Andreas Nachama

Gesine Schwan rechnet die Schoa gegen Israels Politik auf

Rabbiner Andreas Nachama Foto: Gregor Zielke

Am 1. Dezember wollte die Berliner Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit ihr 75-jähriges Bestehen feiern und hatte dazu in die katholische Akademie eingeladen. Die Feier ist fehlgeschlagen und endete in einem Eklat. Denn dort sollte die Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission und ehemalige Rektorin der Europa-Universität Frankfurt Oder, Gesine Schwan, die Festrede halten.

Wie es in der Pressemitteilung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit heißt, »hat sich Frau Schwan entgegen unseren Erwartungen nicht nur auf das Jubiläum konzentriert, sondern ihre Rede in unangemessener Form auch auf die aktuelle politische Lage in Israel fokussiert. Dabei äußerte sie sich sehr kritisch zum Vorgehen der israelischen Regierung gegen die Hamas, was bei vielen unserer Gäste, insbesondere den jüdischen Mitgliedern, großes Unbehagen und Entsetzen auslöste. Einige verließen daraufhin den Saal«.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Rede war keine Würdigung der Gesellschaft, sondern eine Abrechnung mit dem Staat Israel. Sie ist auch ein Sinnbild für das laute Schweigen zwischen Christen und Juden nach dem 7. Oktober 2023. Statt auf die Opfer der Massaker und die Geiseln mit Empathie einzugehen, ist Schwans Rede zu einer Anklage gegen Israel geworden.

Schließlich hat sich Professorin Schwan – vom Publikum gedrängt – in die Podiumsdiskussion eingereiht. Mir blieb vor dem Hintergrund, mir während des Festvortrages keine Notizen gemacht zu haben, nur festzustellen, dass »ich hier nichts mehr zu sagen« habe, und mich dem Exodus aus dem Saal anzuschließen.

Draußen fand sich dann eine illustre Gesellschaft von Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau bis zu Bischof Christian Stäblein ein, die sich dann vornehmlich mit anderen SPD-Mitgliedern darüber auseinanderzusetzen hatten, ob Juden diese Diskussion und Israelkritik nicht doch aushalten müssen.

Genau eine Woche zuvor hatte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder im Kern die gleichen Themen in der Ratsversammlung des Zentralrats der Juden in München angesprochen und ist mit Standing Ovations verabschiedet worden. Es ist also nicht die Frage, ob man diese komplexen politischen Fragen abhandelt, sondern wie.

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Das ist auch der Kern der Entfremdung von einerseits Säkularen und Christen, andererseits Juden in diesem Land: Aus der christlich-jüdischen Zusammenarbeit ist nicht nur bei dieser Festveranstaltung ein Anzählen der israelischen Regierung geworden, um die Schoa gegen den Krieg im Gazastreifen und die Siedlungspolitik im Westjordanland aufzurechnen.

Der Autor ist Jüdischer Präsident des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

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