Melody Sucharewicz

Der Antisemitismus, das dreiste, gefräßige Monster

Melody Sucharewicz Foto: Elad Malka

Melody Sucharewicz

Der Antisemitismus, das dreiste, gefräßige Monster

Auf Demonstrationen in Europa dominieren juden- und israelfeindliche Hasstiraden. Das Schweigen darüber ist unerträglich

von Melody Sucharewicz  17.03.2025 15:59 Uhr

Auf Demonstrationen in Österreich, Deutschland und ganz Europa dominieren antisemitische Hasstiraden. In Wien wird eine Ausstellung mit Portraits von Holocaust-Überlebenden mit Hakenkreuzen beschmiert, ihre Gesichter mit Messern zerfetzt. Verschwörungstheorien wuchern im Internet. Die gelben Judensterne der Nazizeit werden zum hippen Accessoire.

Klingt aktuell? Das war 2020, lange vor dem 7. Oktober. Rechte Demokratiefeinde und Verschwörungstheoretiker nutzten die Coronakrise als Vehikel und Anlass, um den Antisemitismusvirus, eingebettet in gespenstische Verschwörungstheorien, auf Europa loszulassen.

Seit dem 7. Oktober verbreitet sich Antisemitismus wie ein Superspreader. Noch während die feiernden israelischen Jugendlichen von den Hamas-Mördern erschossen, vergewaltigt und verstümmelt wurden, noch während Kleinkinder erdrosselt und verschleppt wurden, rotierte der Motor der palästinensischen Propagandamaschine bereits auf Hochtouren.

Politischer Aufschrei

Rasch wurde es auch in Deutschland und Österreich hip, auf angeblich pro-palästinensischen Demos Hassparolen zu grölen. »From the river to the sea« wurde das Mantra indoktrinierter Studenten, die sich in ihre neue Identität als legitime Judenhasser verliebten. Aus blutrünstigen Terroristen wurden Freiheitskämpfer.

Aus tanzenden Opfern des Nova-Festivals wurden Besatzerinnen, die es nicht besser verdient hätten. Aus Geiseln, darunter Frauen, Kleinkinder und Holocaust-Überlebenden, wurden Gefangene, gleichwertig mit inhaftierten Hamas Terroristen.

Der politische Aufschrei, die Tränen, die vielen Maßnahmen, die Besetzung von Beauftragten gegen Antisemitismus – all das ist ehrenwert. Aber eben nur das. Die Betroffenheitskultur reicht nicht aus, wenn man gegen einen aggressiven Virus kämpft.

Juristisch unbehelligt

Ausgelöst durch das größte Massaker an Juden seit dem Holocaust, fühlen sich 80 Prozent der Juden in Europa nicht mehr sicher. Mehr als die Hälfte der Juden in Deutschland denkt ans Auswandern.

Es ist längst nicht nur die Angst vor physischen Angriffen durch palästinensische Fanatiker und ihre Sympathisanten, Islamisten, Links- oder Rechtsradikale. Es ist längst nicht nur der Schock über das ohrenbetäubende Grölen radikaler Studenten und Islamisten in den Unis und Straßen Europas. Es ist die Erschütterung.

Bei allem guten Willen, bei allen wohlwollenden Worten – der Staat hat versagt. Der latente Antisemitismus ist zu einem dreisten, gefräßigen Monster mutiert.

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Extremisten, die tote jüdische Babys mit Baklava auf Berlins Straßen feiern, bleiben juristisch unbehelligt. Antisemitische Hetzer wie die UNO-Berichterstatterin Francesca Albanese dürfen in europäischen Universitäten über »Israels Genozid als koloniale Ausrottung« dozieren und bekräftigen damit die radikale Brut in den Hörsälen, auch in Wien.

Verheerende Signale

Politische Statements, über Deeskalation oder Gewaltspiralen, die Äquidistanz vermitteln und Israels Recht auf Selbstverteidigung nur in der Theorie unterstützen, senden verheerende Signale an Israels Feinde. Und damit auch an die Feinde der demokratischen Werte. Denn seit dem 7. Oktober ist klar: Israel kämpft nicht nur für Israel. Israel kämpft für die gesamte Freie Welt.

Diese Welt teilt sich gerade vor unseren Augen: Demokratien auf der einen Seite, totalitäre Herrschaftssysteme auf der anderen. Wer in seinem Land Demokratie, Freiheit und Menschenrechte behalten will, stellt sich auf die Seite von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten - und nicht daneben.

Aber noch eines ist unerträglich für Juden in Europa seit dem 7. Oktober: das Schweigen. Das Schweigen der Frauenorganisationen und Aktivistinnen über die Massenvergewaltigungen jüdischer Frauen durch die Hamas und den mitlaufenden Mob palästinensischer Zivilisten. Die Gruppe »Queers for Palestine« steht für die Verblödung unserer Welt und den Erfolg gut finanzierter Radikalisierung.

Fratzen des Antisemitismus

Das Schweigen über die Geiseln, die in den Terror-Tunnel der Hamas hungern und gefoltert werden von gut gefütterten Hamas-Terroristen.
Das Schweigen über den Raketen-Terror der Hamas, der Hisbollah, der Huthi. Das Schweigen über die Waffenverstecke unter den Betten palästinensischer Kinder. Das Schweigen über die UNRWA-Lehrer, die Geiseln festhielten. Das Schweigen über den Hamas-Diebstahl der humanitären Hilfe, die auch durch europäische Steuergelder finanziert wird.

Schweigen ist Hinnahme. Und Hinnahme ist nicht nur moralisch unverzeihlich. Sie ist auch strategisch ein Fehler. Denn das Schweigen befeuert die extremistischen Bewegungen im eigenen Land, die Frauen unterdrücken, Homosexuelle bedrohen, Demokratie verachten, den Staat finanziell aussaugen und ideologisch unterwandern.

Seit dem 7. Oktober haben wir Klarheit. Die verschiedenen Fratzen des Antisemitismus sind längst verschmolzen. Die Unterscheidung zwischen linkem, rechten, islamistischem, israelbezogenem Antisemitismus ist gut für die Akademie. Aber keine gute Grundlage für den Kampf gegen das Virus.

Umgesetzt und evaluiert

Es darf nicht wegakademisiert oder beschwichtigt werden. Es muss bekämpft werden, und zwar mit allen Mitteln. Von bedingungsloser Strafverfolgung – dazu gehört auch die überfällige Schließung von Hamas-nahen NGOs wie Rahma Austria und Liga Kultur –, eine drastisch klügere Einwanderungspolitik, bis hin zu gesamtstrategischen Konzepten, die nicht nur formuliert, sondern auch umgesetzt und evaluiert werden.

Denn auch das macht der 7. Oktober glasklar: Das antisemitische Virus in Europa – ob befeuert durch Pandemien oder palästinensische Hass-Propaganda - ist zweitens ein Problem für Europas Juden und erstens eine Gefahr für die so bitter erkämpften Freiheiten und Werte europäischer Demokratien.

Wenn Juden in Berlin aufgefordert werden, ihren Davidstern zu verstecken, ist der Tag nicht fern, an dem junge Mädchen in Wien nicht mehr frei und furchtlos auf Festivals tanzen. Beides müssen wir mit allen Mitteln verhindern.

Die Autorin ist deutsch-israelische Beraterin und setzt sich weltweit für die Geiseln der Hamas und ihre Familien ein.

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