Meinung

Die Eurovision gehört der Musik

Nicole Dreyfus Foto: Claudia Reinert

Meinung

Die Eurovision gehört der Musik

Abermals wird der Ausschluss Israels von dem Musikwettbewerb gefordert. Doch das liefe auf eine Untergrabung des Formats hinaus, das so zum politischen Instrument verkommen würde

von Nicole Dreyfus  22.04.2026 17:35 Uhr

Was wäre, wenn sich Politikerinnen und Politiker ins Musikgeschäft einmischen und künstlerische Empfehlungen abgeben würden? Es würde unweigerlich einen Aufschrei aus der Branche geben. Umgekehrt scheint dies opportun zu sein, insbesondere dann, wenn es um Israel geht. Dann sind alle Fachexperten für das, was der jüdische Staat zu tun oder zu lassen habe.

Nun steigt auch Michael Schulte in die Debatte ein. Der deutsche Sänger und Teilnehmer des Eurovision Song Contest (ESC) 2018 sagte mit Blick auf den im Mai in Wien anstehenden Wettbewerb, es wäre »besser gewesen, wenn Israel mal aussetzt, auch im eigenen Interesse«, weil die Teilnahme des Landes zu einem »sehr großen Thema« werden wird.

Der ESC lebt von einem klaren Grundprinzip: kultureller Wettbewerb als Gegenmodell zur politischen Eskalation

Gerade im Kontext des ESC wirkt diese Position einseitig und verkürzt. Natürlich war der ESC nie unpolitisch, aber er lebt von einem klaren Grundprinzip: kultureller Wettbewerb als Gegenmodell zur politischen Eskalation. Eine Bühne, auf der künstlerische Vielfalt sichtbar gemacht wird, muss politische Spannungen aushalten können. Israel vom ESC auszuschließen, wäre eine Untergrabung des Formats, das damit zum politischen Instrument verkommt.

Die Forderung, selbst wenn sie wie von Schulte vermeintlich gut gemeint ist, erzeugt in erster Linie Aufmerksamkeit – und dämonisiert Israel. Die Wut all jener, denen Israel ein Dorn im Auge ist, richtet sich nicht nur gegen die Künstlerinnen und Künstler, sondern ist ein Ausdruck davon, dass offenbar nicht ertragen werden kann, dass Israel nach wie vor um seine Existenz kämpft. Israel muss sich schützen, sonst wird es das Land eines Tages nicht mehr geben, da die Bedrohungslage kein abstraktes Szenario ist, sondern Alltag. Wer das ignoriert, blickt durch eine unscharfe moralische Brille und läuft in die Falle der Täter-Opfer-Umkehr, die immer dann zuschnappt, wenn berechtigte Kritik mit pauschaler Ausgrenzung verwechselt wird. Genau das passiert mit Aussagen wie denen von Schulte. Derartige Stimmen machen die Diskussion nicht differenzierter, sondern einseitiger und unversöhnlicher, zulasten des einzigen jüdischen Staates.

dreyfus@juedische-allgemeine.de

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