Einspruch

Der Rechtsstaat muss endlich handeln!

Sigmount Königsberg, Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Foto: Gregor Zielke

Einspruch

Der Rechtsstaat muss endlich handeln!

Sigmount Königsberg fordert, im Kampf gegen Antisemitismus auch auf harte Strafen zu setzen

von Sigmount Königsberg  04.11.2021 13:29 Uhr

Nachdem sich in den vergangenen Jahren die sogenannte Palästina-Solidarität mit Slogans wie »Hamas, Juden ins Gas!«, »Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein«, »Sch…Juden« verbal aufrüstete, lässt sie ihren Worten nunmehr kriminelle Taten folgen.

Nur mit knapper Not überlebten ein 60-Jähriger in Hamburg und ein 36-Jähriger in Berlin brutale tätliche Angriffe. Ersterer war Teilnehmer einer Israel-Solidaritätskundgebung, Letzterer weigerte sich, in den Ruf »Free Palestine!« einzustimmen.

angriffe Diese Angriffe sind weder Zu- noch Einzelfälle, sondern stellen eine massive, wenn auch nicht überraschende Eskalation der Gewalt dar – die zudem durch die fortwährende Bagatellisierung des israelbezogenen Antisemitismus legitimiert wird. Die sogenannte Initiative GG 5.3 Weltoffenheit spricht in diesem Zusammenhang sogar von »missbräuchlichen Verwendungen des Antisemitismusvorwurfs«.

Die Folgen des Laissez-faire von Legislative, Exekutive und Judikative sind in Frankreich zu sehen.

Darüber hinaus werden Täter von Gerichten in ihrem Tun ermutigt, denn wenn diese überhaupt ermittelt werden können, sind die Urteile alles Mögliche, nur kein Signal der Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft: Fast immer werden sie von Richtern in die Freiheit entlassen. Solange die Bekämpfung von Antisemitismus nicht als Dreiklang von Prävention, Intervention und Repression verstanden, ja, Letzteres sogar systematisch vernachlässigt wird, so lange fühlen sich antisemitische Gewalttäter hier sicher.

urteile Es ist nicht zu viel verlangt, wenn vom demokratischen Rechtsstaat erwartet wird, dass dieser die Menschen schützt. Dazu gehört, dass Gerichte empfindliche Urteile fällen, in denen sich die Sanktionen am oberen Rand des Strafrahmens bewegen, oder auch bei 20-jährigen Tätern nicht das Jugend-, sondern das Erwachsenenstrafrecht anwenden.

Die Folgen des Laissez-faire von Legislative, Exekutive und Judikative sind in Frankreich zu sehen, wo in den vergangenen Jahren mindestens elf Menschen ermordet wurden, nur aus einem einzigen Grund: weil sie Juden waren.

Der Autor ist Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

Meinung

Das ibug-Festival 2025 – eine sächsische Documenta?

Antisemitismus in der Kunst: Auf dem internationalen ibug-Festival in Chemnitz wurden im vergangenen Jahr Werke gezeigt, die antisemitische Klischees reproduzierten. Droht dieses Jahr eine Wiederholung?

von Vladimir Shikhman  28.07.2026

The OpenAI logo is displayed on a mobile phone screen in this photo illustration, as artificial intelligence tools continue to expand across consumer and business applications in Brussels, Belgium, on February 28, 2026. (Photo by Jonathan Raa/NurPhoto)

Meinung

KI: Wie die Welt einmal untergehen könnte

Der Kontrollverlust der Softwarefirma OpenAI über ihr neuestes Modell macht erneut die Notwendigkeit deutlich, KI-Technologie stärker zu regulieren. Dabei geht es um nicht weniger als die Zukunft der Menschheit

von Joshua Schultheis  28.07.2026

Meinung

Wir müssen darüber sprechen, was der Terror mit dem Islam zu tun hat

Die islamistische Ideologie muss endlich als solche benannt werden – auch weil Muslime zu den ersten Opfern der Terroristen gehören

von Ali Ertan Toprak  28.07.2026

Filmkritik

»Blutspur Antwerpen« – Ein Lehrstück in Sachen Antisemitismus

Keine einzige Rezension hat den Krimi bislang als das gewertet, was er ist: Ein rassistisches Machwerk in Gestalt einer »antisemitischen Parabel«

von Achim Bühl  27.07.2026

Meinung

Die Gefahr des Islamismus endlich ernst nehmen

Nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD reichen Bekundungen der Trauer und Betroffenheit nicht. Es braucht konkretes gesetzgeberisches Handeln, um dem Terror zu begegnen

von Volker Beck  26.07.2026

Meinung

»Glückwunsch« zum Genozid-Vorwurf

Solange die Grüne Jugend einseitig gegen Israel gerichtete Beschlüsse fasst, kann sie kein Partner im Kampf gegen Antisemitismus sein

von Anika Schmütz  26.07.2026

Meinung

Bringt Israel die Vereinten Nationen zu Fall?

Die obsessive Fixierung der UN auf den jüdischen Staat steht im Widerspruch zu ihren ursprünglichen Werten. Diese Heuchelei wird der Staatengemeinschaft irgendwann noch zum Verhängnis werden

von Daniel Neumann  26.07.2026

Meinung

Wo ist der Geist von Sarajevo?

Auch in Deutschland rufen Vertreter der bosnischen Diaspora zunehmend nach harten Sanktionen gegen Israel und scheuen den Dialog mit den jüdischen Gemeinden hier. Das war schon einmal anders

von Marc Simon  24.07.2026

Meinung

Notbremse gegen Antisemitismus

Die Hochschulleitungen müssen den Judenhass ihrer Mitarbeiter und Studierenden als das ernst nehmen, was er ist: eine Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland

von Debora Eller  22.07.2026