Meinung

»Blaue Moschee« als Gedenkstätte für die Opfer des Islamismus?

Ulrike Becker Foto: Tatyana Kronbichler

Vor zwei Jahren hat die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) die Blaue Moschee und das dort ansässige Islamische Zentrum Hamburg (IZH) geschlossen. Das IZH sei direkte Vertretung des obersten geistlichen Führers im Iran und verbreite in aggressiv-kämpferischer Weise die Ideologie des Regimes, so die Begründung. Damit verstoße sie gegen das Grundgesetz. Das IZH legte dagegen vor dem Bundesverwaltungsgericht Klage ein, die Entscheidung steht aus. Parallel dazu kursieren Pläne über die Zukunft des Zentrums.

In exiliranischen Kreisen entstand die Idee, aus der Moschee eine »Gedenkstätte für die Opfer des Islamismus« zu machen. Auch die Errichtung eines Kulturzentrums ist im Gespräch. Die Stätte könnte den Namen Jina Mahsa Amini tragen, der jungen kurdisch-iranischen Frau, die im Herbst 2022 wegen eines schlecht sitzenden Kopftuchs von Regimeschergen derart brutal zusammengeschlagen wurde, dass sie an den Folgen starb.

Die Blaue Moschee kann zu einem Symbol des Neuanfangs werden. Aber nur dann, wenn Hamburg unmissverständlich klarstellt: Es wird keinen Einfluss des iranischen Regimes geben.

Andererseits treffen sich schiitische Muslime wöchentlich vor dem geschlossenen Gotteshaus auf der Straße zum Gebet. Ein »Aktionskomitee« kämpft für die Wiedereröffnung der Moschee. Das lehnen exiliranische Kreise ab: Sie erinnern daran, dass die Moschee kein normales Gotteshaus war, sondern ein Instrument des Regimes. Auch angesichts der brutalen Unterdrückung der Menschen im Iran fordern sie, dass das Regime keinen Einfluss mehr in Hamburg haben darf.

Das Problem ist: In der Islamischen Republik existiert keine vom Staat unabhängige Geistlichkeit und Religion. Und im IZH gab es immer wieder Trauerfeiern für politische Repräsentanten des Regimes. Auch einige der schiitischen Aktivisten, die für die Wiedereröffnung des IZH kämpfen, haben Kontakte in höchste politische Kreise im Iran.

Lesen Sie auch

Die Blaue Moschee kann zu einem Symbol des Neuanfangs werden. Aber nur dann, wenn Hamburg unmissverständlich klarstellt: Es wird keinen Einfluss des iranischen Regimes geben. Diese politische Einflussnahme muss durch demokratische Kontrolle ausgeschlossen werden. Am besten gelingt das unter Einbindung der iranischen Exil-Community.

Die Autorin ist Historikerin und Expertin für Beziehungen zum Iran.

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Essay

Politische und moralische Bankrotterklärung

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten. Trotzdem wurde sie in die Jury des renommierten Deutschen Buchpreises berufen

von Daniel Neumann  15.08.2026

Meinung

Brennende Moscheen: Moralische Klarheit bei Siedlergewalt

Die Stimme gegen Gewalt, die im Namen des jüdischen Volkes ausgeübt wird, muss ebenso klar und deutlich vernehmbar sein wie gegen die Gewalt, die sich gegen uns richtet

von Rabbiner Pinchas Goldschmidt  14.08.2026

Meinung

AfD als Sicherheitsrisiko

Es ist die Pflicht jedes Einzelnen, unsere Verfassung zu verteidigen und ein Überprüfungsverfahren anzustrengen. Verbieten kann nur unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat

von Roderich Kiesewetter  13.08.2026

Meinung

Warum die Begründung des OLG Zweibrücken nicht überzeugt

Der Beschluss des Pfälzischen Oberlandesgerichts zur Gleichsetzung von Davidstern und Hakenkreuz zeigt, wie die bestehende Dogmatik angesichts des Anstiegs des Antisemitismus in der Gesellschaft an Grenzen stößt

 12.08.2026

Kommentar

UNRWA: Fakten statt Tabus

Warum Kritik am Palästinenserhilfswerk auf Schweigen und Ablehnung stößt

von Duki Dror  12.08.2026

Georg Restle

Medien

Geglaubt und geteilt

»Antisemitismus«, definierte Adorno, sei »das Gerücht über Juden«. Was ist dann dessen Verbreitung? Die ARD muss sich einer längst fälligen Debatte stellen

von Esther Schapira  11.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  10.08.2026

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026