Meinung

Essen mit Beigeschmack

Katrin Richter Foto: Katharina Bohm

In Berlin ist es ziemlich einfach, sich an einem Tag auf eine kulinarische Weltreise zu begeben. Porridge morgens in Pankow, Sabich mittags in Kreuzberg, Sashimi abends in Mitte. Manchmal hat man aber auch das Glück, dass man nicht erst durch die Stadt fahren muss, sondern, dass es alles auf einen Fleck gibt – koscher noch obendrauf, wer will. Wie beim 5. Kosher Street Food Festival der Jüdischen Gemeinde. Von veganem Sushi über Khinkali, frischen Säften, Alfajores und Kaffee konnten sich Besucherinnen und Besucher durch die koschere Genusswelt schlemmen. Es war köstlich, es war friedlich, es war endlich mal etwas ohne Streit und Hass.

Was dem Magen und dem Geist guttat, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass einige Restaurants mit israelischer Küche, israelischen oder jüdischen Inhabern ihre Läden bereits haben schließen müssen; sie haben sich ein anderes Programm gegeben oder sich auf Catering spezialisiert. Sehr oft waren neben vielen anderen Gründen auch Drohmails mit eindeutigen politischer Botschaft der Grund für Stornierungen und daraus resultierendem wirtschaftlichen Schaden.

Zwar ist die kulinarische Vielfalt in Berlin dadurch – noch – nicht gefährdet, aber so weit muss es ja gar nicht erst kommen! Das Image von der ach so weltoffenen Hauptstadt allerdings ist ziemlich ramponiert, wenn Gastronomen sich zurückziehen, ihr lang erdachtes Konzept ändern müssen oder so sichtbar Security vor dem Restaurant stellen müssen, dass Gäste aus Bedenken oder gar Angst wegbleiben.

Natürlich ist es schön, wenn es Gelegenheiten wie das Streetfood Festival gibt, zu denen Menschen kommen, die einfach neugierig sind. Und natürlich ist es noch schöner, wenn Besucher über Asado oder einer Hawaiian Poké Bowl den nächsten Besuch im Restaurant des Standinhabers planen oder sich an ihre letzte Israel-Reise erinnern. Aber der Nachgeschmack, dass all dies in einem geschützten Raum stattfinden muss, mit abgesperrten Straßenzügen, ist und bleibt bitter, auch wenn er längst zur Gewohnheit geworden ist.

richter@juedische-allgemeine.de

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  30.07.2026

Kommentar

Die Hinrichtungen gehen weiter

Nach der brutalen Niederschlagung der Protestbewegung im Januar setzt das Regime die Exekutionen vor den Augen der Welt fort

von Nila Mozafari  30.07.2026

Meinung

Ein belasteter Ort verlangt Bewusstsein

Belastete Orte wie etwa Hitlers Geburtshaus in Braunau gibt es in Deutschland und Österreich viele. Erinnerung daran bedeutet, ihr in der Gegenwart die richtige Antwort zu geben

von Vladimir Vertlib  29.07.2026

Meinung

Wir müssen darüber sprechen, was der Terror mit dem Islam zu tun hat

Die islamistische Ideologie muss endlich klar und deutlich als solche benannt werden

von Ali Ertan Toprak  29.07.2026

Vladimir Shikhman

Meinung

Das ibug-Festival 2025 – eine sächsische Documenta?

Antisemitismus in der Kunst: Auf dem internationalen ibug-Festival in Chemnitz wurden im vergangenen Jahr Werke gezeigt, die antisemitische Klischees reproduzierten. Droht dieses Jahr eine Wiederholung?

von Vladimir Shikhman  28.07.2026

Meinung

KI: Wie die Welt einmal untergehen könnte

Der Kontrollverlust der Softwarefirma OpenAI über ihr neuestes Modell macht erneut die Notwendigkeit deutlich, KI-Technologie stärker zu regulieren. Dabei geht es um nicht weniger als die Zukunft der Menschheit

von Joshua Schultheis  28.07.2026

Meinung

»Blutspur Antwerpen« – Ein Lehrstück in Sachen Antisemitismus

Keine einzige Rezension hat den Krimi bislang als das gewertet, was er ist: Ein rassistisches Machwerk in Gestalt einer »antisemitischen Parabel«

von Achim Bühl  27.07.2026

Meinung

Die Gefahr des Islamismus endlich ernst nehmen

Nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD reichen Bekundungen der Trauer und Betroffenheit nicht. Es braucht konkretes gesetzgeberisches Handeln, um dem Terror zu begegnen

von Volker Beck  26.07.2026

Meinung

»Glückwunsch« zum Genozid-Vorwurf

Solange die Grüne Jugend einseitig gegen Israel gerichtete Beschlüsse fasst, kann sie kein Partner im Kampf gegen Antisemitismus sein

von Anika Schmütz  26.07.2026