Meinung

Letzte Chance für die Linke

Mascha Malburg Foto: Marco Limberg

Meinung

Letzte Chance für die Linke

Viele Juden haben »Die Linke« schon abgeschrieben. Doch nach wie vor gibt es dort Mitglieder, die den Antisemitismus innerhalb der Partei bekämpfen. Hoffentlich setzen sie sich auf dem Bundestreffen in Potsdam durch

von Mascha Malburg  18.06.2026 08:32 Uhr

Fragt man Jüdinnen und Juden, was sie vom Bundesparteitag der Linken am Wochenende in Potsdam erwarten, winken die meisten müde ab. Viele in der jüdischen Gemeinschaft haben die Linkspartei bereits abgeschrieben. Das ist angesichts zahlreicher antisemitischer Ausfälle nachvollziehbar. Doch ist es politisch klug?

Die Linke hat im vergangenen Jahr ihre Mitgliederzahlen verdoppelt und vor allem junge Menschen in die Partei gelockt – manche von ihnen sind von den radikalisierten israelfeindlichen Protesten direkt in die Gremien marschiert. Beobachter beschreiben zunehmend autoritär organisierte Gruppen, die einen geradezu stalinistischen Antizionismus pflegen. Vielen demokratischen Linken, wie sie vor allem in den Ostverbänden sitzen, gehen diese »Hardliner«, wie Gregor Gysi sie in der »Zeit« nannte, mit ihrer Kompromissunfähigkeit auf die Nerven.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) »Shalom«, die in der Partei gegen Judenhass aufbegehrt, wächst.

Klar ist: Die Linkspartei bietet gerade Platz für Antisemitismus. Zugleich muss man anerkennen, dass niemand intensiver gegen diese Tendenzen kämpft als Linke selbst. Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) »Shalom«, die in der Partei gegen Judenhass aufbegehrt, wächst und hatte bei der letzten Zählung deutlich mehr Mitglieder als die BAG »Palästinasolidarität«, die gegen den »real existierenden
Zionismus« mobilisiert.

Nun will der Parteivorstand auf dem Bundesparteitag einen zentralen Antrag zum Thema einbringen. Der Text passt sicher nicht jedem glühenden Israelfreund, aber er zieht drei klare Linien, die man nicht überschreiten möchte: das Existenzrecht Israels, die Zweistaatenlösung und die Bekämpfung des Antisemitismus »in all seinen Formen«.

Lesen Sie auch

Schafft es die Partei, sich auf diese Grundsätze zu einigen, könnte sie sich endlich dem widmen, wofür sie gerade dringend gebraucht wird: dem Kampf für soziale Gerechtigkeit. Davon würden übrigens Jüdinnen und Juden in Deutschland besonders profitieren: Sie sind überdurchschnittlich häufig von Armut betroffen und auf Sozialleistungen angewiesen.

malburg@juedische-allgemeine.de

Tel Aviv/Lod

Ben Gurion Airport: Nur jeder dritte Flug startet pünktlich

Die auf dem Flughafen geparkten Tanker der US-Luftwaffe sind nur einer von mehreren Gründen für ständige Verspätungen

 31.07.2026

Libanon

Reaktion auf Drohnenangriff: Israel sprengt Hisbollah-Tunnelsystem

Auslöser für die nun erfolgte Zerstörung sei ein Drohnenangriff der Hisbollah am Mittwoch gewesen, erklären Ministerpräsident Netanjahu und Verteidigungsminister Katz

 31.07.2026

Großbritannien

Hackney will Städtepartnerschaft mit Haifa beenden

Ratsherr Simche Steinberger wirft der Ratsmehrheit vor, die sechs jüdischen Ratsmitglieder überhaupt nicht konsultiert zu haben

 31.07.2026

Tel Aviv

»Und dann musste ich mein eigenes Grab schaufeln«

Über zwei Jahre lang war Evyatar David in Gewalt der Hamas. Jetzt berichtet er davon, wie er – ausgezehrt und geschwächt – sein eigenes Grab ausheben musste

 31.07.2026

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  30.07.2026

Kairo

Verhandler sollen Fortschritte bei Hamas-Entwaffnung gemacht haben

Die Hamas signalisiert Bereitschaft, ihre Waffen unter Aufsicht der palästinensischen Übergangsverwaltung zu stellen. Im Gegenzug fordert sie einen Abzug der israelischen Truppen aus dem Gazastreifen

 30.07.2026

Berlin

Antisemitismus ohne Scham

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel in Berlin-Mitte wurde nach eigenen Angaben auf der Straße mit dem Tode bedroht

von André Anchuelo  30.07.2026 Aktualisiert

Investition

Finanzierung für Stadtbahn im Norden steht

Von Haifa nach Nazareth mit der Bahn? Ab 2029 soll dies möglich sein. Das Projekt kostet viel Geld

 30.07.2026

Gaza

Zukunft ungewiss

Seit Monaten stagniert Trumps Gaza-Plan. Können ein israelisches Pilotprojekt in Rafah und das versprochene Ende der Hamas-Regierung daran etwas ändern? Eine Analyse

von Joshua Schultheis  30.07.2026