Meinung

Blut statt Licht

Sophie Albers Ben Chamo, Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen Foto: Stephan Pramme

Ein Sonntag. Mit der Familie sein. Die Wohnung aufräumen. Freunde treffen. Ins Kino gehen. Entspannen, lachen, sich erholen, auftanken für die Aufgaben der kommenden Woche. Aber auch die erste Chanukka-Kerze zünden, das Fest des Lichts begehen, Sufganiot, Latkes, noch mehr Familie und Lachen und Singen und die Vorfreude auf das Strahlen sieben weiterer Kerzen.

Doch falsch gedacht. Bisher gibt es 15 Tote, nachdem am berühmten australischen Bondi-Beach in Sydney Terroristen auf die Besucher eines beliebten Chanukka-Festivals gefeuert haben. Dutzende Verletzte, Kinder, Alte, Frauen, Männer, die gekommen waren, um einen besonders schönen Sonntag zu verbringen.

Juden im Rest der Welt starren auf die Nachrichten. Sprachlos, hilflos, voller Angst, voller Wut.

Der ist nun im Blut ertrunken, während eine getroffene Mutter inmitten von Toten versucht, ihre Kinder zu beruhigen; während ein älterer Mann mit Kippa beide Hände an den Kopf presst, weil er das, was er sieht, nicht aushält; während eine junge Frau kraftlos am Rinnstein sitzt und auf die Straße weint. Im Krankenhaus kämpfen mehr als 20 Menschen um ihr Leben.

Und während Beileids- und Mitleidsbekundungen bei der jüdischen Gemeinschaft Australiens eingehen, starren Juden im Rest der Welt auf die Nachrichten. Sprachlos, hilflos, voller Angst, voller Wut.

»Sie haben das Recht, in Frieden und Sicherheit zu beten, zu studieren, zu leben und zu arbeiten. Und Sie bereichern uns als Nation. Sie sollten niemals den Verlust ertragen müssen, den Sie heute erlitten haben. Sie sollten niemals die Angst kennenlernen, die Sie heute Abend empfinden«, sagt der australische Premierminister Anthony Albanese.

Lesen Sie auch

Diese Angst, Herr Premierminister, begleitet Juden in aller Welt jeden einzelnen Tag, wie eine »pretraumatische« Belastungsstörung. Spätestens seit dem 7. Oktober 2023. Schließlich macht auch das Abwarten, Abwiegeln, das Wegsehen, das Aber, mit dem die westlichen Gesellschaften auf den rasenden Antisemitismus reagieren, das nächste Massaker nur zu einer Frage der Zeit. Nun war es also wieder so weit.

benchamo@juedische-allgemeine.de

Flüge

US-Airline wiedereröffnet die Route Tel-Aviv-New York

Pünktlich zu Rosch Haschana gibt es wieder Direktflüge zwischen New York und Tel Aviv von anderen Anbietern als El Al

 09.08.2026

Großbritannien

Verdacht: Britische Hilfsorganisation könnte Hamas unterstützt haben

Die Anti-Terror-Polizei Londons untersucht, ob eine muslimische Hilfsorganisation von der Terrorfinanzierung mit ihren Spenden wusste oder nicht

 09.08.2026

Griechenland

Warnung an Israelis in Griechenland

Weil »propalästinensische« Organisationen zu einem »Tag des Zorns« aufgerufen hätten, sollen sich Israelis bedeckt halten, warnt das israelische Außenministerium

 09.08.2026

Jerusalem

Großeltern umgebettet: Theodor Herzls letzter Wille ist erfüllt

Die Überreste von Schimon und Rikva Herzl, Vorfahren väterlicherseits des Zionismus-Begründers und prägende Gestalten in Theodor Herzls Jugend, wurden von Serbien nach Israel überführt und auf dem Herzlberg beigesetzt

 06.08.2026

Palma

Michael Douglas ist Ehrenbotschafter Mallorcas

Der Hollywood-Star mit jüdischem Familienhintergrund wird für seine enge Verbindung zu der spanischen Insel und sein Engagement für deren kulturelles Erbe geehrt

 06.08.2026

Frankreich

Eine Abrechnung mit dem Judenhass der neuen Linken

Nach 41 Jahren verlässt der anerkannte Journalist Jean Quatremer die beliebte Tageszeitung »Libération«. Er wirft Kollegen einen »entfesselten Antisemitismus« und eine ideologische Schreckensherrschaft vor

 06.08.2026

USA

Seitenwechsel

In Stanford hetzte Taryn Thomas auf Studentenprotesten gegen Israel. Dann sah sie die Nova-Ausstellung – und wurde zur »Verräterin«

von Daniel Zylbersztajn-Lewandowski  06.08.2026

Großbritannien

Tories wegen Nominierung von Ex-Neonazi in der Kritik

Die Chefin der Konservativen Partei hält ihn für resozialisiert, doch die jüdische Labour-Politikerin Luciana Berger ist skeptisch, was eine Kandidatur des früheren Rechtsextremisten Joshua Bonehill-Paine bei der Kommunalwahl 2027 anging

von Michael Thaidigsmann  06.08.2026

Litauen

Bima der Großen Synagoge von Vilnius endlich freigelegt

Während die Ausgrabungen voranschreiten, geht die Debatte über die Zukunft des Ortes weiter. Soll dort ein Gemeindezentrum entstehen, ein religiöses Zentrum oder eine Erinnerungs- und Bildungsstätte?

 05.08.2026