Kommentar

Die Kotel ist für alle da

An der Kotel in Jerusalem Foto: Flash90

Diese Woche wurde der Knesset ein Gesetzentwurf vorgelegt, der vorsieht, dass an der Klagemauer jedes »Verhalten, das den Anweisungen und Urteilen des orthodoxen Oberrabbinats widerspricht«, mit einer Freiheitsstrafe von bis zu sieben Jahren geahndet werden kann.

Das Gesetz zielt auf zwei Phänomene ab, die den ultraorthodoxen Parteien schon lange ein Dorn im Auge sind. Das Erste sind die »Women of the Wall«, die sich monatlich an Rosch Chodesch – dem Neumond – zum Gebet im Frauenbereich des Vorplatzes der Klagemauer versammeln. Sie sind wiederholt Opfer verbaler und körperlicher Gewalt geworden.

Junge charedische Teenagern wurden mit Bussen dorthin gekarrt, um ihre Gebete mit Geschrei und Schmähungen zu übertönen – eine Gewalt, die ich während meiner Jahre in Israel selbst miterlebt habe. Vor Kurzem zerstörten jene jungen Männer auch ihre Gebetsbücher. Sie wurden nie angeklagt.

Stattdessen wurde Tammy Gotlieb, eine der Anführerinnen der Gruppe, letzte Woche verhaftet – weil sie hörbar im Frauenbereich der Klagemauer gebetet hatte. Im heutigen Israel gilt die Stimme einer betenden Frau anscheinend als größere Störung der öffentlichen Ordnung als die Gewalt junger Charedim.

Das zweite Ziel des Gesetzes ist der Davidson’s Arch Plaza, ein abgeschiedener Bereich der Klagemauer, wo ohne Mechitza – einer Trennwand zwischen den Geschlechtern – gebetet werden kann. Doch selbst dieser Ort der stillen Rücksichtnahme scheint der rechtsextremen Koalition unerträglich. Eine Mehrheit der Abgeordneten stimmte in erster Lesung für den Entwurf.

Den Gesetzesvorschlag eingebracht hatte Avi Maoz, Mitglied der rechtsextremen Partei Noam, die sich ansonsten leidenschaftlich dafür einsetzt, Rechte von LGBTQ-Personen zu beschneiden. Nach der Abstimmung erklärte Maoz: »Heute hat die Knesset eine klare Grenze für die Einmischung des Obersten Gerichtshofs in die Heiligkeit der Klagemauer gezogen.« Egalitäres Gebet bezeichnete er als »Entweihung«.

Ob wir beten oder nicht, ob unsere eigene Praxis eine Mechitza beinhaltet oder nicht – dieses Gesetz sollte uns alle alarmieren. Heute steht die meistbesuchte jüdische Gebetsstätte der Welt kurz davor, in die alleinige Kontrolle des ultraorthodoxen Rabbinats zu fallen. Morgen könnten andere Orte als zu heilig für nicht-charedische Juden gelten.

Der Midrasch erzählt, wie sich die Mauern des Beit Midrasch nach außen wölbten, um allen Juden, die darin beten wollten, Platz zu machen. Das ist das Wesen der Heiligkeit: die grenzenlose Ausdehnung, die alle einschließt. So wie der Tempel selbst das gesamte jüdische Volk in seinen Mauern barg, muss die Klagemauer ein Ort bleiben, an den das gesamte jüdische Volk treten darf, an dem es beschützt ist.

Die Autorin ist Talmudlehrerin bei dem europaweiten jüdischen Lernprogramm Ze Kollel.

Beit Lid

Nach Festnahme eines Wehrdienst-Verweigerers: Tausende Haredim demonstrieren

Einzelne Teilnehmer versuchten, einen Zaun vor dem Gefängnis niederzureißen

 21.07.2026

Flugverkehr

Wegen des Krieges: Dutzende Flugausfälle pro Tag möglich

Die Amerikaner wollen weitere fliegende Tanker schicken. Die Konsequenzen: Tausende Passagiere pro Tag könnten ohne Flugverbindung dastehen

 21.07.2026

Photo by Al-Aqsa TV/UPI Photo via Newscom picture alliance

Gaza

Khalil al-Hayya wird neuer Hamas-Führer

Knapp zwei Jahre nach der Tötung ihres Anführers Yahya Sinwar durch die israelische Armee hat die radikalislamistische Hamas mit Khalil al-Hayya offenbar einen neuen Chef

 20.07.2026

Tel Aviv

Zamir warnt Iran vor Angriffen auf Israel

»Wir werden mit großer Stärke gegen jeden vorgehen, der uns schadet«, sagt der Generalstabschef, nachdem Trümmer einer iranischen Rakete auf Israel niedergegangen sind

 20.07.2026

Protest

Minister und Aktivisten demonstrieren für Wiederaufbau von Siedlungen in Gaza

Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir setzt sich seit Jahren für israelische Siedlungen im gesamten Gazastreifen ein. Premier Netanjahu lehnt das ab

 20.07.2026

Berlin

Humboldt-Universität will weiter mit Israel kooperieren

Die Berliner Humboldt-Universität ist gegen einen Boykott israelischer Hochschulen. Das Studierendenparlament hatte zuletzt einen Abbruch der Beziehungen gefordert

 20.07.2026

7. Oktober

»Die Ärzte beschlossen, ihn zu erschießen«

Hanan Yablonka wurde von Hamas-Terroristen in den Gazastreifen entführt und getötet. Nun hat erstmals seine Schwester Avivit Yablonka Abady über Hanans letzte Minuten gesprochen

 20.07.2026

Ben-Gurion-Flughafen

Randale an Bord: Drei Israelis in Lufthansa-Maschine festgenommen

Die Polizei muss Gewalt anwenden, da die Passagiere keine Einsicht zeigen und Beamte angreifen

 20.07.2026

Ulaanbaatar

Angriff auf israelische Touristen in der Mongolei

Während der Attacke riefen die Angreifer »Heil Hitler« und »Verschwindet von hier«

 20.07.2026