn wir dies loben, sollten wir uns auch Gedanken darüber machen, dass in vielen anderen Bereichen immer noch Menschen geehrt werden, die schrecklichste Dinge behauptet haben. Die amerikanische Philosophin Laurie Shrage fragte neulich, ob »wir weiterhin Denker wie Kant, Voltaire und Hume lehren sollen, ohne die schändlichen Vorurteile zu erwähnen, die sie mit legitimiert haben«. Interessanterweise haben sich bislang nur wenige Menschen damit beschäftigt, obwohl doch heutzutage beinahe alles auf politische Korrektheit untersucht wird.

Messen wir mit zweierlei Maß? Ja, natürlich.

Kant hielt die Juden für unveränderlich minderwertig, Voltaire nannte uns »ein dummes und barbarisches Volk, das traditionell die schmutzigste Gier und den abstoßendsten Aberglauben vereint und den unbändigsten Hass auf alle Völker schätzt, die ihn toleriert und bereichert haben«. Einerseits wissen wir, dass Antisemitismus schlicht nicht in akzeptable wissenschaftliche Theorien passt. Andererseits lassen wir ihn gerade da großzügig stehen, wo er durch berühmte Denker wie etwa Kant oder Voltaire vorgetragen wurde.

Messen wir mit zweierlei Maß? Ja, natürlich. Sogar Hitlers Mein Kampf darf in den Niederlanden verkauft werden, allerdings nur in einer kommentierten Ausgabe. Ist das nicht der Nachweis geistiger Armut? Ist das nicht pure Scheinheiligkeit?

Der Autor ist Oberrabbiner der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf.

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  25.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  25.06.2026

Meinung

Keine Geschäfte mit »Judensternen«

Schoa-Überlebende waren entsetzt, als ein Auktionshaus persönliche Gegenstände von NS-Opfern versteigern wollte. Der Bundesrat hat nun ein Gesetz auf den Weg gebracht, um das zu verbieten. Gut so!

von Christoph Heubner  23.06.2026

Meinung

Essen mit Beigeschmack

Katrin Richter kritisiert, dass jüdische und israelische Küche zunehmend nur noch mit Schutzkonzept serviert werden kann

 23.06.2026

Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

Immer mehr zeigt sich: Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation

von Daniel Killy  23.06.2026

Meinung

Wenn niemand sonst zu Israel steht

Unser Autor ist Schüler auf einem Gymnasium nahe Köln. Mit Entsetzen stellt er fest, dass Antisemitismus und Israelhass in seiner Klasse mittlerweile absoluter Mainstream sind

von Jan Tersteegen  22.06.2026

Meinung

Die Linkspartei ist für Juden unwählbar geworden

Jede Hoffnung, »Die Linke« könnte ein vernünftiger Partner werden, wurde enttäuscht. Die Partei unterstützt konsequent die Kräfte, die jüdisches Leben unmöglich machen wollen

von Sigmount A. Königsberg  21.06.2026

Glosse

Deutschland sucht den Nazi

Der »Spiegel« und die »Zeit« helfen den Deutschen, die Nazis unter den Vorfahren aufzuspüren - und verdienen damit ganz nebenbei gutes Geld. Richtig so, findet unser Autor

von Michael Thaidigsmann  19.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026